Stand: 18.09.2019 23:09 Uhr

SPD-Regionalkonferenz: In Hamburg kämpferisch

Sieben Duos bewerben sich um den SPD-Parteivorsitz und präsentierten sich am Mittwoch auf Kampnagel den Mitgliedern.

Der große Saal auf Kampnagel war voll, rund 800 Zuschauer sind gekommen und die Erwartungen der SPD-Mitglieder waren groß: Bei ihrem Vorstellungsmarathon durch Deutschland haben die Kandidaten für den SPD-Bundesvorsitz am Mittwoch Station in Hamburg gemacht. Bundesfinanzminister und Ex-Bürgermeister Olaf Scholz, der sich gemeinsam mit der Brandenburger Landtagsabgeordneten Klara Geywitz als Duo um die Nachfolge von Andrea Nahles bewirbt, spürte bei der Veranstaltung auf Kampnagel durchaus Gegenwind. Schon im August hatte der Hamburger SPD-Vorstand die Unterstützung der Bewerbung beschlossen.

Scholz sagte im Interview mit dem Hamburg Journal und NDR 90,3: Das Wichtigste für ihn sei, dass die SPD bei den vielen Regionalkonferenzen zusammenwachse. Und: Er als SPD-Chef wolle dazu beitragen, dass Deutschland so gut dastehe wie Hamburg.

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SPD Regionalkonferenz auf Kampnagel

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Sieben SPD-Teams bewerben sich um den Parteivorsitz und präsentieren sich den SPD-Mitgliedern auf Kampnagel. Zu den Favoriten zählt das Tandem Olaf Scholz und Klara Geywitz. Video (05:04 min)

Kämpferische Kandidaten

Bei der Vorstellung gaben sich alle Kandidaten kämpferisch und zuversichtlich. Mitbewerber, die einen Ausstieg aus der großen Koalition oder ein Ende der schwarzen Null forderten, erhielten am Mittwochabend bei der Parteibasis deutlich mehr Applaus als der frühere Bürgermeister. Das Duo Michael Roth und Christina Kampmann ist gerade bei jüngeren SPD-Mitgliedern beliebt.

Scholz verweist auf Hamburger SPD als Vorbild

Finanzminister und Ex-Bürgermeister Olaf Scholz blieb zusammen mit seiner Partnerin Klara Geywitz in der Rolle des Pragmatikers. Scholz verwies auf die Erfolge der Hamburger Sozialdemokraten, die vor zehn Jahren auch auf schwierigem Posten gestanden hätten, es dann aber doch durch Geschlossenheit zur absoluten Mehrheit in der Bürgerschaft gebracht hätten. Dies sei auch angesichts der aktuellen Umfragewerte zu schaffen. "In dieser Partei steckt Kraft und Potenzial", sagte er. "Wir wollen die SPD so stark machen, dass wir ohne Union regieren können", meinte Geywitz.

Stegner wirbt um linkes Lager

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Olaf Scholz auf Kampnagel: Neben ihm Ralf Stegner und seine Mit-Kandidatin Klara Geywitz (alle SPD).

Den wohl meisten Applaus gab es am Ende für Ralf Stegner, den SPD-Fraktionschef in Schleswig-Holstein. "Wir müssen Klartext reden, ohne populistisch zu werden", so sein Credo. Es gehe um Verteilungsgerechtigkeit und einen starken Sozialstaat. Dazu gehöre auch eine Vermögenssteuer, "und die schwarze Null sollten wir ruhig anderen Parteien überlassen". Für die neue Führung der SPD brauche es Kandidaten, "die unabhängig sind von der Regierung und nicht Anhängsel davon".

Mitglieder verbreiten Aufbruchstimmung

Insgesamt, das wurde auch bei dieser Regionalkonferenz deutlich, will die SPD wieder mit dem Prinzip der Solidarität und als linke und pragmatische Volkspartei um das Vertrauen der Wählerinnen und Wähler werben. Den Hunderten Mitgliedern, die in Hamburg dabei waren, war deutlich anzumerken, dass sie ihre Partei trotz schlechter Wahl-Ergebnisse noch nicht aufgegeben haben und einen neuen Aufbruch wollen.

Tour geht noch bis Mitte Oktober

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SPD-Parteivorsitz: So läuft die Wahl ab

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In Hamburg stellen sich die Kandidaten für den SPD-Parteivorsitz vor. Wer genau sich bewirbt und wer mit welchen Themen punkten will, erklärt Sylvia Burian vom Hamburg Journal. Video (03:37 min)

Im Rahmen von 23 Regionalkonferenzen wird der Parteibasis seit Anfang des Monats die Möglichkeit für Diskussionen, Gespräche und Nachfragen an die Kandidaten gegeben. Hamburg ist bereits die 13. Station, enden soll die Tour am 12. Oktober in München. Anschließend soll eine Mitgliederbefragung über die neue SPD-Spitze bestimmen. 130.000 der etwa 430.000 Mitglieder haben sich bereits für die Online-Abstimmung registriert. Die Parteibasis kann aber auch analog per Brief abstimmen.

Das Ergebnis der Abstimmung wird am 26. Oktober verkündet. Danach müssen die Delegierten eines Bundesparteitags in Berlin (6. bis 8. Dezember) den Vorschlag der Parteibasis noch bestätigen.

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Dieses Thema im Programm:

Hamburg Journal | 18.09.2019 | 19:30 Uhr

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