Rothenburgsort: Viele Pläne für ein Fabrikgelände

Stand: 07.07.2021 20:24 Uhr

In Rothenburgsort schlummert das Areal der Branntweinmonopolverwaltung vor sich hin - noch. Inzwischen machen sich mehrere Gruppen über die Nutzung des Fabrikkomplexes Gedanken.

Da gibt es die Vision eines Stadtteilzentrums mit viel Kultur, aber wahrscheinlicher sind wohl die Pläne zur pragmatischen Nutzung als Ausbildungsstätte für die Zollverwaltung, inklusive Abriss mehrerer Häuser, obwohl sie unter Denkmalschutz stehen. Noch liegt es im Dornröschenschlaf: das Gelände der ehemaligen Branntweinmonopolverwaltung, gleich hinter den Elbbrücken. Mit der geplanten Verbindung zwischen Billebogen und Hafencity liegt es nun auf einmal mitten drin.

Ein Ensemble mit Geschichte

"Man kann hier wunderbar noch nachvollziehen, wie hier sozusagen früher der Alkohol verarbeitet und umgeschlagen wurde. Also von der Schiene aufs Schiff auf den Lkw. Und nur in der Vollständigkeit, mit diesen vielen unterschiedlichen Funktionsbauten kann das Ensemble halt auch seine Geschichte erzählen", sagt Kristina Sassenscheidt vom Denkmalverein Hamburg.

Ein musealer Schatz

Seit einem Jahr stehen die Gebäude unter Denkmalschutz. Von 1922 an war dort das staatliche Monopol für Branntweinherstellung. Im Keller der großen Halle stehen noch die riesigen Tanks. Der landwirtschaftliche Rohalkohol wurde hier aufbereitet und an Spirituosenhersteller verkauft. Seit 2013 liegt das Gelände brach, ein nicht gehobener musealer Schatz.

Die Zollakademie zeigt Interesse

Inzwischen gibt es konkrete Pläne vom Bund, dem das Gelände gehört: Die Zollverwaltung will eine Aus- und Weiterbildungsstätte errichten. Während der Denkmalverein den Abriss fürchtet, freut sich die Behörde für Stadtentwicklung und Wohnen über die neue Zollakademie in Hamburg. Und glaubt: "Der Denkmalschutz wird bei allen Planungen angemessen berücksichtigt. Die konkreten Planungen für den Neubau des Zolls liegen zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht vor."

Initiativen wollen das ganze Gelände nutzen

Bisher scheint nur der Erhalt der großen Halle sicher. Nur für diesen Teilbereich strebt die Stadt eine Nutzung durch den Stadtteil an. "Diese hartnäckigen Bemühungen im Sinne einer stadtteilbezogenen Nutzung zeigen nun Erfolg, da die Übernahme einer Teilfläche in städtischen Besitz in Aussicht steht", heißt es. Die Stadtteilinitiativen hätten gerne das gesamte Gelände als Kulturzentrum genutzt. Nach dem Abriss des alten sind sie 2016 in ein viel zu kleines Toilettenhäuschen gezogen. Inzwischen haben sie sogar eine Förderung von fünf Millionen Euro bekommen, zur Hälfte vom Bund und der Stadt. Das Geld muss allerdings innerhalb von fünf Jahren verwendet werden.

Ein großer Kompromiss

Deswegen haben wir uns darüber unterhalten, ob man nicht an dem Nebenplatz einen Neubau machen kann und einen Neubau eines Stadtteilzentrums zusammendenkt, mit der Nutzung der Halle, die dann vielleicht später dazukommt", sagt Lisa Zander von der Stadtteilinitiative Mikropol. Die große Version, geschrumpft zum großen Kompromiss. Da bleibt am Ende nur zu hoffen, dass wenigstens etwas vom Charakter des Areals übrig bleibt.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 07.07.2021 | 19:30 Uhr

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