Der Gerichtssaal im Prozess um die sogenannten Drei von der Parkbank. Der Angeklagte hält sich eine gelbe Mappe vor das Gesicht. © picture alliance/dpa Foto: Bodo Marks/dpa

"Parkbank"-Prozess: Staatsanwalt fordert Gefängnisstrafen

Stand: 20.10.2020 18:31 Uhr

Im Hamburger Prozess um die sogenannten "Drei von der Parkbank" hat der Oberstaatsanwalt am Gefängnisstrafen von drei bis dreieinhalb Jahren für die Angeklagten gefordert.

Die drei wurden am zweiten Jahrestag der G20-Proteste vorigen Juli auf einer Parkbank in Eimsbüttel verhaftet, wo sie vier Brandanschläge in Hamburg vorbereitet haben sollen. Die Frau unter den dreien lebt in Freiheit, die beiden Männer sind seit fast eineinhalb Jahren in Untersuchungshaft. Geht es nach dem Oberstaatsanwalt, werden sie auch noch lange hinter Gittern bleiben.

Dreieinhalb und drei Jahre Haft gefordert

Er hat heute dreieinhalb Jahre Gefängnis für den mutmaßlichen Hauptplaner verlangt. Der zweite Mann sowie die Frau sollen für drei Jahre ins Gefängnis. Der Staatsanwalt ist davon überzeugt, dass sie an vier Orten in Hamburg Brandanschläge verüben wollten. Unter anderem auf das Wohnhaus, in dem Stadtentwicklungssenatorin Dorothee Stapelfeldt (SPD) lebt. Das käme einem terroristischen Akt gleich, so der Staatsanwalt heute. Das Gericht hatte hingegen kürzlich angedeutet, dass es den Vorwurf, die drei hätten auch ein Wohnhaus als Ziel gehabt, nach fast 50 Prozesstagen nicht als bewiesen ansieht.

Die "Drei von der Parkbank"

Die drei Angeklagten waren im Juli 2019 in einer Grünanlage in Eimsbüttel festgenommen worden. Wegen des Treffpunkts an einer Parkbank wird das Trio in den Medien und der linken Szene als "die Drei von der Parkbank" und "Parkbankcrew" bezeichnet. Sie sollen der Anklage zufolge vom 7. auf den 8. Juli 2019 gegen Mitternacht möglichst zeitgleiche Brandanschläge an vier verschiedenen Orte im Hamburger Stadtgebiet geplant haben. Das Trio habe die Tat zunächst geplant und sich schließlich um 23.55 Uhr an einer Parkbank in der Grünanlage Meißnerstraße getroffen, um die Brandsätze untereinander aufzuteilen, so der Vorwurf der Generalstaatsanwaltschaft.

Festnahme vor mutmaßlich geplanten Anschlägen

Bevor sie jedoch die mutmaßlich verabredeten Brandanschläge begehen konnten, wurden sie um 0.24 Uhr in dem Park in Eimsbüttel festgenommen. Die zivilen Polizisten und Polizistinnen hätten bei den Dreien schließlich vier mit Benzin gefüllte Halbliter-Plastikflaschen und Feuerzeuge gefunden, "nicht aber Zigaretten" oder ähnliches. Auch Handschuhe und schwarze Wechselkleidung hatten die Verdächtigen laut Anklage dabei.

Weitere Informationen
Menschen vor dem Justizgebäude während des Prozesses gegen die "Drei von der Parkbank" .

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 20.10.2020 | 18:00 Uhr

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