Das Kreuzfahrtschiff "Aida Sol" liegt am Cruise Center Altona. © dpa-Bildfunk Foto: Christian Charisius

NABU: Reedereien müssen beim Klimaschutz mehr Tempo machen

Stand: 23.08.2022 13:35 Uhr

Der Naturschutzbund (NABU) hat in Hamburg zum zehnten Mal ihr Kreuzfahrtranking vorgelegt. Demnach tun die Reedereien zwar etwas für den Umweltschutz, allerdings zu zögerlich und langsam.

Rund zwei Jahre lang lag die Kreuzfahrtbranche wegen der Corona-Pandemie am Boden. Und diese Zeit haben einige Reedereien genutzt, um beispielsweise Schiffe mit Landstromanschlüssen nachzurüsten, sagt Sönke Diesener vom NABU. Insgesamt tue die Branche aber noch immer nicht genug für Umwelt- und Klimaschutz, heißt es im NABU Kreuzfahrtranking 2022.

NABU: Oft nur schöne Worte und Ankündigungen

Diesener forderte deshalb mehr Tempo: "Die bisher zaghaften Projekte hin zu mehr Klimafreundlichkeit müssen zeitnah im größeren Maßstab umgesetzt werden." Eine Umfrage in der Branche zeige, dass von "vielen Unternehmen vor allem schöne Worte und Ankündigungen kommen und bislang nur wenig konkret umgesetzt wird, um die Situation zu verbessern".

NABU nimmt 19 Reedereien unter die Lupe

Insgesamt 19 Reedereien, die mit ihren Schiffen auf europäischen Gewässern unterwegs sind, hat die Umweltschutzorganisation bewertet. Maximal konnten 17 Punkte erreicht werden. Ganz vorn im NABU-Ranking landete Hurtigruten aus Norwegen. Die norwegische Postschifflinie erreicht jedoch gerade die Hälfte der möglichen Punkte.

Drei deutsche Anbieter mit am besten bewertet

Unter den fünf am besten bewerteten sind drei deutsche Anbieter: Neben Aida Cruises auch Hapag-Lloyd Cruises und TUI Cruises, beide mit Sitz in Hamburg. Diese Reedereien können laut NABU insbesondere für Maßnahmen auf großen und sehr großen Schiffen als Vorreiter gelten. Bei Aida Cruises lobt der NABU, dass das Unternehmen viel in alternative Antriebe investiert, beispielsweise mit Brennstoffzellen experimentiert. Hapag-Lloyd Cruises verzichtet komplett auf Schweröl. Und TUI Cruises hat ein Schiff in Auftrag gegeben, dass mit klimaneutral erzeugtem Methanol fahren soll.

Mehrzahl der Schiffe fährt noch mit Schweröl

Allerdings: Noch immer fährt die überwiegende Zahl der Schiffe mit dem umweltschädlichem und giftigem, aber billigen Schweröl. Nur wenige wirklich zukunftstaugliche Projekte sind in Planung und Umsetzung. Doch Natur- und Klimakrise sind akut, sagte Leif Miller, NABU-Bundesgeschäftsführer. "Nur wer heute aus dem Schweröl aussteigt und für alle neuen Schiffe Null-Emissionen als Standard vorsieht, kann glaubhaft machen, dass die Ankündigungen für eine klimaneutrale Zukunft ernst gemeint sind", ergänzte er.

Diesener: "Wir brauchen flächendeckend strengere Gesetze"

Laut Diesener zeigt das Ergebnis des Rankings, dass strenge Regulierung hilft. "Norwegen hat seit 2007 strikte Stickoxidvorgaben. Zudem dürfen bestimmte Fjorde künftig nur noch mit Null-Emissions-Schiffen befahren werden", so Diesener. Für den NABU heiße das, dass man flächendeckend strengere Gesetze brauche, um in der gesamten Branche eine vergleichbare Entwicklung zu forcieren. Dazu zähle ein generelles Schwerölverbot, eine Landstrompflicht und eine E-Fuels-Quote genauso wie strengere Effizienzvorgaben und die großflächige Ausweisung von Null- und Niedrig-Emissionsgebieten auf See, ergänzte er.

NABU fordert Pflicht zur Landstrom-Abnahme

Null-Emissionen am Liegeplatz können schon jetzt erreicht werden, wenn ein Schiff an Landstrom angeschlossen wird und so die Motoren im Hafen abstellen kann. Diese Möglichkeit nutzen bisher aber die wenigsten. "Für Millionen Steuergelder sind Landstromanlagen errichtet worden - in Hamburg schon 2016! Doch kaum einer der rund 50 Hamburg anlaufenden Luxuslinern nimmt ihn ab", sagte Siegert. Die Kreuzfahrtindustrie müsse verpflichtet werden, den ihnen zur Verfügung gestellten grünen Landstrom auch endlich abzunehmen. Städte und Kreuzfahrtindustrie seien angehalten, ihr Versprechen gegenüber Anwohnenden einzulösen und die Schadstoff- und Treibhausgasemissionen wirkungsvoll zu minimieren.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 23.08.2022 | 12:00 Uhr

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