Stand: 01.09.2019 21:41 Uhr

Modellversuch für autofreies Ottensen gestartet

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Kunstrasen soll zum Verweilen einladen und Anwohnern die Möglichkeit geben, den neu gewonnenen Raum kreativ zu füllen.

"Ottensen macht Platz": Mit Picknick, Kicker, Tanz und Musik hat in Hamburg-Altona am Sonntag ein sechsmonatiger Modellversuch begonnen. Mehrere Straßenabschnitte rund um den Spritzenplatz sind bis Ende Februar 2020 weitgehend autofrei. Konkret geht es um Teile der Bahrenfelder Straße, der Ottenser Hauptstraße und der Großen Rainstraße. Kunstrasen hebt den neu gewonnen Raum visuell hervor und lädt zum Aufenthalt ein. Gelbe Holzkonstruktionen an den Straßenrändern bieten Platz zum Sitzen und Verweilen. Anwohner können und sollen den autofreien Raum in den kommenden sechs Monaten mit eigenen Ideen und Initiativen füllen.

Lob von Politikern, Behörden und Verkehrsclub Deutschland

Zum Auftakt am Sonntag dankte Altonas Baudezernent Johannes Gerdelmann den vielen Anwohnern, die das Projekt ermöglicht hätten. Grünen-Fraktionschef Anjes Tjarks sagte, der Versuch könne ein "Leuchtturm der Verkehrswende" werden. Nach den Worten von Rainer Schneider vom Verkehrsclub Deutschland (VCD) seien Anwohner mit dem Bahnhof Altona bestens angebunden und könnten aufs Auto verzichten. Der Anteil der Bürger in Ottensen mit eigenem Auto liegt nach Angaben des VCD bei unter 30 Prozent.

Eingeschränkter Lieferverkehr sorgt für Kritik

Dem Modellversuch hatten in der Bezirksversammlung Altona alle Fraktionen mit Ausnahme der AfD zugestimmt. Nur wer auf seinem Grundstück einen Privatparkplatz hat, darf auch weiterhin in die neue autofreie Zone fahren - ebenso Taxis und Radfahrer. Lieferverkehr für die vielen Einzelhändler und Handwerker ist nur noch in der Zeit zwischen 23 und 11 Uhr erlaubt. Und das sorgt für Kritik. Anwohner befürchten, dass die Nachtruhe gestört wird. Vize-Bezirksamtsleiter Kersten Albers (SPD) versuchte im Vorfeld, Anwohner wie Kritiker einzubinden. "Wir haben als Amt zur Umsetzung des Auftrags unserer Bezirkspolitik wirklich enorme Kraftanstrengungen eingebracht", so Albers. Man sei mit den Genehmigungen für Gewerbetreibende etwas hinterher, werde sie jedoch in den kommenden Tagen bescheiden.

Modellversuch wird wissenschaftlich ausgewertet

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Auch im Hamburger Rathausquartier sind einige Straßenabschnitte für Auots tabu.

Das Institut für Verkehrsplanung und Logistik der TU Hamburg begleitet den Modellversuch mit Verkehrszählungen, Raumbeobachtungen und Befragungen von Anwohnern, Gewerbetreibenden und Passanten. Das soll Erkenntnisse liefern, wie sich die autofreie Zone auf die Zufriedenheit der Menschen im Quartier auswirkt. Ende Februar kommenden Jahres soll die Bezirksversammlung Altona auf Grundlage der Evaluation entscheiden, wie es mit dem Projekt weitergeht.

Im Hamburger Rathausviertel läuft ein ähnliches Experiment seit knapp einem Monat. Dort sind die Kleine Johannisstraße, die Schauenburger Straße sowie Parkplätze am Dornbusch drei Monate lang für Autos tabu.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 01.09.2019 | 08:00 Uhr

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