Stand: 24.03.2020 15:18 Uhr  - NDR 90,3

Mehr als 1.200 Coronavirus-Fälle in Hamburg

"Zu Hause bleiben ist das Gebot der Stunde" - das sagte Hamburgs Erster Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) am Dienstag bei der Landespressekonferenz (LPK). Gemeinsam mit Gesundheitssenatorin Cornelia Prüfer-Storcks und Innensenator Andy Grote (beide SPD) haben die Politikerinnen und Politiker einen Überblick über die aktuelle Lage in der Corona-Krise gegeben. Es gehe weiterhin darum, die Geschwindigkeit der Ausbreitung zu begrenzen, so Tschentscher. Er dankte allen Hamburgerinnen und Hamburgern für ihr verantwortungsvolles Verhalten. Die Bürgerinnen und Bürger hielten sich weitgehend an die jüngsten Auflagen.

Panne verzerrt Infektionszahlen in den letzten Tagen

Gesundheitssenatorin Cornelia Prüfer-Storcks sagte, dass die Infektionszahlen der vergangenen drei Tage wegen eines Softwareproblems zu niedrig angegeben wurden. Es gebe jetzt 1.237 Infizierte (Stand 24.03.2020). Der große Anstieg von Montag auf Dienstag um 248 Infizierte bedeute jedoch keinen verstärkten Anstieg. Unter den jetzt gemeldeten Neu-Infektionen befänden sich durch die Software-Panne auch Fälle, die bereits in den vergangenen Tagen festgestellt worden waren. Tatsächlich seien es in den vergangenen Tagen jeweils rund 150 Neuinfizierte gewesen. Hamburg erfasse die neuen Fälle täglich, die vom Robert-Koch-Institut zur Verfügung gestellte Software habe jedoch nicht richtig funktioniert. Derzeit seien 72 Infizierte im Krankenhaus, davon lägen 18 auf der Intensivstation. Wie viele Menschen bereits geheilt sind, könne die Gesundheitsbehörde noch nicht sagen - diese Zahlen würden derzeit noch nicht erfasst.

Etwa 3.500 Tests pro Tag

Mehr als 3.500 Tests würden täglich durchgeführt, erklärte Prüfer-Storcks. Das Verfahren, erst zu testen, wenn ein Verdacht berechtigt sei, habe sich bewährt. Ein wichtiges Thema sei immer noch Schutzkleidung. Im stationären Bereich warte man dringend auf weitere Lieferungen. Die Gesundheitsbehörde ruft Firmen dazu auf, die zwar nicht im Gesundheitswesen tätig sind, aber trotzdem mit Schutzkleidung arbeiten, diese zur Verfügung zu stellen. Die Stadt kaufe Schutzkleidung, wo sie könne, sagte Prüfer-Storcks.

Kliniken verschieben planbare Operationen

Die Krankenhäuser in Hamburg würden sich derzeit auf einen Anstieg der stationär zu versorgenden Patientinnen und Patienten vorbereiten, so Prüfer-Storcks. Sie habe Krankenhäuser angewiesen, planbare Leistungen wie Operationen zu verschieben. Zudem müssten alle Krankenhäuser zweimal pro Woche berichten, wie sich die Kapazitäten entwickeln. Im Gespräch mit den Krankenhausleitungen habe die Gesundheitsbehörde festgestellt, dass die Auslastung teilweise auf 65 Prozent zurückgegangen sei, weil bereits viele Eingriffe verschoben wurden. Für jedes freigehaltene Bett erhalten die Krankenhäuser eine Pauschale von 560 Euro, bestätigte Prüfer-Storcks. Zudem seien 100 weitere Beatmungsgeräte bestellt worden. Aus Sicht der Gesundheitsbehörde sei es möglich, die intensivmedizinischen Einheiten zu verdoppeln und auch ganze Abteilungen oder Kliniken für Corona-Patientinnen und -Patienten zu reservieren.

Verstöße laut Innenbehörde überschaubar

Hamburgs Innensenator Andy Grote (SPD) am 24. März 2020 bei der Landespressekonferenz. © NDR
Die Polizei gehe Verstößen konsequent nach, sagte Andy Grote.

Innensenator Andy Grote erklärte, der Schwerpunkt seiner Behörde liege derzeit in der polizeilichen Überwachung. Die Beamtinnen und Beamten zeigten hohe Präsenz in der Stadt und gingen Verstößen konsequent nach. Diese seien in der Zahl aber überschaubar, so Grote. Die Hamburger Polizei habe bislang rund 50 Verstöße gegen die Verfügung einer Kontaktsperre im Zusammenhang mit dem Coronavirus festgestellt. Die Straftaten würden nun von der Staatsanwaltschaft weiterverfolgt.

Polizei warnt vor Trickbetrügereien

Zwar sei die Kriminalität insgesamt zurückgegangen, erklärte der Innensenator. Dafür gebe es neue Fälle, zum Beispiel Trickbetrügereien. Die Polizei ruft zu besonderer Vorsicht auf. Es gebe Menschen, die sich etwa als Mitarbeitende des Gesundheitsamtes oder als Polizist oder Polizistin ausgeben. Auch Kriminelle, die anbieten, beim Einkaufen zu helfen und sich dann mit dem Geld absetzen, seien in Hamburg unterwegs.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 24.03.2020 | 14:00 Uhr

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