Stand: 07.12.2018 17:06 Uhr

Kramp-Karrenbauer ist neue CDU-Vorsitzende

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Setzte sich in einer Stichwahl durch: Annegret Kramp-Karrenbauer.

Annegret Kramp-Karrenbauer ist die neue Bundesvorsitzende der CDU. Die frühere saarländische Ministerpräsidentin setzte sich am Freitag beim CDU-Parteitag in Hamburg in einer Stichwahl gegen Ex-Unionsfraktionschef Friedrich Merz durch und löst Bundeskanzlerin Angela Merkel ab, die das Amt 18 Jahre lang innehatte. Kramp-Karrenbauer bekam 517 von 999 Stimmen, was 52 Prozent der Stimmen entspricht. Merz erhielt 482 Stimmen (48 Prozent). Die Entscheidung fiel im zweiten Wahlgang. Im ersten Wahlgang bekam keiner der drei Kandidaten die erforderliche absolute Mehrheit. Gesundheitsminister Spahn schied nach dem ersten Wahlgang aus. Er erhielt dabei 157 Stimmen und damit deutlich weniger als Kramp-Karrenbauer (450 Stimmen) und Merz (392 Stimmen). Die neue Partei-Chefin zeigte sich nach ihrem Wahlsieg gerührt und bedankte sich für das Vertrauen der Delegierten.

Kramp-Karrenbauer rief ihre unterlegenen Mitbewerber zur Mitarbeit bei der Erneuerung der Partei auf. Es gehe jetzt darum, mit allen Flügeln und mit allen Mitgliedern die CDU als Volkspartei zu erhalten und zu formen. Sie würde sich sehr freuen, wenn Spahn und Merz an dieser Aufgabe mitwirkten. Merz wollte nach seiner Niederlage nicht für das Parteipräsidium kandidieren. Er sei aber bereit, die CDU zu unterstützen, wo es gewünscht werde, sagte er.

Kramp-Karrenbauer: Innere Stärke wichtiger als äußere Lautstärke

In ihrer Bewerbungsrede sagte Kramp-Karrenbauer, die Partei dürfe nicht Schwarzmalern hinterherlaufen, sondern müsse mutig auch gegen den Zeitgeist Kurs halten. Besonders großen Applaus erhielt die 56-Jährige, als sie vor dem Hintergrund der im Anschluss anstehenden Kampfabstimmung um den Parteivorsitz sagte, keiner der drei Kandidaten "wird der Untergang für diese Partei sein". Für sie gebe es keine konservative, liberale oder wirtschaftsfreundliche CDU, sondern nur "die eine CDU", die für viele eine Art Familie sei. Kramp-Karrenbauer warb vor allem mit ihrer politischen Erfahrung um Zustimmung. Sie habe in diversen Regierungsämtern im Saarland gedient und gelernt, was es heiße, zu führen. Dabei habe sie auch gelernt, dass es mehr auf innere Stärke ankomme, als auf äußere Lautstärke.

Merz: Erfolg der AfD "unerträglich"

In seiner Bewerbungsrede für den CDU-Vorsitz rief Merz die Partei zu einer Erneuerung auf. "Von diesem Parteitag muss ein Signal des Aufbruchs und der Erneuerung unserer Partei ausgehen", sagte er. Es brauche einen "Strategiewechsel" beim Umgang mit Themen, in der Auseinandersetzung mit dem politischen Wettbewerber sowie in der Kommunikation mit den Bürgern. Während der Zuspruch zu den Volksparteien abnehme, seien die Populisten von links und rechts "immer lauter und immer erfolgreicher", sagte Merz. Die AfD sitze inzwischen im Bundestag und allen 16 Landesparlamenten, während die CDU viele Wähler auch an die Grünen verliere. Dieser Zustand sei für ihn "einfach unerträglich". Merz erneuerte seine Forderung nach einer "Agenda für die Fleißigen". Er sprach sich zudem für einen starken Staat aus und sagte im Hinblick auf die Einwanderungspolitik: "Es gibt auch Grenzen unserer Möglichkeiten."

Spahn fordert Mut zu offener Debatte

Gesundheitsminister Spahn forderte mehr Mut zu offener Debatte und Meinungsvielfalt. Dabei müsse man auch mal Gegenwind und andere Meinungen aushalten, sagte er. Die Regionalkonferenzen, bei denen er sich mit seinen Mitbewerbern um die Merkel-Nachfolge präsentiert habe, hätten gezeigt, wie gut das der Partei tue. "Wir haben die Fenster aufgestoßen, wir haben debattiert und mit Ideen gerungen", sagte Spahn. Dies dürfe kein Endpunkt, sondern müsse ein Startpunkt sein.

Neue CDU-Chefin: Die Reaktionen aus dem Norden

Langer Applaus für Merkels Abschiedsrede

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Nach 18 Jahren die letzte Rede als CDU-Chefin: Angela Merkel.

In ihrer letzten Rede als CDU-Chefin verabschiedete sich Merkel zuvor nach mehr als 18 Jahren vom Parteivorsitz. "Es war mir eine große Ehre, es war mir eine Freude", sagte sie am Ende ihrer knapp 35-minütigen Rede. Sie blickte auf ihre Amtszeit zurück und zeigte sich stellenweise selbstkritisch. Die Kanzlerin rief die CDU auf, für die Geschlossenheit der Gesellschaft zu kämpfen. Merkel wurde nach ihrer Rede mit rund neunminütigem Applaus verabschiedet: Die Delegierten erhoben sich von ihren Plätzen, viele hielten Schilder mit der Aufschrift "Danke, Chefin" in die Höhe. Manche der CDU-Mitglieder waren angesichts des Abschieds Merkels zu Tränen gerührt. Merkel selbst wählte in ihrer Rede teilweise sehr persönliche Worte und war von dem langen Beifall sichtlich bewegt.

Tag begann mit Gottesdienst im Michel

Am Morgen trafen sich zunächst zahlreiche Christdemokraten zu einem gemeinsamen ökumenischen Gottesdienst im Hamburger Michel. Per Busshuttle wurden die Delegierten anschließend zu den Messehallen beim Fernsehturm gebracht. Hamburgs CDU-Chef Roland Heintze begrüßte sie: "In Hamburg sagt man Tschüs und Hamburg ist das Tor zur Welt. Und von daher haben wir jetzt die Chance, das richtige Signal zu setzen."

Aufwendige Logistik

Neben den 1.001 Delegierten nehmen auch 1.000 Gäste und etwa 1.600 Journalisten aus aller Welt an dem Parteitag teil. Die Logistik in den Messehallen ist aufwendig: "Ganze Plenarsäle mussten in die leeren Räume gebaut werden", sagte Messechef Bernd Aufderheide dem Hamburg Journal im NDR Fernsehen. Auch das Thema Sicherheit habe bedacht werden müssen: "Wir stimmen uns eng mit Landes- und Bundeskriminalamt ab." Die Beteiligten seien gut gerüstet, so Aufderheide.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 07.12.2018 | 16:00 Uhr

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