Kommentar: Corona-Krise legt Schwächen der Innenstadt offen

Stand: 24.04.2021 08:40 Uhr

Die Hamburger Innenstadt steckt in der Krise. Immer weniger Menschen fahren zum Einkaufen in die City. Jetzt brauchen wir mutige Visionen für einen neuen Hamburger Stadtkern, kommentiert Daniel Kaiser.

von Daniel Kaiser

Es ist ein Trauerspiel. Wo mal Kaufhof und Sport-Karstadt waren, stehen nur noch riesige Geisterhäuser - "Lost Places" als Symbol für den Zustand unserer Innenstadt. Die Entwicklung gab es schon länger. Jetzt kann es jeder sehen: Wir brauchen eine neue Innenstadt. Sie muss sich am Ende anders anfühlen. Sie muss anders aussehen. Wir brauchen mehr Wohnungen. Es leben viel zu wenige Menschen in der City. Es darf nicht sein, dass schon abends um acht die Bürgersteige hochgeklappt werden.

Innenstadt als Baustein gegen Wohnungsmangel

Erste Versuche, bei Neubauprojekten ein paar Wohnungen mitzudenken, sind nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Der Einzelhandel und Firmen, auf deren Mieten man 100 Jahre lang setzen konnte, fallen immer mehr aus. Behörden müssen Bebauungspläne umkrempeln und Druck machen. Die Innenstadt kann ein Baustein sein, um den Wohnungsmangel in Hamburg zu beheben. Stellen Sie sich vor, wie es ist, wenn Menschen am Gänsemarkt oder in der Spitaler Straße wohnen. Wie früher!

Mehr Kultur für "Downtown-Gefühl"

Wir brauchen mehr Kultur. Der Einzelhandel in der City wird den Kampf gegen das Internet verlieren. Wer fährt denn noch zum Shoppen in die Mönckebergstraße? Theater, Hauptkirchen und Galerien sollen ihre Türen aufmachen und raus auf die Plätze, neue Clubs zurück ins Zentrum. Petula Clark sang "Downtown" über das bunte aufregende Leben in der City. Dieses "Downtown-Gefühl" muss wieder her, das bei uns bislang auf St. Pauli und in der Schanze zu Hause ist. Kultur kann auch jetzt sofort helfen, die riesigen leeren Kaufhäuser zu bespielen. Lasst die jungen wilden Kreativen ran!

Weniger Verkehr, weniger Parkplätze

Zu einer lebenswerten Innenstadt gehören Bäume auf den Plätzen und kleine grüne Oasen. Wir brauchen weniger Verkehr. Weniger Parkplätze. Auch wenn man damit zugibt, dass die Planungen für die Autostadt Hamburg in einer Sackgasse gelandet sind. Erste Versuche mit autofreien Straßen nur mit Lieferverkehr waren ermutigend.

Die Corona-Krise legt die Schwächen unserer Hamburger Innenstadt schonungslos offen. Jetzt ist die Zeit zu handeln. Andere Städte wie Melbourne haben es vorgemacht. Dort ist so ein neuer lebendiger Stadtkern entstanden. Jetzt ist die Chance da. Wir müssen jetzt unsere Innenstadt radikal neu denken. Sonst wird sie sterben.

Weitere Informationen
Eine Passantin mit Regenschirm geht am Schaufenster einer Modekette in der Hamburger Innenstadt vorbei. © picture alliance/dpa Foto: Christian Charisius

Bangen um die Innenstadt: Senat gibt 18 Millionen Euro

Das "Bündnis für die Innenstadt" warnt vor dem Niedergang der City. Der Senat will helfen. (12.02.2021) mehr

Hamburger Rathaus mit blauem Himmel © digiphot - MEV-Verlag Germany

Der Hamburg-Kommentar - Sonnabend bei NDR 90,3

Jeden Sonnabend um 8.40 Uhr kommentiert die Aktuell-Redaktion von NDR 90,3 das politische Geschehen in Hamburg. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | Der Hamburg-Kommentar | 24.04.2021 | 08:40 Uhr

Mehr Nachrichten aus Hamburg

Michael Lang, der Intendant des Ohnsorg Theater im Hamburg Journal. © NDR Foto: Screenshot

Corona-Lockerung: Ohnsorg Theater Hamburg will im Juni öffnen

Das Ohnsorg Theater hofft, dass es Anfang Juni seinen Spielbetrieb wieder aufnehmen kann. So Intendant Michael Lang im Interview. mehr