Stand: 27.08.2019 20:18 Uhr

Keine Ponton-Promenade an Hamburgs Alster

Eine Visualisierung mit dem Uferbereich der Binnenalster. © WES GmbH MoKa Foto: Visualisierung
Die "Binnenalster-Studie" sieht künftig breitere Fußwege am Ufer der Binnenalster vor - mit der Neugestaltung des Jungfernstiegs will man den Ort weiterentwickeln.

Am Montagabend ist in der Patriotischen Gesellschaft in Hamburg die "Binnenalster-Studie" vorgestellt worden. Der Vorschlag der Hamburger CDU, eine große Pontonanlage an der Alster entstehen zu lassen, wird nicht umgesetzt. Statt einer kilometerlangen Gastro-Meile auf Pontons soll alles sehr viel bescheidener werden: Die Binnenalster soll breitete Fußwege und fünf kleine Gastronomie-Pavillons bekommen - eventuell zu Lasten der grünen Böschung und von Parkplätzen.

Stapelfeldt: "Keine schweren Eingriffe"

Die Binnenalster soll Hamburgs gute Stube bleiben und nicht zur feschen Küchenzeile aufgemöbelt werden. So kann man die Studie des Hamburger Stadtplaners Michael Kaschke umschreiben. Er lehnt die Gastro-Meile der CDU ab. Schöner Lustwandeln ist Kaschkes Ziel. Früher seien die Hamburger um die Binnenalster flaniert, man hoffe, dieses historische Flanieren wieder attraktiver zu machen.

Auch Stadtentwicklungssenatorin Dorothee Stapelfeldt (SPD) will keine schweren Eingriffe ins "Herz der Innenstadt". Weil nur wenige Orte Hamburgs Stadtbild ähnlich nachhaltig prägen würden wie dieser, gehe man hier nicht leichtfertig vor, so die Senatorin.

Höing: "Gesamtkontext betrachten"

Mit deutlicheren Worten lehnt Hamburgs Oberbaudirektor Franz-Josef Höing eine Ponton-Gastromeile ab. "Die Binnenalster lässt sich sinnvoll nur weiterenwickeln, wenn man diesen Raum im Gesamtkontext betrachtet. Andernfalls bleiben alle Vorschläge vordergründig, naiv und peinlich", sagte Höing am Montag. Er schlägt stattdessen "kleine feine abgewogene Antworten" vor und bittet die Hamburger um Beteiligung. Aufgeschlossen ist Höing allerdings für einen zweiten Alsterpavillon nahe der Lombardsbrücke, wo heute Fahnenmasten stehen - und kleine gläserne Café-Pavillons.

Für breitere Fußwege auf Ballindamm und Kleiner Jungfernstieg müssten die grüne Böschung und je eine Parkplatzreihe weichen. Die Binnenalster sei ein spektakulärer Raum, so Höing. Nur: "Sie ist hier und da ein bisschen unter die Räder gekommen, die Aufenthaltsbereiche für die Fußgänger sind deutlich zu gering", sagte der Oberbaudirektor weiter.

Kritik an der "Binnenalster-Studie" von der CDU

Die CDU stellt anhand von einer Illustration ihre Idee von einer "Alsterpromenade" vor. © CDU Hamburg / David Erkalp / Architekturbüro Fehmi Dere, Illustration: Jan Morische
Der Traum der CDU: Restaurants, die bis in den späten Abend internationale Küche bieten - auf breiten Pontons. Daraus wird offenbar nichts.

Die CDU kritisiert die "Binnenalster-Studie" und besonders, dass Dutzende Parkplätze auf Ballindamm und Neuem Jungfernstieg entfallen würden. Das lehnt der CDU-Bürgerschaftsabgeordnete David Erkalp strikt ab. "Warum soll ich den Raum oben auf der Straße, den ich habe, so weit reduzieren, um ein paar Pavillons zu bauen", sagte Erkalp. Er hält die Studie der Behörde für provinziell. Erkalp hatte damals die Idee zu den Pontons. SPD-Fraktionschef Dirk Kienscherf betont, es ginge nur um Ideen, über die man mit den Hamburgern ins Gespräch kommen wolle. Zustimmung zur Senatsstudie kommt von der Stadtentwicklungs-Expertin, Heike Sudmann (Linke). "Die Pontons, die die CDU auf dem Wasser vorgeschlagen hat, fand ich unmöglich", sagte Sudmann. Dadurch würde das historische Ambiente komplett zerstört.

Kosten hatte die CDU nicht genannt

Die CDU hatte sich 14 Meter breite Schwimm-Plattformen und ein Dutzend neue Restaurants am Ufer der Binnenalster vorgestellt. Damit wollte sie die Innenstadt über die Ladenöffnungszeiten hinaus belebt und attraktiver machen. Bei der Idee der "Alsterpromenade" gehe es darum, die Binnenalster für die Hamburger und die Gäste der Stadt wieder "erlebbar zu machen", hatte André Trepoll damals gesagt. Abgesehen vom Anleger Jungfernstieg komme man bisher "nur sehr schwer ran ans Wasser". Mit den flachen Pontons würde der Charakter der Alster und der Blick über das Gewässer nicht verändert.

Die CDU stellt anhand von einer Illustration ihre Idee von einer "Alsterpromenade" vor. © CDU Hamburg / David Erkalp / Architekturbüro Fehmi Dere, Illustration: Jan Morische
Auch am Neuen Jungfernstieg wollte die CDU wellenförmige Pontons und Bootsstege errichten lassen.

Zu Kosten und Finanzierung hatte sich die CDU damals nicht geäußert. Es handele sich um eine "gut durchdachte Idee, aber es ist noch kein in Stein gemeißeltes Konzept", betonte Trepoll. Zunächst wollte man mit Bürgern, Interessenvertretern und den anderen Parteien über die Idee diskutieren.

Die Linke: "Populistische Effekthascherei"

Die SPD hatte grundsätzlich Zustimmung zur Belebung der Innenstadt signalisiert, die Pläne aber schon damals einen "massiven Eingriff in die Binnenalster" genannt. Einen Umbau des Neuen Jungfernstiegs und des Ballindamms hatten die Grünen befürwortet, sie wollten aber nicht weniger Wasserfläche, sondern weniger Verkehr an der Binnenalster. Die Linke warf der CDU "populistische Effekthascherei" vor. Die FDP nannte die mögliche Alsterpromenade eine sehr interessante Idee, die zur Aufwertung der Innenstadt führen kann. Auch die AfD sieht in dem Konzept Außengastronomie in Kombination mit Wasser einen Anziehungspunkt, fordert aber auch mehr Wohnraum in der Innenstadt.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 27.08.2019 | 19:30 Uhr

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