Hamburgs Gewerkschaften rechnen mit harten Tarifrunden

Stand: 10.01.2023 15:59 Uhr

2023 könnte ein Jahr der Arbeitskämpfe in Deutschland werden: Denn in vielen Branchen starten in den kommenden Wochen und Monaten Tarifverhandlungen. Auch der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) in Hamburg sagt: Wegen der hohen Inflation und hoher Energiepreise sind hohe Lohnabschlüsse notwendig.

"Das Leben wird teurer. Deshalb brauchen wir kräftige Lohnerhöhungen und Entlastungsmaßnahmen, die nicht nach dem Gießkannenprinzip funktionieren, sondern wirklich dort ankommen, wo sie gebraucht werden", sagte Hamburgs DGB-Vorsitzende Tanja Chawla am Dienstag. Nur durch diesen Kitt könne die demokratische Gesellschaft einer Spaltung entgegenwirken und soziale Gerechtigkeit hervorbringen. Gerade diejenigen mit unteren und mittleren Einkommen seien diejenigen, die die Inflation besonders spürten. Trotz steigender Tariflöhne habe es 2022 einen Reallohnverlust von 4,7 Prozent gegeben.

Jörn Straehler-Pohl, Reporter bei NDR 90,3. © NDR Foto: Screenshot
AUDIO: Gewerkschaften pochen auf höhere Löhne und Tarifbindung (1 Min)

DGB rechnet mit harten Tarifverhandlungen

Für viele Branchen fordern die Gewerkschaften dann auch zweistellige Lohnerhöhungen - unter anderem für den öffentlichen Dienst. Und Chawla rechnet mit harten Tarifverhandlungen. "Unsere Kolleginnen und Kollegen fragen sich natürlich auch, wie können sie weiterhin ihr Leben gestalten und bezahlen. Und da stehen wir solidarisch Seite an Seite, um da auch Erfolge zu erkämpfen."

Gewerkschaften fordern mehr Tarifbindung

Es geht den Gewerkschaften allerdings nicht nur um hohe Lohnabschlüsse, sondern auch um die Tarifbindung. In Hamburg sind nur noch rund 24 Prozent aller Betriebe tarifgebunden (Stand 2020). Im Hamburger Handel haben laut Berthold Bose, Landesbezirksleiter bei ver.di, sogar nur noch 14 Prozent aller Hamburger Unternehmen einen Tarifvertrag. "Wenig Tarifbindung heißt auch, geringe Löhne. Geringer als das in Tarifverträgen eigentlich drin steht", so Bose. Da habe man großen Nachholbedarf. Außerdem würden sich die Firmen auch selbst schaden, sagte Chawla dazu. "Die Unternehmen verlieren auch deutlich an Attraktivität für die dringend gesuchten Fachkräfte", ist sie sich sicher.

Die Gewerkschaften wollen die Politik davon überzeugen, dass Tarifverträge schneller allgemeinverbindlich werden - also auch für Unternehmen ohne Tarifbindung gelten. Außerdem wollen sie, dass Hamburg nur noch Aufträge an Firmen vergibt, die nach Tarif bezahlen.

Auch mit Streiks ist in einigen Branchen zu rechnen

Auch die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) setzt große Erwartungen in die Tarifverhandlungen im März, sagte Tom Seiler. "Wir wissen schon jetzt, dass es eine hohe Forderung sein wird", so Seiler. Man bereite die Mitglieder auf "heftige Tarifauseinandersetzungen" vor. Dabei werde es vermutlich auch Arbeitskampfmaßnahmen geben. Laut Anne Widder von der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) werden die Forderungen wohl bei einem Einkommensplus von zehn Prozent oder mehr liegen. "Die Preise werden hoch bleiben, deshalb brauchen die Beschäftigten gute und dauerhafte Lohnerhöhungen", so Widder. Man rechne damit, dass es auch hier zu Streiks kommen kann.

Weitere Informationen
Tanja Chawla, Vorsitzende der DGB Hamburg, bei der Mai-Kundgebung 2022 am Hamburger Fischmarkt © NDR Foto: Screenshot

Hamburgs DGB-Chefin kündigt "harte Tarifrunden" an

Die Gewerkschaften in Hamburg fordern angesichts der Inflation deutlich mehr Geld für die Beschäftigten. Auch Streiks sind möglich. (07.01.2023) mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 10.01.2023 | 16:00 Uhr

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