Stand: 19.05.2020 20:42 Uhr

Hamburgs Gesundheitsämter in Zeiten des Coronavirus

Im Bezirksamt Wandsbek hat sich das Gesundheitsamt derzeit über alle Etagen des Gebäudes ausgebreitet. Sechs Mitarbeitende hat der Infektionsschutz normalerweise - aktuell sind es 110. Medizinstudentinnen und -studenten verstärken das Team seit Wochen. Eine nie dagewesene Not-Situation, sagt Frauke Ishorst-Witte, Leiterin des Gesundheitsamtes Wandsbek. Ein Katastrophen-Lageraum des Bezirks sei in dem Amt nun das Zentrum der Corona-Krise und Corona-Verwaltung, erklärt sie. "Wir haben hier unzählige Telefone, die geschaltet sind."

VIDEO: Wie arbeitet ein Gesundheitsamt? (3 Min)

Telefonische Beratung von Corona-Infizierten

Etwa 170 Corona-Infizierte werden hier derzeit telefonisch betreut. Mitarbeiter fragen nach dem aktuellen Gesundheitszustand der Betroffenen und danach, ob sie Hilfe benötigen. Sie geben außerdem Ratschläge, an wen sich die Infizierten oder ihre Angehörigen wenden können, wenn sich der Gesundheitszustand der Patienten verschlechtern sollte.

Mangelware Pandemie-Software

Mitarbeiter des Gesundheitsamtes Wandsbek sitzen mit Mundschutz an Telefonen.
Ein ehemaliger Katastrophen-Lageraum ist im Bezirksamt Wandsbek zu einer Art Corona-Callcenter umfunktioniert worden.

Insgesamt 5.000 Menschen schickte das Amt bislang schon in die Quarantäne. Zwei oder dreimal so hoch dürfte die Zahl der insgesamt kontaktierten Personen sein. Der Computer vereinfacht die Verwaltung. Eine Pandemie-Software gab es am Anfang nicht, so die Amtsleiterin, da musste improvisiert werden. Man habe anfangs versucht, Akten zusammenzuführen und auch wieder auseinanderzunehmen - das habe sehr viel Energie gekostet, so Ishorst-Witte.

Tägliche Konferenzen

Zwei Mal täglich findet eine große Konferenz statt. Das gemeinsame Gespräch sei bei den vielen ständigen Veränderungen unersetzbar. Wichtig ist vor allem, auch intern das Risiko einer Ansteckung zu minimieren. "Wenn wir jetzt hier unter uns einen Covid-19-Fall haben, dann haben wir ein relativ großes Problem", erklärt die Leiterin des Gesundheitsamtes. Es gebe kein sogenanntes Spiegelteam - also ein Austausch-Team. Sie selbst habe zwar eine Vertreterin, die habe aber die ganze Zeit voll mitgearbeitet.

Kein normaler Arbeitsalltag

Die Verwaltung sei in der Krise häufig erstaunlich stark, sagt Ishorst-Witte. Derzeit arbeiten hier noch 90 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Auch wenn weiter abgebaut wird, die geschaffenen Strukturen bleiben - für den Fall der Fälle. Im Falle einer zweiten Infektionswelle, könnte man dann schnell wieder hochfahren.

Normaler Amtsalltag ist das, was derzeit im Gesundheitsamt Wandsbek stattfindet, nicht. Die Hilfe von Externen wird derzeit auch weiterhin benötigt - schon damit die ersten Festangestellten seit Monaten zum ersten mal wieder ein freies Wochenende machen können.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 19.05.2020 | 19:30 Uhr

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