Hamburg plant nächtliches Tempo-30-Limit für 85 Hauptstraßen

Stand: 26.05.2021 12:25 Uhr

Zu viele Menschen seien in Hamburg nachts von Lautstärken über 55 Dezibel betroffen und Schuld sei in erster Linie der Autoverkehr. Das erklärte Umweltsenator Jens Kerstan (Grüne) am Dienstag in der Landespressekonferenz und stellte einen neuen Lärmaktionsplan vor.

Der Plan sieht drei zentrale Punkte vor: Einführung von Tempo 30-Abschnitten, Reduzierung des Fluglärms und "Ruhige Gebiete". Da die Hauptlärmquelle der Straßenverkehr sei, soll auf insgesamt 85 neuen Abschnitten in der Nacht Tempo 30 eingeführt werden. Zwischen 22 und 6 Uhr früh soll es dann ruhiger werden. "Es gibt in Hamburg Umweltprobleme, die wir nicht überhören können und dürfen und deren Hauptverursacher der Kfz-Verkehr ist", sagte Kerstan.

Bei ersten Straßen erfolgt Umsetzung bis Mitte des Jahres

Zu den ersten Straßen, wo diese Regelung bis Mitte kommenden Jahres umgesetzt werden soll, gehören Teile der B73 Stader Straße, B5 Eiffestraße sowie Herderstraße, aber auch Abschnitte der Bramfelder Chaussee, des Schulterblatts, der Ostfrieslandstraße und des Finkenwerder Norderdeichs. Weitere 65 Abschnitte sollen in den nächsten drei Jahren folgen.

Lärm wird um drei Dezibel verringert

Mit der massiven Ausweitung von Tempo 30 nachts schaffe der Senat eine spürbare Verbesserung für mehr als 35.000 Hamburgerinnen und Hamburger. Die Reduzierung des Verkehrstempos soll den Lärm um drei Dezibel verringern, was von der Wirkung her der Halbierung der Verkehrsstärken entspreche.

Und da wo es schon ruhig ist, soll es auch ruhig bleiben: Insgesamt 41 Wald- und Forstgebiete, Friedhöfe und Grünanlagen wurden in den Lärmaktionsplan als besonders schützenswert aufgenommen.

Einführung von "Ruhigen Gebieten"

Etwas schneller in der Umsetzung ist man bei den "Ruhigen Gebieten". Das sind Bereiche, mindestens 50 Hektar groß, in denen jetzt nichts mehr geplant werden darf, das mit zusätzlichem Lärm verbunden ist. Hier sollen die Menschen weiter verlässlich Ruhe finden. Zum Beispiel im Forst Sunder und Stuck, am Schlickhügel Francop, im Klövensteen, am Höltigbaum und im Staatsforst Haake.

Doch langsameres Fahren sei nicht das einzige Rezept zur Lärmreduzierung, so Kerstan: Die A7-Deckel hätten viel gebracht, ebenso die Verlegung der Wilhelmsburger Reichsstraße und nicht zuletzt die Arbeit der SoKo "Autoposer", die über 1.000 Autos aus dem Verkehr gezogen hätten, weil sie mit dröhnendem Auspuff unterwegs waren.

Kritik von CDU und Spediteuren

Der CDU-Fraktionsvorsitzende Dennis Thering hält die Maßnahme für ein rot-grünes Placebo: Anstelle von effektivem Flüsterasphalt und mehr Blitzern nachts begnüge sich Rot-Grün mit Verkehrsschildern. Bei Tempo 30 auf der Hauptstraße würden viele dann gleich den kürzeren Weg durchs Wohngebiet nehmen, so Thering. Der Verein Hamburger Spediteure sagt, die geplante Lärmminderung sei kaum zu hören. Außerdem würden Fahrzeuge deutlich mehr CO2 produzieren, wenn sie eine Strecke bei Tempo 30 statt 50 fahren.

Auch Hamburgs BUND ist nicht zufrieden: Der Lärmaktionsplan der Umweltbehörde komme Jahre zu spät. Man habe es noch nicht im Detail geprüft, aber es sei unverständlich, dass erst in drei Jahren weitere 65 nächtliche Tempo-30-Abschnitte verordnet würden.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 25.05.2021 | 17:00 Uhr

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