Stand: 05.10.2019 08:40 Uhr  - NDR 90,3

Kommentar: Bedauerliches Zeitungssterben

von Andreas Gaertner

Diese Woche hat mit einer schlechten Nachricht begonnen - vor allem für die Hamburger Leser der Zeitung "Die Welt". Das Medienhaus Springer stellt die werktägliche Hamburg-Ausgabe der "Welt" ein. Doch das ist nicht die einzige schlechte Nachricht aus der Medienbranche. Andreas Gaertner kommentiert.

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NDR 90,3 Redakteur Andreas Gaertner kommentiert das Zeitungssterben in Hamburg.

Die Lage ist dramatisch. Denn das Zeitungssterben, das wir beobachten, geht alle an. Alle zumindest, denen an einer funktionierenden Demokratie gelegen ist. "Die Welt", vor 73 Jahren von der britischen Militärregierung gegründet, war quasi der erste Baustein der Medienstadt Hamburg. Heute ist davon nicht mehr viel übrig: Springer und die Zentralen von "Bild" und "Welt" sind nach Berlin gezogen, und über die verbliebenen Hamburger Tageszeitungen wird ebenfalls woanders entschieden: Das "Hamburger Abendblatt" gehört inzwischen zu Funke in Essen, und über die "Morgenpost" bestimmt DuMont in Köln.

Zeitungsauflagen sinken dramatisch

Überall müssen immer weniger Journalisten immer mehr Inhalt produzieren. Vor allem aber: die Zeitungsauflagen sinken dramatisch. Die "Morgenpost" droht das nächste Opfer zu werden. DuMont möchte sie verkaufen. Ihr Weiterleben in gedruckter Form ist ungewiss. Gründe für das Zeitungssterben gibt es viele. Vor allem gibt es mehr Anbieter von Nachrichten als je zuvor. Und viele verbreiten Unwichtiges oder Unnötiges: übers Handy, über soziale Medien wie Facebook und inzwischen auch über Video-Wände in S-Bahn-Haltestellen.

Verlage und Vertreiber tragen zum Niedergang bei

Verlage und Vertreiber tragen zudem selbst zum Niedergang bei: Die abendlichen "Mopo"-Verkäufer sind aus dem Stadtbild verschwunden. Und Druckerzeugnisse fristen in Kiosken inzwischen ein ärmliches Dasein zwischen Unmengen von Süßigkeiten und Alkoholika. Klar ist: wild zusammengewürfelte News und Facebook-Kommentare sind kein Ersatz für die öffentliche Meinungsbildung. Studien zeigen: wo die Auflagen von Lokalzeitungen sinken, sinkt auch die Wahlbeteiligung.

Ein Stapel mit Zeitungen © panthermedia Foto: AntonMatyukha

Hamburg Kommentar: Das Zeitungssterben

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Die Zeitung "Die Welt" stellt ihre werktägliche Hamburg-Ausgabe ein. Eine von vielen schlechten Nachrichten aus der Medienbranche, kommentiert Andreas Gaertner.

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"Gute Recherche ist teuer - Pressefreiheit unbezahlbar" - diesen Appell ließ die Hamburger Kulturbehörde gerade erst plakatieren, zum weltgrößten Treffen für investigativen Journalismus vor einer Woche. Also nicht am falschen Fleck geizen! Das gilt vor allem für sparwütige Verlage. Aber auch für uns Leser. Wie wär's? Falls Sie heute keine Zeitung im Briefkasten hatten: nehmen Sie doch gleich eine beim Wochenendeinkauf mit.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | Der Hamburg-Kommentar | 05.10.2019 | 08:40 Uhr

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