Stand: 07.07.2017 08:12 Uhr

G20: Verletzte nach eskalierter Demonstration

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Die Polizei setzte mehrfach Wasserwerfer gegen die Demonstranten ein.

Am Vorabend des G20-Gipfels in Hamburg ist es wie befürchtet zu massiven Auseinandersetzungen zwischen Polizei und Demonstranten gekommen. Bei der "Welcome to Hell"-Demonstration gegen das Treffen flogen am Donnerstagabend Flaschen, Feuerwerkskörper wurden gezündet, später brannten umgestürzte Mülltonnen und Autos. Die Polizei stürmte in den Demonstrationszug, setzte wiederholt Wasserwerfer und Pfefferspray ein und trieb die rund 12.000 Teilnehmer auseinander. Die Polizei meldete mindestens 111 verletzte Beamte. Drei von ihnen seien im Krankenhaus behandelt worden. Ein Pilot eines Polizeihubschraubers erlitt den Angaben zufolge Augenverletzungen durch Laserpointer. Auch zahlreiche Demonstranten wurden verletzt - einige schwer.

Blockaden und Brände auch am Morgen

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Zum Auftakt des G20-Gipfels eskaliert die Lage am Freitagmorgen erneut - Rauch steht über der Stadt.

In der Nacht beruhigte sich die Lage, bevor die Gipfelgegner am Morgen erneut Aktionen starteten und Zufahrtswege zum Messegelände blockierten. In Altona wurden Autos angezündet, wie die Polizei mitteilte. Über dem Stadtteil waberte dichter Rauch.

Alle aktuellen Entwicklungen zum Gipfel in Hamburg gibt es rund um die Uhr in unserem G20-Liveblog.

Auch Bankautomaten demoliert

In der Nacht waren Spuren der Verwüstung im Hamburger Schanzenviertel überall zu sehen. Dutzende Fensterscheiben zerbrochen, Bankautomaten demoliert, ganze Straßenzüge mit Glasscherben und herausgerissenen Pflastersteinen bedeckt. Die Reste brennender Barrikaden dampften vor sich hin, es stinkt noch nach verbranntem Müll. Vor dem Veranstaltungszentrum "Rote Flora" saßen am frühen Morgen ein paar Dutzend abgekämpfte Demonstranten. Polizisten standen daneben, sie wollten die Straße nicht räumen, damit die Lage nicht wieder eskaliert. Hinter allen Beteiligten liegen aufregende Stunden.

Polizei geht gegen Vermummte vor

Am Nachmittag hatte die Kundgebung am Hamburger Fischmarkt friedlich begonnen - mit Musik und Redebeiträgen. Der Demonstrationszug "Welcome to Hell" setzte sich dann gegen 19 Uhr in Bewegung. Er sollte vom Fischmarkt über die Reeperbahn bis etwa 300 Meter an die Messehallen heran gehen. Kurz nach dem Start fuhren allerdings Wasserwerfer auf und blockierten den Zug. Nach Polizeiangaben hatten sich etwa 1.000 Vermummte unter die Demonstranten gemischt. "Eine Vermummung in einem Aufzug ist ein Verstoß gegen das Versammlungsgesetz und wird von uns nicht geduldet", sagte ein Polizeisprecher. Nach Einschätzung von NDR Reportern vor Ort waren deutlich weniger als 1.000 Vermummte zu sehen.

"Schwarzer Block" wollte Vermummung nicht ablegen

Mehrere NDR Reporter vor Ort berichten übereinstimmend, dass von den Demonstranten zunächst keine Gewalt ausgegangen sei. Allerdings legten tatsächlich viele Mitglieder des "schwarzen Blocks" ihre Vermummung nicht ab. Zuvor soll es Absprachen zwischen Polizei und Demo-Veranstaltern gegeben haben, wie viel Vermummung für die Polizei hinnehmbar ist. Anscheinend konnte man sich bei diesen Gesprächen nicht einigen. Dann gab es offenbar einen einzelnen Flaschenwurf eines möglicherweise angetrunkenen Mannes, den Demonstrationsteilnehmer selbst von der Menge isolierten. Offenbar gab es auch im "schwarzen Block" Ansagen, keine Gegenstände auf die Polizei zu werfen und eine Eskalation zu vermeiden. Die von der Polizei geforderte Trennung der Demonstranten vom "schwarzen Block" gestaltete sich schwierig. Die Demonstranten fühlten sich faktisch von mehreren Seiten eingekesselt.

Die Organisatoren warfen der Polizei ein unverhältnismäßiges Vorgehen vor: Noch während man Teilnehmer aufgefordert habe, ihre Vermummung abzulegen, sei die Polizei bereits massiv gegen Protestierende vorgegangen.

Vortag des Gipfels: Krawall, Yoga und Staatschefs

Polizeisprecher Zill angegriffen

Die Polizei ihrerseits sprach von einer "hochaggressiven Stimmung" unter den Demonstranten. "Wir sind entsetzt über die offensichtliche Gewaltbereitschaft", twitterte die Polizei. Ihr Pressesprecher Timo Zill wurde am Rande der Demonstration angegriffen. Er flüchtete sich laut Polizei in einen Rettungswagen. Die Täter versuchten demnach, die Tür des Rettungswagens aufzureißen und schlugen auf diesen ein. Der Wagen fuhr schließlich mit Blaulicht davon. Der Polizeisprecher blieb unverletzt.

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Staats- und Regierungschefs in Hamburg eingetroffen

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Autofahrer stehen stundenlang im Stau

Und während die Flugzeuge über die Landebahn rollten, ging in der Stadt an vielen Stellen nichts mehr. Viele Autofahrer standen stundenlang im Stau. Die Straßen in die Innenstadt sind - nicht nur in unmittelbarer Nähe der Messehallen - gesperrt. Es wird bis zum Ende des Gipfels dringend empfohlen, U- und S- Bahnen zu nutzen. Auch viele Busse kommen nicht durch. Wo es Staus und Sperrungen gibt, erfahren Sie jederzeit in den NDR Verkehrsmeldungen zum G20-Gipfel.

G20 in Hamburg: Die Staatschefs reisen an

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Der G20-Gipfel bei tagesschau.de

Was passierte beim G20-Gipfel auf der politischen Bühne? Um welche Themen es in Hamburg ging, beleuchtet auch tagesschau.de auf einer Sonderseite. extern

Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 07.07.2017 | 22:00 Uhr

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