Stand: 06.10.2017 18:16 Uhr

G20-Krawalle: Kritik an Polizeiangaben

Drei Monate nach dem G20-Gipfel zieht die Hamburger Linken-Abgeordnete Christiane Schneider die bisherigen Schilderungen der Polizei von den Ausschreitungen massiv in Zweifel. Sie beruft sich dabei auf eine Antwort des rot-grünen Senats auf ihre Kleine Anfrage, die Angaben der Polizei zum Teil korrigieren. Zuvor hatte "Spiegel Online" darüber berichtet.

Doch keine Molotowcocktails von Dächern?

Bei den Angaben zur Nacht zum 8. Juli, als Randalierer über Stunden in der Straße Schulterblatt im Schanzenviertel gewütet, Geschäfte zerstört und Barrikaden angezündet hatten, räumte die Polizei laut Senat ein, dass "nach derzeitigem Kenntnisstand" keine Molotowcocktails, Gehwegplatten, Steine oder Eisenstangen als Beweismittel gesichert wurden.

Die Polizei hatte ihr damaliges Zögern und das lange Gewährenlassen der Randalierer damit begründet, dass sie annahm, dass militante G20-Gegner womöglich Gehwegplatten und Molotowcocktails von Dächern auf die Beamten werfen wollten. "Die Zweifel an der Begründung der Polizei für ihren Rückzug aus dem Schulterblatt sind enorm gewachsen", sagte Schneider am Freitag. "Dieser Komplex muss zweifelsfrei aufgeklärt werden, gerade weil es ja massive Vorwürfe von Anwohnern gab, dass sie im Stich gelassen worden sind."

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G20-Polizeigewalt? Die Narben bleiben

"Polizeigewalt hat es nicht gegeben", sagte Hamburgs Bürgermeister Scholz nach dem G20-Gipfel. Doch es melden sich immer noch Betroffene mutmaßlicher Übergriffe. Mehr bei tagesschau.de extern

Polizeisprecher Zill: "Es hat massive Angriffe gegeben"

Polizeisprecher Timo Zill betonte am Freitag, dass die Polizei an der grundsätzlichen Darstellung der Abläufe an jenem Abend ausdrücklich festhalte: "Es hat massive Angriffe aus dem Viertel heraus auf die eingesetzten Beamten gegeben. Es hat den Hinweis des Verfassungsschutzes auf einen Hinterhalt gegeben. Es liegt auch Videomaterial vor, wie Personen von Dächern Gegenstände werfen", sagte Zill.

Polizeifahrzeug brannte doch nicht

In der Antwort auf Schneiders Anfrage wird auch die bisherige Schilderung der Polizei korrigiert, wonach am Morgen des 7. Juli am Bahnhof Altona ein Wagen der Bundespolizei abbrannte. In der Senatsantwort heißt es nun: "Entgegen den zunächst bei der Polizei Hamburg vorliegenden Erkenntnissen, ist es nach den Erkenntnissen der SoKo 'Schwarzer Block' nicht zu einem Brand der Fahrzeuge gekommen."

Polizei: Auswertung dauert noch an

Polizeisprecher Ulf Wundrack sagte, die Beamten seien noch dabei, die Vorgänge komplett auszuwerten. Die Polizei sei mitten in einem Prozess. "Wir haben sehr viel Asservate sichergestellt. Die Auswertung und Zuordnung dauert noch an", sagte er.

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Dieses Thema im Programm:

Hamburg Journal | 06.10.2017 | 19:30 Uhr

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