Stand: 15.12.2017 17:50 Uhr

Finanzielle Not bei der katholischen Kirche

von Daniel Kaiser

Für die katholische Kirche in Hamburg brechen schwere Zeiten an. Wirtschaftsprüfer raten dem Erzbistum, sich von gut der Hälfte aller Kirchen und Gemeindehäuser zu trennen und auch mindestens fünf der 21 katholischen Schulen in der Stadt zu schließen. Daniel Kaiser kommentiert.

Stefan Heße © dpa Fotograf: Horst Galuschka

Erzbischof Heße: "Die Lage ist desaströs"

NDR 90,3 - Abendjournal -

Das katholische Erzbistum vor einem Kahlschlag: Kirchen müssen wohl aufgegeben und Schulen geschlossen werden. Erzbischof Stefan Heße erklärt, was auf die Katholiken in Hamburg zukommt.

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Der Bericht ist eine schallende Ohrfeige. Jahrelang schon lebt das Erzbistum über seine Verhältnisse. Da gibt es zwar keinen Luxus wie in Limburg. Aber eben auch sinnvolle Dinge, wie Schulen, die mehr kosten, als die Katholiken im Norden eigentlich haben. Die Wirtschaftsprüfer beklagen, wie dezentral und intransparent das Erzbistum funktioniere. Dabei ist doch Zentralismus etwas, was gerade die katholische Kirche eigentlich beherrschen sollte. Im Erzbistum weiß keiner so recht, was der andere eigentlich macht.

Schwere Zeiten für Heße

Erzbischof Stefan Heße muss jetzt ausbaden, was seine Vorgänger seit der Bistumsgründung 1995 haben schleifen lassen. Zu lange wurde weggesehen, wurden Bilanzen weichgezeichnet. Jetzt droht ein Kahlschlag. Schon werden die Namen betroffener Schulen gerüchteweise genannt. Doch noch sei nichts entschieden, sagt Heße. Im Laufe der kommenden sechs Monate sollen die Standorte, um die es geht, feststehen. Heße will sich von - wie er sagt - "Ballast" trennen. Er wolle sich nicht von Gebäuden und Institutionen abhängig machen.

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Heße stimmt Katholiken auf Kahlschlag ein

Die katholische Kirche in Hamburg steht wegen finanzieller Probleme vor massiven Einschnitten. Erzbischof Heße sagte NDR 90,3, die Lage sei "desaströs". Kirchen und Schulen droht die Schließung. mehr

 

"Wir können auch mit viel weniger gut Kirche sein", sagt Heße und deutet damit an, dass es wirklich viel weniger sein wird. Natürlich geht Kirche auch kleiner. Doch schon jetzt ächzen viele Gemeinden, die sich in den neuen großen pastoralen Räumen verloren fühlen. Und ohne die Schulen ginge die gesellschaftliche Relevanz der katholischen Kirche in Hamburg radikal zurück. Schulschließungen wären eine Axt an der Wurzel. Unwahrscheinlich, dass sich die reicheren Bistümer wie beispielsweise Köln, von der Geschichte des Heiligen Martin inspirieren lassen und den klammen Hamburgern helfen. Klar ist jetzt: Die katholische Kirche in Hamburg hat sich verhoben. Sie muss jetzt ihre Rolle in der Stadt neu finden.

 

Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | Der Hamburg-Kommentar | 16.12.2017 | 08:40 Uhr

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