Stand: 04.04.2019 12:00 Uhr

"Esso-Häuser" - ein Stück St. Pauli verschwindet

Jahrzehntelang haben die "Esso-Häuser" den Spielbudenplatz und die Reeperbahn in Hamburg geprägt. Der Plattenbau aus den 1960er-Jahren war zweifelsohne kein architektonisches Schmuckstück, passte aber zum Flair auf St. Pauli. Etliche Bewohner verbrachten dort viele Jahre ihres Lebens. Nun sind die Häuser weg - und hinterlassen eine große Leere an der Reeperbahn. Der umstrittene Abbruch der "Esso-Häuser" erfolgte im Frühjahr/Sommer 2014. Bagger rissen den Gebäudekomplex, der unter anderem auch Heimat des Kult-Clubs Molotow war, in knapp zwei Monaten komplett ab. Mit NDR.de können Sie den Vorher-Nachher-Vergleich machen. Dazu können Sie einfach den Schiebe-Regler auf den beiden großen Bildern bewegen (linke Maustaste gedrückt halten oder mit dem Finger auf Smartphone/Tablet).

Der Hamburger Spielbudenplatz vor dem Abriss der "Esso-Häuser". © NDR Foto: Heiko Block Der Hamburger Spielbudenplatz nach dem Abriss der "Esso-Häuser". © NDR Foto: Heiko Block

 

Erst war die legendäre Tankstelle dran

Im Februar 2014 war bereits die namensgebende Esso-Tankstelle abgerissen worden. Sie war als Anlaufstelle für Nachtschwärmer weit über die Stadtgrenze hinaus bekannt. Anfang Mai war dann die Waschanlage an der Reihe. Am 21. Mai startete schließlich der Abriss der Wohnhäuser und des Gewerberiegels. Ursprünglich war der Abbruch bereits für Anfang April geplant gewesen. Aber bei Schadstoff-Untersuchungen in der Gewerbezeile waren weitere Asbestfunde gemacht worden. Außerdem gab es einen Wechsel des Abbruch-Unternehmens.

Zwangsräumung im Dezember 2013

Im Jahr 2009 hatte die Bayerische Hausbau das Grundstück gekauft. Am späten Abend des 14. Dezembers 2013 wurden die rund 50 Jahre alten "Esso-Häuser" dann zwangsgeräumt. Bewohner hatten der Polizei Erschütterungen gemeldet und von "wackelnden Wänden" berichtet. Daraufhin mussten alle Bewohner ihre Wohnung unverzüglich verlassen.

Demos gegen Abriss

Zuvor hatte es mehrmals Initiativen für den Erhalt der Plattenbauten gegeben: Im April 2013 gingen rund 1.500 Menschen auf die Straße, im September 2013 kamen noch einmal rund 2.000 Fans der "Esso-Häuser" zusammen. Auch am Tag nach der Evakuierung protestierten Hunderte Hamburger gegen die "Spekulanten" von der Bayerischen Hausbau: "Kaputtbesitzen darf sich nicht lohnen!", stand auf einem Banner. Schon im Sommer 2013 hatten etwa 125 Vertreter aus Wissenschaft, Kultur und Wirtschaft ein Manifest veröffentlicht, in dem der Erhalt der Gebäude gefordert wurde. Unter den Unterzeichnern waren Udo Lindenberg, Jan Delay und Rocko Schamoni.

Der Hamburger Spielbudenplatz vor dem Abriss der "Esso-Häuser". © NDR Foto: Heiko Block Der Hamburger Spielbudenplatz nach dem Abriss der "Esso-Häuser". © NDR Foto: Heiko Block

 

Denkanstöße durch Bürgerbeteiligung

Nach dem Abriss gingen die Planungen für die Neubebauung weiter. Viele Menschen aus dem Viertel beteiligten sich daran. Auch die Idee für den neuen Namen des Quartiers kam von den Anwohnern: Paloma-Viertel. Im Mai 2018 einigten sich der Investor, der Bezirk Mitte und die Anwohner-Vertretung "Planbude" nach 30 Verhandlungsrunden auf ein gemeinsames Konzept und einen städtebaulichen Plan für das neue Paloma-Viertel - mit einem Mix aus einem Hotel, Restaurants und Clubs sowie bis zu 200 Wohnungen, davon 60 Prozent öffentlich geförderte. Eigentumswohnungen soll es keine geben - und die Dachgärten und Sportflächen sollen von allen nutzbar sein. 

Baubeginn verzögert sich

Der Baubeginn hat sich seitdem mehrfach verzögert. Im Frühjahr 2019 hieß es: Das Ensemble werde voraussichtlich 2023 fertig sein.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 04.04.2019 | 10:00 Uhr

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