Erster Auftritt von Hamburgs Erzbischof Heße nach Papstentscheidung

Stand: 25.09.2021 14:42 Uhr

Hamburgs Erzbischof Stefan Heße ist am Sonnabend erstmals nach der Ablehnung seines Rücktrittsangebots durch Papst Franziskus wieder öffentlich aufgetreten. Er feierte vor dem St. Marien-Dom den Errichtungsgottesdienst einer neuen katholischen Pfarrei.

"Heute darf ich hier zum ersten Mal wieder mit Ihnen, mit einer großen Gemeinde, Gottesdienst feiern", sagte Heße während seiner Predigt zu den Gläubigen. Dafür sei er "sehr, sehr dankbar". Bei dem Gottesdienst aus Anlass der Zusammenlegung mehrerer Innenstadt-Gemeinden in Hamburg zur neuen katholischen Pfarrei St. Ansgar sagte Heße, die sechsmonatige Auszeit, die ihm der Papst gewährt hatte, habe für ihn eine "gewaltige Zäsur" bedeutet, er habe eine "Achterbahn der Gefühle" erlebt. Am 15. September erklärte der Papst dann, dass er den von Heße angebotenen Amtsverzicht nicht annehme.

Keine Protestaktionen

Heße rief dazu auf, die Zukunft gemeinsam zu gestalten. Er könne den Weg nicht allein gehen, "sondern nur mit Ihnen". Die Kirche sei synodal, weshalb er nur im Miteinander zu Entscheidungen kommen wolle. Der Erzbischof sagte: "Dass wir beieinander bleiben, ist mein großer Wunsch und meine Hoffnung." Bei dem Gottesdienst applaudierten ihm die rund 300 Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Protestaktionen gab es nicht.

Gutachten belastet Heße

Im März war in Köln ein Gutachten vorgestellt worden. Darin wurde untersucht, wie Bistumsverantwortliche in der Vergangenheit mit Vorwürfen des sexuellen Missbrauchs von Kindern durch Priester umgingen. Heße, früher Personalchef und Generalvikar im Erzbistum Köln, wurden insgesamt elf Pflichtverletzungen vorgeworfen. Noch am selben Tag bot Heße dem Papst seinen Amtsverzicht an. Er betonte aber, er habe sich niemals an der Vertuschung von Missbrauchsvorwürfen beteiligt.

Heße war 2015 als Erzbischof nach Hamburg gewechselt. Zum Erzbistum Hamburg gehören auch die katholischen Christen in Schleswig-Holstein und Mecklenburg.

Pfarreien werden zusammengelegt

Die neue Pfarrei St. Ansgar unter der Leitung des bisherigen Dompfarrers Peter Mies entsteht, indem die vier bisher selbstständigen Pfarreien St. Marien (St. Georg), St. Ansgar (Neustadt), St. Sophien (Barmbek) und St. Joseph (Altona) zusammengelegt werden. Die neue Pfarrei wird gut 21.000 Mitglieder haben. Die Errichtung ist Teil des Erneuerungsprozesses im Erzbistum Hamburg. Aus früher 88 selbstständigen Pfarreien werden bis zum kommenden Jahr 28 neue Pfarreien entstehen.

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Dieses Thema im Programm:

Hamburg Journal | 25.09.2021 | 19:30 Uhr

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