Stand: 29.01.2018 20:06 Uhr

Enkeltrick-Betrug: Zwölfeinhalb Jahre Haft

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Der 30-jährige Angeklagte (Mitte) legte erst spät ein Geständnis ab.

Das Hamburger Landgericht hat am Montag einen Hintermann von Enkeltrickbetrügern zu zwölfeinhalb Jahren verurteilt. Dem 30-Jährigen seien 40 Betrugstaten nachgewiesen worden, sagte der Vorsitzende der Strafkammer, Bernd Steinmetz. Hinter dem Angeklagten habe ein ganzes Netzwerk von Betrügern gestanden.

300.000 Euro Profit gemacht

"Bei Ihnen liefen die Fäden des Netzwerks zusammen", sagte Steinmetz. Der 30-Jährige habe von Polen aus agiert und sein luxuriöses Leben mit der Beute finanziert. Er habe mindestens 300.000 Euro Profit gemacht.

Am Telefon als Verwandter in Notsituation ausgegeben

Laut Urteil muss der Angeklagte drei geschädigten Frauen rund 47.000 Euro zurückzahlen. Der 30-Jährige sei in den meisten Fällen als sogenannter Keiler tätig gewesen, stellte die Strafkammer fest. Er habe Menschen mit altmodisch klingenden Vornamen wie Ingeborg, Gerda, Heinrich oder Oswald im Telefonbuch ausgesucht, dort angerufen und sich als Enkel oder Verwandter in einer Notsituation ausgegeben. Erklärten sich die Senioren bereit, ihrem vermeintlichen Enkel zu helfen, schickte ein Komplize vor Ort einen Abholer für das Geld los.

Geständnis abgelegt

Der Prozess hatte vor einem Jahr begonnen. Erst im November vergangenen Jahres hatte der Angeklagte ein fast vollständiges Geständnis abgelegt. Der 30-Jährige war im Juli 2016 in Ungarn festgenommen und nach Deutschland ausgeliefert worden. Die Staatsanwaltschaft hatte 14 Jahre Haft gefordert, die Verteidigung eine Strafe von maximal sechseinhalb Jahren.

"Rate mal, wer hier ist?"

Mit "Rate mal, wer hier ist?" begannen die Telefonate mit den Senioren. Dann fingen die älteren Menschen an zu raten: "Bist du Hans-Jörg?" oder "Ach, Sebastian" - und schon ging der Anrufer darauf ein und spielte den Neffen, den alten Freund oder den Großcousin. Und immer brauchte der Anrufer angeblich Geld - meistens für einen vermeintlichen Immobilienkauf. Mal wurden 13.000 Euro gefordert, mal 40.000 und einmal sogar 135.000 Euro. Gingen die älteren Herrschaften darauf ein und holten das Geld von der Bank, wurden Mittäter zum Abholen geschickt. In jedem dritten der angeklagten Fälle gelang das.

Verzweifeltes Ferrari-Angebot

In dem Prozess hatte der Angeklagte lange geschwiegen. Am 48. Verhandlungstag dann deutete das Gericht an, dass ihm zwölf Jahre Gefängnis drohten - und plötzlich räumte der Angeklagte die Taten ein. Er bat um Milde: Er würde zur Wiedergutmachung sogar seinen Ferrari verkaufen, wenn er dafür ein paar Jahre weniger ins Gefängnis müsse. "Der Zug ist abgefahren," fertigte der Vorsitzende Richter den 30-Jährigen ab.

Neben den zwölfeinhalb Jahren Haft, die er in Hamburg absitzen muss, drohen dem Mann weitere Gefängnisstrafen, denn auch in Luxemburg, Österreich und der Schweiz bestehen Haftbefehle wegen Enkeltrick-Betrugs gegen ihn.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 29.01.2018 | 16:00 Uhr

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