Stand: 28.07.2017 09:45 Uhr

Elbvertiefung: HPA stellt Ausgleichskonzept vor

Für die geplante Elbvertiefung müssen die Hamburger Behörden dem seltenen Schierlingswasserfenchel einen neuen Lebensraum verschaffen. Die Hafenbehörde Hamburg Port Authority (HPA) hat am Donnerstag die gefundene Ansiedlungsfläche vorgestellt: ein altes Wasserwerk auf der Billwerder Insel. Das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig hatte im Februar in seinem Urteil eine bereits vorgesehene Ausgleichsmaßnahme zum Schutz der Pflanze nicht akzeptiert, sodass die Behörden eine neue Fläche finden mussten.

Alte Becken der Wasserwerke

Mehr als 70 verschiedene Standorte haben Wissenschaftler in den vergangenen Monaten untersucht - und sich am Ende für die Billwerder Inseln entscheiden. Auf zwei von vier alten, nicht mehr genutzten Absetzbecken der Hamburger Wasserwerke sollen auf rund sieben Hektar geeignete Lebensbedingungen für den Schierlingswasserfenchel geschaffen werden. Dazu gehören Ebbe und Flut, flache Böschungen und bewaldetes Ufer sowie Sand und Schlick als Untergrund, wie der HPA-Projektleiter Marc Kindermann ausführte. Deswegen sollen Bagger anrücken, um die Bodensohlen aus Beton und Ziegel zu beseitigen und den 3,50 Meter tiefen Grund noch um einen Meter zu vertiefen.

Tide soll durch Graben einströmen

Die reinen Baukosten werden derzeit auf einen einstelligen Millionen-Bereich geschätzt. Die Tide soll vom Holzhafen durch einen Graben einströmen. Das ehemalige Wasserwerk auf der Billwerder Insel wurde 1892 gebaut, ist seit 1990 stillgelegt und steht unter Denkmalschutz.

HPA hofft auf "letzten planerischen Akt"

"Die Planungsunterlagen sollen im ersten Quartal 2018 fertig sein", kündigte der HPA-Chefplaner für die Elbvertiefung, Jörg Oellerich, am Donnerstag an. Dies sei hoffentlich der letzte planerische Akt bis zum Ausbaggern des Flusses. Ob diese Planungen im weiteren Verfahren zur Elbvertiefung Bestand haben werden ist jedoch noch unklar. Was fehlt, ist die Einigung mit den klagenden Umweltverbänden. Außerdem weitere Gutachten und ein stabiler Zeit- und Kostenplan.

Karte: Ausgleichsfläche für den Schierlingswasserfenchel

Umweltschützer skeptisch

Umweltschützer hatten einen für sie anberaumten Termin am Mittwochabend zur Präsentation der Ausgleichsfläche abgesagt. Es sei die beste Gelegenheit gewesen, sich einzubringen, sagte Oellerich. Sprecher von Nabu und BUND verlangten ein Gesamtkonzept mit "vernünftigen Unterlagen". Eine ernsthafte Beteiligung sehe anders aus als eine Einladung am Abend vor der Pressekonferenz, kritisierte ein BUND-Sprecher. Die Organisation hatte sich bereits nach Bekanntwerden der Ausgleichsfläche Mitte Juni skeptisch gezeigt. "Man muss schauen, ob die Fläche so von der Tide beeinflusst wird, dass der Schierlingswasserfenchel tatsächlich dort wachsen kann", sagte BUND-Geschäftsführer Manfred Braasch im Hamburg Journal.

Elbvertiefung seit Jahren umstritten

Wann Hamburg und der Bund alle neuen Pläne für die Elbvertiefung fertig haben, ist noch nicht klar. Möglicherweise bis zum Jahresende, vielleicht aber auch erst 2018. Die geplante Elbvertiefung ist seit 15 Jahren umstritten. Sie soll Schiffen mit einem Tiefgang bis 13,50 Metern tideunabhängig und bis 14,50 Metern tideabhängig die Zufahrt zum Hamburger Hafen ermöglichen. Während die Hafenwirtschaft und die Reedereien die Maßnahme für unerlässlich halten, um die Wettbewerbsfähigkeit des Hamburger Hafens zu sichern, befürchten die Umweltverbände schwere Nachteile für den Naturraum Elbe.

Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 27.07.2017 | 14:00 Uhr

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