Stand: 24.03.2020 16:29 Uhr  - Hamburg Journal

Coronavirus: Hamburger Labor testet im Akkord

Schnelle Testergebnisse sind neben den Kontaktbeschränkungen das wichtigste Mittel, um die Ausbreitung der Corona-Pandemie einzudämmen. Labore testen auch in Hamburg im Akkord, um möglichst schnell Ergebnisse zu bekommen.

Corona-Tests: Im Labor herrscht Hochbetrieb

Hamburg Journal -

In der Nähe von Mundsburg steht eines der Labore, in denen derzeit Hunderte Corona-Tests täglich durchgeführt werden. Zwischen vier und neun Prozent der Proben fallen positiv aus.

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Ein sogenannter PCR-Test wird nur gemacht, wenn jemand einen begründeten Corona-Verdacht nachweisen kann. Die Kriterien dafür legt das Robert-Koch-Institut fest - zum Beispiel Kontakt zu einer Person, die nachweislich erkrankt ist, oder der Aufenthalt in einem Risikogebiet wie Italien.

Labore arbeiten mit Selbstabstrich-Tests

Beim privaten Labor Dr. Heidrich an der Mundsburg in Hamburg können Menschen vorbeikommen und den Test an der Eingangstür entgegennehmen. "Wir erklären den Patienten dann nochmal, wie der Test funktioniert", sagt Mitarbeiterin Anne Kohls, "die meisten gehen daraufhin zurück zu ihrem Auto, entnehmen den Abstrich und werfen das Test-Kit in einer verschlossenen Plastiktasche in eine Proben-Box ein".

Strenge Vorschriften zum Schutz vor Infektionen

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Labor-Mitarbeiterin Anne Kohls leert in Schutzkleidung die Proben-Box vor dem Eingang.

Mit Maske, Schutzkleidung und Handschuhen reicht Kohls den Menschen die Test-Kits nach draußen. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter kommen ständig in Kontakt mit Personen, die befürchten, sich mit dem Coronavirus infiziert zu haben. Deswegen gibt es strenge Kontakt-Beschränkungen. Momentan sind es zwischen 150 und 200 Menschen täglich, die ihre Test-Kits dort abholen und sofort nach dem Abstrich wieder einwerfen. "Ich bin froh, dass ich helfen kann. Ein komisches Gefühl habe ich dabei nicht", sagt Kohls.

Bis zu 1.000 Tests pro Tag im Hamburger Labor

Die Test-Röhrchen und die Proben per Postsendung kommen dann immer umgehend ins Labor zur Untersuchung. Nach dem Wochenende sind es auch mal rund 1.000 Tests, die die Forscherinnen und Forscher am Tag durchführen.

Als "brutal" beschreibt Geschäftsführer Jens Heidrich das Arbeitspensum für sich und sein Team. "Wir haben hier jeden Tag etwas Neues", sagt Heidrich, "natürlich sind wir überlastet komplett. Einige im Team arbeiten 12 bis 16 Stunden am Tag, aber wir haben ein gutes Team, deshalb funktioniert es irgendwie."

Fachpersonal testet nach WHO-Standards

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Labor-Chef Heidrich und sein Team haben viel Arbeit.

Die Forscherinnen und Forscher betonen, dass es sich bei ihrer Methode nicht um den ungenauen Schnelltest handele. Die Tests würden nach allen Standards der Weltgesundheitsorganisation WHO und von Fachpersonal ausgewertet. Lediglich die Probenentnahme machen die Patientinnen und Patienten selbst - entweder zuhause oder im Auto vor dem Labor.

Warnung vor unseriösen Test-Angeboten im Internet

Die im Online-Handel zurzeit angebotenen Selbsttests liefern bislang kein sicheres Ergebnis oder sind sogar komplett ungeeignet. Dazu zählen auch sogenannte Antikörpertests. Von allem, was nicht von seriösen Stellen wie Arztpraxen, Kliniken und Fachlaboren angeboten wird, sollte zur eigenen Sicherheit und der Sicherheit der Mitmenschen die Finger gelassen werden.

150 Euro pro Test

Mit der zusätzlichen Testmöglichkeit in Laboren wie an der Mundsburg werden einerseits die Arztpraxen entlastet und das Gefährdungspotenzial für die Beschäftigten im Gesundheitswesen gesenkt. Andererseits kommen private Fachlabore jedoch in den Verdacht, sich an der Notsituation zu bereichern, da die Patientinnen und Patienten die 150 Euro pro Test bislang selbst übernehmen müssen. "Letzteres weisen wir auf das Schärfste von uns", betont Heidrich, "ein ärztlicher Betrieb muss sich an die ärztliche Gebührenordnung halten." Deshalb stellen Labore für die Selbstabstrich-Tests etwa 150 Euro in Rechnung. "Eine Abrechnung außerhalb der Gebührenordnung ist nicht zulässig."

Vier bis neun Prozent der Ergebnisse positiv

Zwischen vier und neun Prozent der untersuchten Proben im Labor sind positiv. Zumindest die Daten seines Labor könnten, so Heidrich, erste Hinweise darauf geben, dass die Ausbreitung des Coronavirus sich verlangsamt. Die Infektions-Kurve soll möglichst stark abgeflacht werden, damit möglichst wenige Menschen gleichzeitig infiziert sind - davon sprechen immer wieder Experten wie Christian Drosten, Chefvirologe der Berliner Charité, und mahnen zur Vermeidung von Sozialkontakten. Bund und Länder haben deshalb Maßnahmen wie Kontaktbeschränkungen sowie geschlossene Geschäfte und Restaurants ergriffen, sodass allen schwer erkrankten Menschen bestmöglich geholfen werden kann.

Zuversicht bei Labor-Chef

Laut Hamburger Landesregierung halten sich die Bürgerinnen und Bürger weitgehend an die Auflagen. Deshalb sei bislang auch keine absolute Ausgangssperre beschlossen worden wie in Italien, teilten die Behörden bei einer Pressekonferenz am Dienstag mit. "Ich bin zuversichtlich, dass wir damit schneller fertig werden könnten als befürchtet", sagt Labor-Chef Heidrich und zieht aus den Werten etwas Hoffnung mit Blick auf die nächsten Wochen.

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Dieses Thema im Programm:

Hamburg Journal | 23.03.2020 | 19:30 Uhr

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