Stand: 21.01.2018 06:00 Uhr

City-Hof: So geht der Bauherr auf Kritik ein

Nach jahrelangem Streit über die Zukunft des denkmalgeschützten City-Hofs in Hamburg rückt nun der Abriss näher. Der Bauherr Aug. Prien will im kommenden Juli mit dem Abbruch der vier Hochhäuser in unmittelbarer Nähe des Hauptbahnhofs beginnen. Um die anhaltende Kritik am geplanten Neubau mit Büros, Wohnungen und einem Hotel zu entschärfen, hat das Unternehmen seine Pläne nun umfassend überarbeitet. Was sich ändern wird, legte der Geschäftsführer von Aug. Prien, Jan Petersen, im Gespräch mit NDR.de offen.

Der City-Hof: Früher und heute

Weniger Wohnungen, mehr Hotelzimmer

Im Sommer 2017 hatte die Jury eines internationalen Architekten-Wettbewerbs den Siegerentwurf gekürt - zugleich aber kritisiert, dass der Komplex zu hoch und zu groß geraten sei. "Der Siegerentwurf kann in seiner Qualität noch wachsen, wenn er schrumpft", sagte Jury-Präsident Fritz Schumacher. Darauf geht Aug. Prien nun ein: "Mit der Überarbeitung der Pläne haben wir Fläche verloren, aber das nehmen wir gerne in Kauf", sagte Geschäftsführer Petersen. "Uns ist ganz wichtig, dass die Qualität der Architektur stimmt." Die Bruttogeschossfläche sinke von rund 47.000 Quadratmetern auf 45.800 Quadratmeter. Dieser "Flächen-Verlust" führt auch dazu, dass deutlich weniger Wohnungen entstehen. Im Siegerentwurf standen noch mehr als 190 Wohnungen, jetzt ist nur noch von höchstens 140 Wohnungen die Rede. Die Zahl der Hotelzimmer steigt hingegen von 200 auf 220.

Vorgesehen sind zudem viele Büroflächen, eine Kita auf dem Dach sowie Gastronomie und Läden im Erdgeschoss.

Hotel-Bau wird sogar höher

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Der Hotelbau im Norden des City-Hof-Geländes soll noch ein Geschoss mehr erhalten als im Siegerentwurf vorgesehen.

Die sicherlich markanteste Neuerung betrifft die Gebäudehöhen. Wie von der Jury gewünscht ist nun eine Abstaffelung vorgesehen. Der Bürobau soll um ein Geschoss niedriger ausfallen, hingegen soll das Hotel ein Geschoss mehr erhalten. Der Wohnungsbau behält seine ursprüngliche Höhe. "Wir halten jetzt die Höhe ein, die die Jury und die UNESCO vorgegeben haben", sagt Petersen. Die UNESCO verfolgt die Neubau-Pläne gespannt, weil das Grundstück in der Pufferzone der Welterbestätte des Kontorhausviertels liegt.

Die Jury hatte im Sommer auch die vorgesehenen Balkone kritisiert. "Stattdessen haben wir für die Wohnungen nun Loggien zum Johanniswall hin geplant", sagt Petersen. Dadurch wirke die Fassade geschlossener.

Breitere Durchgänge

"Wir haben die Pläne in enger Absprache mit den Behörden und dem Bezirk überarbeitet", sagt Petersen. Auch der neue Oberbaudirektor Franz-Josef Höing habe sich schon eingebracht. Auf seine Forderung hin soll es beim Wohnungskomplex nun einen wesentlich breiteren und freundlicheren Durchgang zwischen den beiden Straßen Johanniswall und Klosterwall geben - mit Licht vom Innenhof. Zudem wird der Eingang zur U-Bahn-Station Steinstraße großzügiger gestaltet. Aug. Prien will etwa 250 Millionen Euro für den Neubau ausgeben. Die genaue Summe stehe noch nicht fest, so Petersen.

Senat zieht Verfahren an sich

Die Stadt drückt derweil aufs Tempo. Der Hamburger Senat hat das Genehmigungsverfahren Ende 2017 an sich gezogen. Dieser Schritt stellt auch die Abrissgegner von der Initiative City-Hof kalt. "Wir hatten überlegt, ob wir auf Bezirksebene ein Bürgerbegehren gegen den Abriss des City-Hofs starten", sagt Marco Alexander Hosemann von der City-Hof-Initiative. Aber dies sei nun - mit der Zuständigkeit des Senats - nicht mehr möglich.

Der City-Hof

Der City-Hof ist einer der markantesten Nachkriegsbauten in Hamburg. Die vier Türme, auch City-Hochhäuser genannt, wurden von 1956 bis 1958 erbaut. Die Pläne stammen von dem Hamburger Architekten Rudolf Klophaus (1885-1957). Der City-Hof galt bei seiner Fertigstellung als moderner Bau: Es waren die ersten Hochhäuser in der Innenstadt nach 1945. Sie stehen seit 2013 unter Denkmalschutz. Der Stadt gehört das Grundstück seit 2006.

Die Abrissgenehmigung fehlt noch

Im nächsten Schritt wird nun der Entwurf des neuen Bebauungsplans für das City-Hof-Grundstück vorgestellt - und zwar am 29. Januar. Ein Stolperstein für den Neubau könnte theoretisch noch die Abrissgenehmigung, die bislang nicht erteilt ist. Schließlich steht der City-Hof unter Denkmalschutz. Der Senat wird sich aber voraussichtlich auf ein höheres städtebauliches Interesse berufen, um den Denkmalschutz aufzuheben. Wobei viele Fachleute in der geplanten Neubebauung vielmehr eine städtebauliche Verschlechterung sehen. Die Kritiker halten den geplanten Neubau für einen Klotz, der den Blick auf das Kontorhausviertel verstelle. Auch etliche Abgeordnete der Bürgerschaft haben sich gegen einen Abriss des City-Hofs ausgesprochen.

Sprengung ist nicht möglich

Der Investor geht aber davon aus, dass alles glatt geht und der Abriss im Sommer beginnen kann. Das Bezirksamt Mitte als Hauptmieter der Büros zieht Ende Mai aus. Die Mieter in der Ladenzeile im Erdgeschoss des City-Hofs haben kurz vor Weihnachten ihre Kündigung erhalten. "Der Abriss des City-Hofs wird bis zu zwölf Monate dauern", sagt der Geschäftsführer von Aug. Prien, Petersen. "Wir können nicht sprengen, wir müssen Stein für Stein abbauen." Im Jahr 2022 könnte der Neubau fertig sein.

Die City-Hof-Hochhäuser in Hamburg © NDR Foto: Marc-Oliver Rehrmann

Schlechtes Image: Hamburger Nachkriegsarchitektur

Hamburg Journal -

Als die City-Hochhäuser 1958 eingeweiht wurden, galten sie als Vorboten der Moderne. Heute sehen viele Hamburger das Ensemble als Schandfleck- so wie andere Nachkriegsbauten.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 21.01.2018 | 08:00 Uhr

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