Blutspenden in Hamburg: Kritik an Fragebögen

Stand: 13.11.2021 17:53 Uhr

Blutspenden werden gerade in Pandemie-Zeiten dringend gebraucht. Wer spenden will, muss vorher einen Fragebogen ausfüllen. Die Fragen sollen verhindern, dass infiziertes Blut gespendet wird. Doch sie lösen immer wieder Empörung aus.

Seit mehr als 30 Jahren spendet Oliver Köster sein Blut beim Blutspendedienst Hamburg. Wie üblich wollte er im Oktober nach acht Wochen Pause wieder Blut spenden, als ihm ein neuer Fragebogen vorgelegt wurde. Darunter Fragen nach der Menge an Sexualpartnern oder deren sexueller Orientierung. "Es war in der Vergangenheit auch so, dass es solche Fragen gab, aber ich finde, dass es jetzt deutlich weiter geht", sagt Köster. "Das geht mir zu doll ins Private hinein."

Deutlich längerer Fragebogen

Seine Nachfrage beim Blutspendedienst Hamburg blieb unbeantwortet. Dem Hamburg Journal antwortete man dort: "Die Fragen sind nicht neu, sondern lediglich klarer und eindeutiger formuliert, auch gibt es erklärende Texte zu den Fragen. Daher ist der Fragebogen jetzt deutlich länger, obwohl es nur fünf zusätzliche Fragen gibt."

Farid Müller, Queerpolitischer Sprecher der Hamburger Grünen.
"Wichtig ist, dass man alle gleich behandelt", sagt der queerpolitische Sprecher der Hamburger Grünen, Farid Müller.

Fragen zum Sexualleben dienen dem Infektionsschutz, heißt es vom Paul-Ehrlich-Institut, das den Fragebogen erstellt hat. Darin wird zum Beispiel abgefragt, ob der Spender in den vergangenen zwölf Monaten sexuellen Kontakt mit einem anderen Mann hatte. Dann darf er kein Blut spenden - ein Verbot, das aus den 1980er-Jahren stammt.

"Nicht mehr zeitgemäß"

In der Hamburgischen Bürgerschaft haben Grüne und SPD im Oktober eine Neuregelung gefordert. "Bestimmte Bevölkerungsgruppen auszuschließen ist nicht mehr zeitgemäß, sondern diskriminierend", sagt Farid Müller, queerpolitischer Sprecher der Grünen. "Risikoverhalten können heterosexuelle genau wie schwule und bisexuelle Männer haben. Wichtig ist, dass man alle gleich behandelt bei der Frage: 'Haben Sie ungeschützten Sex gehabt?'"

Die Bundesärztekammer hat ihre Kriterien für Blutspenden im September angepasst, aber eine Gleichstellung von Homo- und Heterosexuellen bei Blutspenden gibt es weiterhin nicht. Und das in einer Zeit, in der Blutspenden dringend gebraucht werden.

Müller: Man könnte Blut untersuchen lassen

Bei den möglichen Gefahren kapriziere man sich im Wesentlichen auf HIV, wo es eine Inkubationszeit von drei bis vier Wochen gebe, meint Farid Müller. Deshalb sei es angebracht, die Blutspenden dann noch einmal zu testen. "Aber offenbar sind die Blutbanken nicht bereit, das Geld dafür auszugeben."

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Dieses Thema im Programm:

Hamburg Journal | 13.11.2021 | 19:30 Uhr

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