Stand: 01.07.2020 17:26 Uhr  - NDR 90,3

Airbus-Appell: Längeres Kurzarbeitergeld gegen Kahlschlag

5.100 Arbeitsplätze will Airbus wegen der Corona-Krise an den deutschen Standorten streichen - das hat der europäische Flugzeugbauer am Dienstagabend mitgeteilt. Nun appelliert das Unternehmen an die Bundesregierung, die gesetzliche Kurzarbeit auf zwei Jahre zu verlängern. Dadurch müssten in den kommenden Jahren deutlich weniger Stellen abgebaut werden als bislang geplant.

Stellenabbau bei Airbus: Bangen in Hamburg

Hamburg Journal -

Der geplante Stellenabbau bei Airbus macht vielen Angst. Noch ist nicht klar, wohin die Reise für Hamburgs größten Arbeitgeber geht. Können betriebsbedingte Kündigungen verhindert werden?

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Maßnahme würde vor allem Hamburger Werk helfen

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Mit einem längeren Kurzarbeitergeld könnten 1.500 der bedrohten Jobs erhalten werden, meint Airbus-Vorstandsmitglied Michael Schöllhorn (Archivfoto).

Wenn das Kurzarbeitergeld verlängert würde, könnten etwa 1.500 der bedrohten Jobs erhalten werden, sagte Airbus-Vorstandsmitglied Michael Schöllhorn. Besonders sinnvoll sei die Ausweitung der Kurzarbeitsregeln für die Standorte, an denen die Maschinen der A320-Familie gebaut werden - insbesondere für Hamburg. Das Werk in Finkenwerder ist das Zentrum für die Kurz- und Mittelstreckenjets, etwa jede zweite Maschine der A320-Familie wird hier gebaut. Airbus rechnet damit, dass die Nachfrage nach den kleineren Flugzeugen schneller wieder anzieht als bei Langstreckenjets.

Hoffnung auf Forschungsprojekte

Hoffnungen setzt Schöllhorn auch darauf, dass sich der Bund und die Länder an Forschungsprojekten für eine saubere Luftfahrt beteiligen. Dort könnten 400 bis 500 Airbus-Ingenieure eine Beschäftigung finden, deren Jobs sonst bedroht sind.

Hamburgs Wirtschaftssenator Michael Westhagemann (parteilos) hat bereits angekündigt, dass der Senat 50 Millionen Euro für ein solches Projekt bereitstellen will. Auch Niedersachsen sagt dafür finanzielle Unterstützung in Millionenhöhe zu. Ab Donnerstag will die Airbus-Führung Verhandlungen mit den deutschen Arbeitnehmervertretern über Details des geplanten Stellenabbaus aufnehmen.

Gewerkschaft warnt vor Kahlschlag

Die Gewerkschaft IG Metall Küste warnte vor einem überzogenen Stellenabbau aufgrund der Corona-Krise. "Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Airbus haben bereits ihren Beitrag geleistet, um die Zukunft des Unternehmens zu sichern", sagte Daniel Friedrich, Bezirksleiter IG Metall Küste. Statt eines Kahlschlags solle das Unternehmen lieber eine Brücke bauen in die Zeit nach der Krise, so Friedrich.

2.000 Jobs in Finkenwerder auf der Kippe

Deutschlandweit beschäftigt Airbus Zehntausende Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und hat zahlreiche Standorte - etwa in Hamburg-Finkenwerder oder Bremen. Im Hamburger Werk beschäftigte Airbus vor Beginn der Corona-Krise rund 14.000 Menschen. Nahezu alle Leiharbeitenden haben das Werk bereits verlassen und ein großer Teil der Stammbelegschaft ist in Kurzarbeit. Nach Informationen von NDR 90,3 stehen allein am Standort Hamburg-Finkenwerder mehr als 2.000 Jobs auf der Kippe, betriebsbedingte Kündigungen sind bis Jahresende ausgeschlossen.

Sönke Fock, der Chef der Hamburger Arbeitsagentur, glaubt nicht, dass man sich von Airbus als großem Arbeitgeber in der Stadt verabschieden muss: "Ich sehe die schon jetzt verabredeten Maßnahmen alle darauf ausgerichtet, Beschäftigung in Hamburg auch zu sichern."

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 01.07.2020 | 17:00 Uhr

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