Welt der Musik

Kreativ in Isolation - Die Komponistin Antonia Bembo

Sonntag, 27. Juni 2021, 18:00 bis 19:00 Uhr

Eine Notenhandschrift. © picture alliance / dpa Foto: Ralf Hirschberger
Antonia Bembo zählt zu einer der produktivsten Komponistinnen in der Zeit des Barock.

Antonia Bembos Lebensdaten sind nicht genau belegt. Sie ist um 1640 in Venedig geboren und um 1720 in Paris gestorben. Ein gut 80 Jahre langes hoch produktives Leben. Als Tochter der sehr wohlhabenden Familie Padoani erhält sie viel Musikunterricht. Auch in Komposition bei Francesco Cavalli, dem damals führenden Opernkomponisten Venedigs.

Flucht nach Paris

Antonia geborene Padoani heiratet 1659 Lorenzo Bembo, einen Mann aus einer venezianischen Adelsdynastie. Das Paar bekommt drei Kinder. Antonia Bembos Ehemann wird zum Krieg von Candia einberufen, auch bekannt als "Belagerung von Candia". Lorenzo Bembo kümmert sich jahrelang nicht mehr um seine Familie. Antonia Bembo gerät mit ihren Kindern in Existenznöte. Schließlich reicht sie die Scheidung ein bei Gericht. Die Scheidungsklage bleibt ohne Erfolg. Antonia Bembo lebt trotzdem getrennt von ihrem Mann. Im Winter 1677 flieht sie - ohne ihre Kinder - nach Paris, also in ein anderes Land. Als Frau ist es zu dieser Zeit unmöglich, allein zu reisen. Eine Art Fluchthelfer ist wohl der Gitarrenvirtuose Francesco Corbetta - Antonia Bembo hat mit ihm als Sängerin häufiger musiziert. Claire Fontijn schildert in ihrer Bembo-Biographie, dass Corbetta in diesem Winter zu Gast war bei seinem Instrumentenbauer in Venedig. Es war die Zeit des Karnevals, beide hätten wohl maskiert abreisen können.

Antonia Bembo und König Ludwig XIV

Die Quellenlage ist insgesamt dürftig. Francesco Corbetta hilft ihr vermutlich, bei Landsleuten in Paris Unterschlupf zu finden. Und er hat Beziehungen zum französischen Hof. Er stellt den Kontakt zum König her. Und Ludwig XIV. gewährt Antonia Bembo ab 1682 eine lebenslange Pension, so dass sie in einem Pariser Frauenkonvent zurückgezogen leben und komponieren konnte. Antonia Bembo widmet König Ludwig XIV. den ersten Band ihres Gesamtwerks, erschienen 1701. Im kurzen Vorwort beschreibt sie, was er für sie getan hat. Glaubt man ihren Worten, war der Sonnenkönig der Grund für ihre Flucht nach Frankreich. Auf die erste Sammlung von Vokalmusik mit dem Namen "Produzioni armoniche" folgten fünf weitere handschriftliche Bände, die komplett überliefert sind. Dieses reiche Gesamtwerk macht Bembo neben Elisabeth Jacquet de La Guerre zu einer der produktivsten Komponistinnen zur Zeit von Ludwig XIV.

Markus Grassl über Bembos Werke

Alle Kompositionen von Antonia Bembo seien handwerklich von hoher Qualität, findet der Musikwissenschaftler Markus Grassl. Man spüre, wie die Italienerin in Abgeschiedenheit sehr frei ihre Musik schreiben konnte. "Nämlich insofern - kann man sich ja leicht vorstellen - als dass sie dadurch viel weniger den Imperativen, Erwartungen und Vorgaben an musikalische Produktionen unterworfen war, wie sich sonst für in der Öffentlichkeit tätige Komponistinnen und Komponisten ergeben hat." Antonia Bembo hat im italienischen Stil komponieren können - wie ihre Mitschülerin in Cavallis Klasse Barbara Strozzi, sie bedient sich souverän an Elementen der französischen Musiksprache und schreibt aber auch im gemischten Stil. Und das mache sie rückblickend in der Musikgeschichte auch zur Pionierin des gemischten Stils, betont der Wiener Musikwissenschaftsprofessor Markus Grassl. Noch gibt es keine kritische Gesamtausgabe der Werke von Antonia Bembo. Die zu erstellen würde sich sehr lohnen, sagt Grassl. So könnte ihre reizvolle Musik auch öfter zur Aufführung kommen.

Eine Sendung von Dagmar Penzlin.

 

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Zwei Musiker im Senegal spielen Kora (links) und Djembe (rechts) im Gegenlicht vor untergehender Sonne. © picture-alliance / dpa

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