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Dialoge mit der Natur

Dienstag, 21. Dezember 2021, 21:00 bis 22:00 Uhr

Der Komponist Toshio Hosokawa steht an einem Baum und blickt in die Kamera. © dpa Foto: Bernd Weissbrod

Am liebsten sollten seine Konzerte in der Natur stattfinden, mit Menschen, die sich ganz darauf einlassen, sagt der japanische Komponist Toshio Hosokawa, der am liebsten weit ab von jeder Zivilisation in der Natur schreibt. Wie ein Meister der Kalligraphie sucht er auch in "neben dem Fluss" nach dem einen konzentrierten "Pinselschlag", der alles in sich vereint und miteinander verbindet. Hermann Hesses "Siddharta" hat Toshio Hosokawa zu diesem Werk für Harfe inspiriert. In den Noten finden sich Aufforderungen an die Interpreten. Sie lauten "Hörst Du!" und "Höre besser!"

Fallhöhe zwischen kindlich naivem Blick und rationaler Erkenntnis

Der Komponist Toshio Hosokawa steht an einem Baum und blickt in die Kamera. © dpa Foto: Bernd Weissbrod
Toshio Hosokawa gehört zu den wichtigsten zeitgenössischen Komponisten Japans.

"Ich könnte einen philosophischen, klimatologischen Aufsatz schreiben", erklärt Jörg-Peter Mittmann, "aber ich würde nicht Musik schreiben, wenn ich nicht einen spezifisch emotionalen Zugang zur Musik gewinnen wollte". Komponierenden geht es nicht um Statistiken und düstere Prognosen des Klimawandels. Wenn Malika Kishino in ihrem "Lamento" musikalisch die Katastrophe von Fukushima und die Havarie des Kernkraftwerkes präsent werden lässt und dazwischen ein japanisches Volkslied aus der Gegend um Fukushima zitiert, wird der Kontrast zwischen der Zerstörung und der schutzbedürftigen Natur zu einer intensiven, fast brutal schmerzlichen Mahnung an die Menschen, nicht tatenlos zuzuschauen.

Mediterrane Landschaftsbilder als Vorlage

Jörg-Peter Mittmann erklärt die Programmatik des CD-Programmes "Dialogue on Nature": "Wir sprechen über die Wiederentdeckung von Natur in Zeiten von Corona, wir blicken mit Trauer darauf, dass durch den Klimawandel viele Wälder vernichtet werden, ich komme auch aus einer Gegend, wo man die Landschaft teilweise nicht mehr wiedererkennt, weil kilometerweise Wälder einfach abgestorben sind in den letzten Jahren. Diese Art von Naturbetrachtung spielt eine sehr große Rolle."

Hans Werner Henzes Kammermusik 1958 nach Hölderlins Hymne "In lieblicher Bläue" begleitet ihn schon eine Weile ziemlich intensiv. Zum einen, weil es eine zentrale Rolle im Leben des Ensemble Horizonte spielt, das Jörg-Peter Mittmann 2006 mit gegründet hat, zum anderen, weil darin die Begeisterung an der Poesie Hölderlins und seine Leidenschaft als Wanderer vereint sieht.  So genau möchte er die Hintergründe seines Werkes gar nicht beschreiben, nur so viel, auch das Ensemble "Horizonte" sucht immer nach dem, was danach kommt, was sich in der Ferne abzeichnet. "Jenseits der Bläue" verweist auf die Sehnsucht des leidenschaftlichen Wanderers "Was finden wir wohl jenseits des Horizonts?"

Eine Sendung von Margarete Zander.

 

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Tasten eines Konzertflügels © NDR

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