Eine Welle bricht über eine Frau, die nackt im Wasser sitzt, zusammen. © Klaus Ender Foto: Klaus Ender

Ueckermünde zeigt Lebenswerk von Aktfotograf Klaus Ender

Stand: 12.07.2021 11:58 Uhr

Klaus Ender war neben Günter Rössler und Ute Mahler der bekannteste Aktfotograf der DDR. Im März ist er mit 81 Jahren gestorben. Im Kulturspeicher Ueckermünde wurde am Wochenende nun seine erste posthume Ausstellung eröffnet.

von Juliane Voigt

Eine Frau liegt nackt und ausgestreckt auf einem Ständerwerk aus Holzbuhnen, am Ostseestrand. Sie reckt die Arme sich dehnend über den Kopf, die Augen sind geschlossen. "Sonnenbad" heißt das Bild. Es ist so mit das berühmteste Foto von Klaus Ender. Aufgenommen in den 70er-Jahren auf Rügen. Auf dem Foto zu sehen ist seine Frau, Gabriela Ender.

Gabriela Ender, die Frau des im März 2021 verstorbenen Fotografen Klaus Ender, hält eines seiner Werke für die Ausstellung "Akt und Landschaft" in der Hand. Auf dem Foto hat sie ihrem Mann selbst Modell gestanden. © dpa-Zentralbild/dpa Foto: Jens Büttner
Gabriela Ender mit dem Bild "Sonnenbad" - auf dem Foto hat sie ihrem Mann in jungen Jahren selbst Modell gestanden.

"Für ihn war es immer ganz wichtig auch die Würde der Frau zu erhalten", sagt Gabriela Ender. "Er hätte nie irgendwelche Posen gemacht, die erniedrigend wären, wo ein Modell nicht von seiner schönsten Seite gezeigt wird. Im Prinzip sind das Posen, die jeder so am Strand auch einnehmen würde."

Ender beginnt als Amateurfotograf

Gabriela Ender hat die Schau organisiert. Knapp 180 Fotografien aus 50 Jahren schwarz-weiß-Aktfotografie hängen dicht über zwei Etagen im Kulturspeicher Ueckermünde. Mädchen am Strand, in den Dünen, im Wasser. Durchaus nackt, aber nicht entblößt.

Die ersten Fotos sind von 1963. Klaus Ender hatte Bäcker gelernt und fuhr als Saisonkraft auf Rügen Brote aus. Er hatte sich aber schon vom ersten Lehrlingsgeld eine Kamera gekauft und fotografierte Landschaften - und war bald auch zum ersten Mal in seinem Leben an einem FKK Strand.

"Ich bin hingegangen, hab nach hübschen Frauen oder Mädchen geguckt - im Urlaub ist man sowieso ein bisschen lockerer - und dann hatte ich von zehn angesprochenen acht Mädchen, die gesagt haben: Ja machen wir", erzählte Klaus Ender bei einem seiner letzten Interviews im Januar 2021. "Dann habe ich fotografiert, schöne ästhetische Aktfotografie. Kein Sex, keine Erotik. Und das ist meine Stärke geworden, weil es auch mein Inneres war."

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Der Fotograf Klaus Ender in seiner Ausstellung in Stralsund. © dpa-Zentralbild Foto: Stefan Sauer

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Staatliche Genehmigung der DDR

Mit seinem Blick auf den Körper der Frau hat Ender als Amateurfotograf Anfang der 60er-Jahre die Aktfotografie so salonfähig gemacht, dass seine Fotos bald mit staatlicher Genehmigung abgedruckt wurden.

1964 gab es seine erste Veröffentlichung im Magazin, einer DDR-Illustrierten. Ein Mädchen mit kurzen sommerblonden Haaren sitzt mit angewinkelten Beinen, schlingt die Arme um die Knie, eine Küsten-Schönheit. "Es war eine Verkäuferin, in einem Laden, in dem er immer einkaufen war. Und ihr Vater war in dem Ort Apotheker", erinnert sich Gabriela Ender. "Als dieses Magazin erschienen war, kam dieser Vater zu ihm und bat händeringend, dass doch diese Bilder nicht mehr veröffentlicht werden."

FKK vereinfacht Enders Arbeit

Anfang der 70er-Jahre durfte Klaus Ender seine erste große Ausstellung nur mit schwarz-weißen Aktfotografien in der DDR zeigen. Aktfotografie als ästhetische Kunstform, das gab es dort noch nie. FKK war zu der Zeit eine Art Freiheitsbewegung, die versteckten Strände jenseits staatlicher Überwachung. "FKK ist sicherlich eine gute Voraussetzung für sein künstlerisches Schaffen gewesen, es war natürlich für ihn dadurch sehr viel leichter, sich die Modelle auszusuchen", erläutert die Ehefrau des Fotografen. "Aber die Fotografie an sich ist ja viel mehr als FKK, es ist ja wirklich eine Aktfotografie, die auch wirklich einen hohen künstlerischen Stellenwert hat."

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Natürlichkeit bei Mensch und Umwelt

Klaus Ender sitzt am Strand mit einer Kamera in der Hand - daneben posiert eine nackte Frau fürs Foto. © Klaus Ender
Bis ins hohe Alter fotografierte Klaus Ender - wenige Monate vor seinem Tod erblindete er.

20 Jahre seines Lebens hat Klaus Ender auch einfach nur Landschaften fotografiert. Das war seine Zeit in Österreich. "Ich war Akt- und Landschaftsfotograf - damit hatte ich mir einen Namen gemacht - aber in Österreich konnte ich mit der Aktfotografie nicht werben, das ist ein katholisches Land."

Seine Leidenschaft für die Aktfotografie erwachte wieder, als er mit seiner Frau 1996 zurück nach Rügen zog. Es ärgerte ihn, dass Frauen ihre Körper und ihre Natürlichkeit für Schönheitsideale verändern und dass gleichzeitig die Ursprünglichkeit der Insel Rügen verloren ging. "Diese Verletzlichkeit der Natur und des Menschen und der Natürlichkeit ist ein starkes Thema bei ihm gewesen", schildert Torsten Seegert, Verleger des Rügener Heimat-Bild-Verlags. Der Naturschutzgedanke sei der Rahmen für viele seiner Aktaufnahmen gewesen.

Sehnsucht nach Sommer, Sonne, Sinnlichkeit. Das strahlen die Fotos von Klaus Ender aus. Im Januar erblindete er, der sowieso nur ein sehendes Auge hatte, durch einen Augeninfakt, konnte nicht mehr fotografieren und verlor seinen Lebensmut. Bis dahin hatte er fotografiert. Gabriela Ender wird sein Werk weiterführen.

Ueckermünde zeigt Lebenswerk von Aktfotograf Klaus Ender

Im März ist der Aktfotograf Klaus Ender gestorben. Eine Ausstellung in Ueckermünde würdigt nun sein Lebenswerk.

Art:
Ausstellung
Datum:
Ende:
Ort:
Kulturspeicher Ueckermünde
Bergstraße 2,
17373 Ueckermünde
Telefon:
(039771) 54 262
Öffnungszeiten:
Montag bis Samstag 10 bis 17 Uhr
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Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Klassisch in den Tag | 12.07.2021 | 07:20 Uhr