Sanierungsarbeiten am Kamin, Wänden, Türen, Spiegeln und Böden im Ludwigsluster Schloss am Westflügel © NDR Foto: Axel Seitz

Schloss Ludwigslust: Sanierungsarbeiten voll im Gange

Stand: 05.02.2021 12:52 Uhr

Es gehört zu den bedeutendsten Sehenswürdigkeiten in Mecklenburg: das Residenzschloss Ludwigslust. Der Prachtbau ist eine riesige Baustelle mit umfangreichen Umbauten. Ein Baustellenrundgang.

von Axel Seitz

Ludwigslust wird gern auch als mecklenburgischen Versailles bezeichnet. Nicht zuletzt wegen des Ensembles mit dem Schloss und dem Schlosspark. Während seit mittlerweile fast fünf Jahren (genau: März 2016) der Großteil des sanierten Ostflügels im Schloss der Öffentlichkeit als Museum zur Verfügung steht, ist der Westflügel nach wie vor eine gewaltige Baustelle. In rund drei Jahren, 2024, soll dann auch dieser Teil des Ludwigsluster Barockschlosses saniert als Museum Besucherinnen und Besucher empfangen.

Sanierung von Schloss Ludwigslust bis 2024

Viel tiefer geht es nicht mehr, im Erdgeschoss des Westflügels sind einige Balken zu sehen, auf denen das Schloss erbaut wurde: "Die sind garantiert von der Erbauungszeit, vielleicht sogar schon vom Vorgängerschloss, da sind wir uns nicht so sicher. Das ist schon schön, dass die nur gering geschädigt waren. Die Balken an sich können also in ihrem Originalzustand belassen werden.", erzählt Steffi Dahl. Sie zeigt auf die rund 250 Jahre alten Balken.

Die Projektleiterin beim zuständigen Bau- und Liegenschaftsamt Schwerin koordiniert die laufenden Bauarbeiten im Ludwigsluster Schloss: "Im Westflügel befinden wir uns in der Phase des Rückbaus und der statischen Sanierung. Der Rückbau ist für mich immer so die bedrückende Phase. Man reißt alles raus, was nicht ursprünglich war."

Blick aufs ungeputze Mauerwerk

Und so sind derzeit statt Parkettfußböden freigelegte alte Balken und neue eingezogenen Stahlträger zu sehen, Türen fehlen, Wände wurden herausgerissen und Kamine verschlossen, ohne Verkleidungen ist der Blick frei auf das ungeputzte Mauerwerk.

In gut drei Jahren soll in den beiden oberen Etagen des Westflügels das ehemals höfische Leben vor allem der Frauen gezeigt werden: "Häuser aus dem 18. Jahrhundert haben immer zwei Seiten - eine männliche und ein weibliche. Der Ostflügel ist die männliche und der Westflügel die weibliche Seite. Man war damals luxuriös genug, dass Ehemann und Ehefrau nicht eine Wohnung bewohnten. Man sprach wirklich von Appartements. Es war so, dass auf der erste Etage Friedrich der Fromme, der regierende Herzog, und ebenfalls seine Nachfolger lebten. So lebte im Ostflügel der Regent und im Westflügel die Regentin", so Projektleiterin Steffi Dahl. 

Fast fertige Sanierungsarbeiten am Ostflügel im Ludwigsluster Schloss  © NDR Foto: Axel Seitz Fast fertige Sanierungsarbeiten am Ostflügel im Ludwigsluster Schloss  © NDR Foto: Axel Seitz

Das Appartement der preußischen Prinzessin Alexandrine

Friederike Drinkuth ist bei den Staatlichen Schlössern, Kunstsammlungen und Gärten Mecklenburg-Vorpommern für das Schlossmanagement verantwortlich. Sie befasst sich unter anderem mit dem Appartement von Alexandrine, der preußischen Prinzessin und Erbgroßherzogin von Mecklenburg im 19. Jahrhundert: "Es gibt nicht nur Möbel, es gibt auch Gemälde. Hinter Alexandrines Schlafzimmer ist ein Wohnzimmer, von dem es ein tolles Aquarell gibt. Es befindet sich heute bei der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg. Sie sehen drei Seiten eines Raumes und da sind in etwa 300 Objekte drin - Möbel, Kerzenleuchter, Gemälde. Es ist voll."

Und es ist nicht nur voll, es war und wird künftig auch wieder bunt im Ludwigsluster Schloss: "Wir bekommen wunderschöne Farben unterschiedlichster Natur. Oben im Alexandrinen-Appartement gibt es zwei große Salons, die mit einem dunklen, wunderschön leuchtenden Blau ausgestattet sind. Ein Raum dahinter ist ganz in Rot gehalten. Im Schlafzimmer von Alexandrine ist es ein kräftiges Grün und ein Gelb dabei." Es werde bunt, sagt Drinkuth.

 Einbauarbeiten im sanierten Westflügel Ende 2023

Ende 2023, so hofft Friederike Drinkuth, können die Museumsexperten damit beginnen, den dann sanierten Westflügel einzuräumen. Im Erdgeschoss soll es darüber hinaus eine Ausstellung über die gesamte Geschichte des Ortes und des Schlosses Ludwigslust geben, inklusive des Jagdschlosses von Klenow, denn so hieß der Ort bis 1754. Erst auf Weisung von Herzog Christian Ludwig wurde Klenow zu Ludwigslust.

Doch nicht nur der Westflügel wird saniert, auch im Erdgeschoss des Ostflügels laufen noch Bauarbeiten. Hier sind inzwischen die Räume wieder so hergerichtet wie im Originalzustand, sagt Steffi Dahl: "Zwischendurch wurden Veränderungen vorgenommen. Man hat Räume abgeteilt, Zwischenflure geschaffen, um über den Fluren Lagerbereiche oder Garderoben einzubauen, so ganz niedrige Dinge, die wir alle rausgenommen haben, um jetzt die Großzügigkeit des Ostflügels wieder herstellen zu können."

Zwar soll dieser Bauabschnitt voraussichtlich erst Ende 2022 fertig sein, doch eine Neuerung ist bereits jetzt zu sehen. Wer vor dem Ludwigsluster Schloss steht, kann ganz rechts im Erdgeschoß wieder eine große Tür entdecken, jahrzehntelang war an dieser Stelle nur ein Fenster.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | Kulturjournal | 08.02.2021 | 19:00 Uhr