Anke Feuchtenberger steht vor ihren Arbeiten von im Neubrandenburger Literaturhaus © NDR Foto: Annette Ewen

Neubrandenburg: Bildgeschichten, inspiriert von Brigitte Reimann

Stand: 04.11.2021 13:56 Uhr

Die Comic-Zeichnerin Anke Feuchtenberger eröffnet in Neubrandenburg mit einer Lesung ihre Ausstellung mit Werken u.a. inspiriert von der Schriftstellerin Brigitte Reimann.

von Annette Ewen

Eine Lesung aus Comic-Büchern, also Büchern vorwiegend mit Bildern - was sich zunächst komisch anhören mag, funktioniert bei Anke Feuchtenberger gut. So erklärt sie: "Das Erzählerische ist ja meine Arbeit. Es sind immer Bildgeschichten." Ihre Bilder werden bei der Lesung an eine Stellwand projiziert. Die Zeichnerin und Professorin an der Hamburger HAW liest Texte, die sie zu ihren Bildern geschrieben hat.

"Es ist ein sehr fließendes Schauen und Hören. Generell bin ich so eine Art Comic-Zeichnerin und mache grafische Erzählungen. Insofern passt das ganz gut zusammen." Sie trägt aus zwei ihrer Werke vor: "Der Spalt“ und "Ein deutsches Tier im deutschen Wald".

Reimanns "Franziska Linkerhand": Schlüsselerlebnis für Feuchtenberger

Anke Feuchtenberger zeigt Bilder, die aus Zitaten von Brigitte Reimann entstanden sind. Als 15-Jährige las sie den Roman "Franziska Linkerhand" und erinnert sich: "Sie war für mich eine ganz unglaubliche, beeindruckende und prägende Leseerfahrung, als ich noch sehr jung war. Weil sie so viele Probleme, die mir schon in der Zeit auch klar bewusst wurden, in der DDR angesprochen hat und trotzdem, auch immer mit so einem als Utopie-freundlichen oder sehnsüchtigen Unterton verbunden hat, mit den allerpersönlichsten Liebesgeschichten." Das habe ihren Widerspruch und Widerstreit mit dem Leben genau dargestellt, so die gebürtige Berlinerin.

Vom Buchprojekt zur Ausstellung

Brigitte Reimann, Schriftstellerin © dpa - Bildarchiv
Brigitte Reimann lebte von 1968 bis zu ihrem Tod 1973 in Neubrandenburg. Ihr bekanntester Roman ist "Franziska Linkerhand".

40 Jahre später beschäftigte sie sich dann wieder mit Brigitte Reimann für ein Buch namens "In der Erinnerung sieht alles anders aus". Darin finden sich Zitate von Reimann und 26 Werke dazu von Feuchtenberger. Die Künstlerin wollte keine Illustrationen zu den Aphorismen erschaffen. Die Texte sprächen schließlich für sich. "Meine Haltung ist, dass ich gerne eine Art Parallelwelt schaffen wollte, die meine Leseerfahrung widerspiegelt oder auch mein Leben zu der Zeit," sagt Feuchtenberger. "Also wie war es für mich? Was ist mir widerfahren, als ich in dem Alter war, in dem sie das geschrieben hat".

Aus dem Buch ist die Ausstellung entstanden, denn sie findet im Rahmen der Feierlichkeiten zum 50-jährigen Bestehen des Literaturzentrums Neubrandenburg statt. Ihr Sitz ist im Brigitte Reimann-Haus. Dort, wo die Schriftstellerin ihre letzten Lebensjahre verbrachte.

Die Ausstellung in Neubrandenburg heißt wie das Buch "In der Erinnerung sieht alles anders aus". Feuchtenberger zeigt darin auch Werke aus ihren anderen Büchern. Sie wurde 1963 in Berlin geboren. Sie lebt und arbeitet in Hamburg und Vorpommern. Seit 25 Jahren unterrichtet sie an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften in Hamburg Graphisches Erzählen. Feuchtenberger war eine der ersten Frauen, die sich dem Comic und der Graphic Novel zuwendete. Ihre Werke wurden in mehrere Sprachen übersetzt. Die Ausstellung ist bis Januar im Regionalmuseum in Neubrandenburg zu sehen.

Die Schriftstellerin Brigitte Reimann setzte sich in ihren Werken mit der DDR auseinander und erkannte früh die Missstände. In der DDR gehörte sie zu den bekanntesten Autorinnen. Die Frau am Pranger“, „Ankunft im Alltag“ und „Die Geschwister“ gehören zu ihren Erfolgen. Posthum wurde „Franziska Linkerhand“ veröffentlicht. Zu Lebzeiten nannte sie es ihr „erstes und einziges anständiges Buch“. Sie starb 1973 in Neubrandenburg.

Neubrandenburg: Bildgeschichten, inspiriert von Brigitte Reimann

Die Comic-Autorin Anke Feuchtenberger eröffnet in Neubrandenburg mit einer Lesung ihre Ausstellung zu Werken der Schriftstellerin Brigitte Reimann.

Art:
Ausstellung
Datum:
Ende:
Ort:
Regionalmuseum Neubrandenburg
Treptower Straße 38
17033  Neubrandenburg
Öffnungszeiten:
Mittwoch bis Sonntag: 10 Uhr - 17 Uhr
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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | Kulturjournal | 04.11.2021 | 17:20 Uhr