Das Gemälde "Clara" geht auf die Reise  Foto: Axel Seitz

Nashorndame Clara verlässt Museum Schwerin

Stand: 24.11.2021 16:45 Uhr

Es ist das größte Gemälde, das im Staatlichen Museum Schwerin zu sehen ist – das Porträt der Panzernashorndame "Clara". Jetzt hat das Gemälde von Jean-Baptiste Oudry Schwerin verlassen und wird 2022 in Amsterdam zu sehen sein.

von Axel Seitz

Das Staatliche Museum Schwerin ist für rund drei Jahre geschlossen - viele Kunstwerke werden in der Zeit an andere Museen verliehen.

Großer Kraftaufwand und Schwingschutz für ein großes Gemälde

Vier Mann, vier Ecken. Nach diesem einfachen Prinzip lässt sich das Porträt der Nashorndame Clara nicht von der Wand nehmen und schon gar nicht transportieren. Allein die besondere Größe - das Gemälde ist mehr als drei Meter hoch und rund viereinhalb Meter breit - verlangt eine besondere Verpackung. "Wir haben dem Gemälde einen Schwingschutz gegeben", erzählt die Restauratorin Petra Kruse. "Denn wir haben mit einer Ingenieurin die Schwingungen der Leinwand gemessen, um zu sehen, was in der Mitte des Gemäldes passiert."

Und weil es erhebliche Schwingungen gab, bekam das Bild auf der Rückseite diesen Schutz. Der besteht aus Wabenplatten aus säurefreiem Karton sowie einem vier Zentimeter dicken Polyäthylen-Vlies. Die Schweriner Restauratoren wollten, dass "Clara" senkrecht transportiert wird. Für Matthias Szarata war das eine Premiere. Der Kunstinspektor hat jahrzehntelange Erfahrungen beim Transport solcher Kunstwerke: "Obwohl wir bisher bei der Firma Hasenkamp auch schon größere Bilder verladen haben, wurden diese aber meist diagonal transportiert. Um zu vermeiden, dass das Gemälde in der Diagonale durchhängt, haben wir es nun stehend verladen. Und für mich ist das das erste Mal."

So wurde eine extra rund 800 Kilogramm schwere Kiste angefertigt. In diese kam aber nur das Gemälde, der Bilderrahmen von "Clara" wurde zuvor abgenommen, zerlegt und ebenfalls in zwei Kisten verpackt. Bevor das Gemälde mit dem Schwingschutz in die große Kiste verstaut werden konnte, musste das Bild durch mehrere Räume der Schweriner Gemäldegalerie geschoben werden, es passte geradeso quer durch die Türen. Verschraubt und gut verpackt bugsierten die Transportarbeiter dann das Gemälde in der Kiste zunächst noch die große Freitreppe vor dem Museum hinunter und hievten es schließlich in einen klimatisierten Spezial-Transporter.

Schwerin - Los Angeles - Schwerin – und nun Amsterdam

Nun verlässt "Clara" erstmals nach 2008 wieder das Staatliche Museum. Damals war das Porträt der Nashorndame nach einer aufwendigen Restaurierung im Getty Museum von Los Angeles wieder nach Schwerin zurückgekehrt, nachdem das Gemälde zuvor rund 150 Jahre zusammengerollt im Magazin lagerte und dabei schwer beschädigt wurde. "Clara" wird zunächst in einem Zwischenlager aufbewahrt, bevor sie im kommenden Sommer nach Amsterdam weiterreisen wird. Denn das Gemälde ist dann von September 2022 bis Januar 2023 in einer Ausstellung im Rijksmuseum zu sehen.

Dass das die Schweriner Museumsmitarbeiter ermöglicht haben, hat mit dem Umstand zu tun, dass das Gebäude am Alten Garten für umfassende Umbauarbeiten seit Oktober geschlossen ist. "Eine Ausleihe hätten wir sofort ausgeschlossen, wenn wir das Bild nicht sowieso hätten bewegen müssen“, sagt Kurator Gero Seelig. Denn für die Zeit der Baumaßnahmen in Schwerin werden alle Gemälde aus dem Museum ausgelagert. "Das Problem ist ja nicht das Reisen, sondern, das Bild von der Wand zu nehmen. Und so war es die einzige Chance für das Rijksmuseum, das Gemälde zu bekommen. Mit Amsterdam zusammenzuarbeiten und einen Stein bei denen im Brett zu haben, ist ja auch etwas sehr Schönes", sagt Gero Seelig.

In den kommenden Monaten bis zur Eröffnung der Ausstellung in Amsterdam kümmern sich nach wie vor die Schweriner um das Gemälde, betont Petra Kruse: "Wir sind ja die Eigentümer und werden in der Zwischenzeit auch in das Kunstlager fahren und schauen, ob alles so ist, wie wir uns das wünschen. Und wenn dann der Transport in Richtung Amsterdam losgeht, werden wir auch wieder mit dabei sein." Wenn das Staatliche Museum 2024 wieder öffnet, dann sollen, so ist es bislang geplant, ein bis zwei hochwertige Leihgaben des Rijksmuseum – quasi als Dankeschön – in Schwerin ausgestellt werden. Und Clara ist dann auch wieder zu Hause."

Weitere Informationen
Gemälde eines Nashorns in der Seitenansicht. © Staatliche Schlösser Gärten und Kunstsammlungen M-V / Elke Walford

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Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Klassisch in den Tag | 24.11.2021 | 17:20 Uhr