Stand: 04.07.2018 17:33 Uhr

Schweriner Museum zeigt DDR-Kunst

von Axel Seitz

Unter der Überschrift "Hinter dem Horizont" vereint die neue Ausstellung des Staatlichen Museums Schwerin Künstler wie Wolfgang Mattheuer, Sabine Curio, Oscar Manigk und Otto Niemeyer-Holstein. Die Ausstellung zeigt Werke, die in den vier Jahrzehnten der DDR-Existenz entstanden sind und sich mit den Realitäten des Arbeiter- und Bauernstaats auseinandersetzen. Zugleich aber gewähren sie auch Einblicke in Sichtweisen jenseits der staatlich verordneten Vorgaben.

Ein Gemälde mit zwei sich umarmenden Menschen.

Schweriner Museum: Frischer Blick auf DDR-Kunst

Nordmagazin -

Die Ausstellung "Hinter dem Horizont ..." im Staatlichen Museum Schwerin zeigt mit rund 100 Werken das breite Spektrum der DDR-Kunst und soll bestehende Vorbehalte abbauen.

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Vier Rotarmisten sitzen auf einem scheinbar wackligen Brett vor knallrotem Hintergrund. Thomas Ziegler malte diese Porträts Mitte der 80er-Jahre in Schwerin. "Thomas Ziegler hat selbst Kontakt zu einem Soldaten bekommen und konnte dann vier Soldaten über einen Zeitraum von über einen Jahr regelmäßig porträtieren", weiß Deborah Bürgel, eine der beiden Kuratorinnen der Schweriner Ausstellung.

Nachdem das vierteilige Werk dann auf der Kunstausstellung in Dresden gezeigt wurde, kaufte es die Gesellschaft für deutsch-sowjetische Freundschaft. Später wurde es für eine DDR-Kunstausstellung nach Harvard ausgeliehen. "Als die Mauer fiel waren die Werke gerade in den USA und als sie zurückkamen existierte die DDR nicht mehr", schildert Bürgel.

Gattungsübergreifende Sammlungen

In der DDR sammelte das Staatliche Museum Schwerin nicht irgendwelche Kunst jener Zeit, sondern das Haus suchte das Besondere. "Die Schweriner Sammlung hat ein eigenes Profil", berichtet die zweite Kuratorin Kornelia Röder. "Es wurde in der Tradition der historischen Sammlung, die die Herzöge angelegt hatten, gesammelt."

Zivilcourage und Kunstfreiheit

Eines der bekanntesten Gemälde, das seit Jahrzehnten zur Schweriner Sammlung gehört ist das "Schwebende Liebespaar" von Wolfgang Mattheuer. Bereits vor seiner großen Zeit wurde er 1971 in Schwerin ausgestellt. Laut Röder bedankte sich Mattheuer mit einem Brief an den damaligen Kurator Fred Franz dafür, dass auch die politisch kritischen Bilder ausgestellt wurden. "Es gehört auch immer Zivilcourage dazu, solche Bilder zu zeigen", meint Röder.

Das trifft nicht zuletzt auch auf ein Rosa-Luxemburg-Porträt von Heidrun Hegewald zu. Das Bild entstand im Auftrag der Regierung und sollte ursprünglich auf einer Kunstausstellung gezeigt werden, wurde dann aber nicht abgenommen. "Unsere damalige Direktorin wurde dann angerufen und gefragt, ob sie das Bild nehmen würde."

Ein Blick hinter den Horizont

"Die Rosa" von Heidrun Hegewald ist jetzt wieder in Schwerin zu sehen. Ebenso die "Sowjetischen Soldaten" von Thomas Ziegler. Ziegler hatte sich bis zu seinem Tod Ende 2014 vergeblich darum bemüht, dass seine Gemälde in ein Museum kommen. Erst seit 2015 gehören sie zum Landeskunstbesitz Mecklenburg-Vorpommern.

Die Ausstellung "Hinter dem Horizont" dauert bis zum 7. Oktober. Politisch ist die DDR längst verschwunden, doch in Form von vielfältiger Kunst lebt der Arbeiter- und Bauernstaat weiter. Die Schweriner Schau lädt dazu ein, mit dem heutigen historischen Abstand "Hinter den Horizont" zu blicken.

Werke aus der Ausstellung "Hinter dem Horizont"

Schweriner Museum zeigt DDR-Kunst

Die Schweriner Ausstellung "Hinter dem Horizont" zeigt Werke, die in vier Jahrzehnten DDR entstanden sind. Die Bilder geben Einblick in die Sichtweisen jenseits der staatlichen Vorgaben.

Art:
Ausstellung
Datum:
Ende:
Ort:
Staatliches Museum Schwerin
Alter Garten 3
19055  Schwerin
Telefon:
(0385) 595 81 00
E-Mail:
info@museum-schwerin.de
Preis:
8,50 Euro (ermäßigt 6,50 Euro)
Öffnungszeiten:
Dientstag bis Sonntag: 11 bis 18 Uhr
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Dieses Thema im Programm:

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