Monika Bertermann vor einer Röntgenbild-Collage © Hans-Joachim Lautenschläger Foto: Hans-Joachim Lautenschläger

Monika Bertermann macht Kunst aus Röntgenbildern

Stand: 04.04.2021 16:01 Uhr

Für die Künstlerin Monika Bertermann sind Röntgenbilder mehr als nur Hilfsmittel in der Medizin. Sie schafft aus den durchsichtigen Schwarz-Weiß-Hüllen Collagen, Skulpturen und Installationen.

von Beatrice Böse

Monika Bertermanns Kreativität mit alten Röntgenaufnahmen kennt keine Grenzen. Sie stanzt, schreddert, bedruckt, rollt und heftet zusammen. "Die Folie an sich hat ja eine besondere Haptik," erklärt die Künstlerin. "Ich kann sie biegen und auch neu zusammensetzen. Ich zerschneide auch die Röntgenbilder und montiere die einzeln Fragmente zu neuen Bildern und Objekten zusammen."

Das Kunstobjekt "Fell der Mitternachtsonne" von Monika Bertermann. © Bernd Lasdin Foto: Bernd Lasdin
Kunst aus Röntgenbildfragmenten: "Fell der Mitternachtsonne" aus dem Jahr 2018 von Monika Bertermann

Die Neubrandenburgerin zeigt auf eine Computertomographie-Aufnahme eines Schädels: "Sie sehen, dass hier überall Namen stehen. Die muss ich natürlich entfernen und deshalb entstehen diese Ausschnitte, diese Gitterstrukturen." Diese formt die 69-Jährige dann sogar zu Türmen, Tieren oder Kissen. Oft sind die Werke von Monika Bertermann aber eher abstrakt. Folien überlappen sich auf einer Collage, sind wie ein weitmaschiges Netz gespannt, manchmal mit Farbakzenten versehen. Es scheint, als würden sich die Ausschnitte spiegeln. Zunächst habe sie Collagen gemacht, Schnitttechniken ausprobiert, wodurch Bildobjekte und Installationen entstanden.

Faszinierendes Spiel zwischen Hell und Dunkel

In Bertermanns Atelier sind Röntgenaufnahmen von Schädeln oval ausgeschnitten und liegen übereinander wie Schuppen. Folien sind gerollt und nebeneinander drapiert wie Orgelpfeifen. Die Künstlerin Monika Bertermann ist vor allem von dem Spiel zwischen Helligkeit und Dunkelheit der Aufnahmen begeistert. "Das Röntgen ist ja so eine Art Fotografie auf einer zweiseitig beschichteten Folie ," erzählt sie. "Feste Strukturen, wie beim Röntgenbild, bleiben transparent und alles andere ist dunkel. Und ich nutze diese partielle Transparenz als Gestaltungselement. Diese hellen Flächen lassen ähnlich wie bei einer Fensterscheibe den Lichteinfall durch - und das macht dann auch den besonderen Reiz aus."

Der medizinische Aspekt des "Materials" wird durch den künstlerischen ersetzt; Was genau auf den Röntgenbildern zu sehen ist, spielt für Monika Bertermann keine Rolle. "Meistens ist es der Kopf. Durch Unfälle, Schlaganfälle oder Hirnblutungen. Da gibt es sehr viele CTs, aber auch Rücken und Lungen." Am Anfang seien die Aufnahmen mit ungefähr 30x40cm sehr groß. Dies eigne sich sehr gut für Bildmontagen.

Früher Krankenschwester, heute Künstlerin

Röntgenbild-Gitter von Monika Bertermann © NDR Foto: Beatrice Böse
"Ich zerschneide die Röntgenbilder und montiere die einzeln Fragmente zu neuen Bildern und Objekten zusammen," sagt Monika Bertermann über ihren künstlerischen Prozess.

Geboren wurde Monika Bertermann in Thale im Harz. Seit Mitte der 1980er Jahre befasst sie sich intensiv mit Kunst. Anfangs noch autodidaktisch, später dann in Kursen zur Malerei und Grafik. Auch als Mitglied in verschiedenen Künstlerbünden war sie aktiv. Mittlerweile arbeitet sie in ihrem Atelier im Kunstraum der RWN Hallen in Neubrandenburg und hat ihren ganz eigenen Stil entwickelt. Zunächst sei es bei Landschaftsmalerei geblieben, die aber zusehends abstrakter und flächenhafter wurde, bis sie einen Anknüpfungspunkt zu ihrer klinischen Arbeit gefunden habe: das Röntgenbild. "Ich selbst habe viele Jahre lang im Klinikum Neubrandenburg als Krankenschwester gearbeitet und hatte in der Notaufnahme jeden Tag Röntgenbilder in der Hand." erzählt die Künstlerin.

Seit mehr als 20 Jahren verschwindet das analoge Röntgenbild so langsam und wird durch die digitale Technik ersetzt. Trotzdem erhält Monika Bertermann nach wie vor "Bildmaterial" - von Bekannten, Freunden, ehemaligen Kollegen aber auch Unbekannten, die eigene alte Aufnahmen zuhause aufbewahrt haben.

Die Werke von Monika Bertermann sollten im April im Schloss Kummerow gezeigt werden. Die Kabinettausstellung wird wegen der aktuellen Corona-Situation voraussichtlich erst ab dem 01.05.2021 für Publikum zugänglich sein.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | Kulturjournal | 31.03.2021 | 19:00 Uhr