MV: Bei Kulturspaziergängen Erstaunliches entdecken

Stand: 10.03.2021 13:08 Uhr

Park-Landschaften, Herrenhäuser und Spaziergänge auf dem Darß oder in Rostock: Bei Kulturspaziergängen durch Mecklenburg-Vorpommern gibt es neben traumhafter Landschaft Erstaunliches zu entdecken.

In Zeiten des Corona-Lockdowns dürsten viele Menschen nach Kultur. Dabei sind wir umgeben davon, vom Kopfsteinpflaster bis zum Denkmal oder Gutshaus. Was steckt zum Beispiel hinter der "Roten Friedländerin" aus dem kleinen Städtchen im Landkreis Mecklenburgische Seenplatte, welche Wunder werden einer alten Eiche an der Barthe in Vorpommern zugeschrieben oder was haben die französischen Schauspiel-Legenden Yves Montand und Simone Signoret mit dem beschaulichen Born auf dem Darß zu tun?

Karte: Kulturspaziergäng durch Mecklenburg-Vorpommern

Friedland: Kleiner Ort mit großer Geschichte

Die ehemalige Gelehrtenschule Friedland © NDR Foto: Claudia Arlt
Als Konrektor der ehemaligen Gelehrtenschule sorgte Carl Leuschner dafür, dass 1814 ein Turnplatz und der erste und älteste Turnverein Deutschlands gegründet wurden.

Friedland ist heute auf den ersten Blick vielleicht unscheinbar, hat aber eine große Geschichte. Hier wurde die Patriotin Friederike Krüger geboren, die als Mann verkleidet gegen die napoleonischen Truppen in den Krieg zog und zu großem Ruhm kam. Hier lehrte aber auch Carl Leuschner, der den Sport 1814 nach Friedland und in die Region brachte. Er war der Begründer von Deutschlands ältestem Turnverein. Friedland entwickelte sich im 19. Jahrhundert sogar zur bedeutendsten Industriestadt Mecklenburgs.

Die ehemalige Gelehrtenschule Friedland © NDR Foto: Claudia Arlt
AUDIO: Kulturspaziergang: Friedland (5 Min)
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Eine Baumgruppe steht auf einem Hügel auf einem Feld. © NDR Foto: Norbert Brandt aus Neubrandenburg

Wandern in den Helpter- und Brohmer Bergen

Um den höchsten Gipfel Mecklenburg-Vorpommerns zu erklimmen, benötigen Wanderer keine Bergerfahrung. mehr

Ein Mann und eine Frau mit Rucksack blicken auf einen See. © Pilgerweg Mecklenburgische Seenplatte

Pilgern durch die Mecklenburgische Seenplatte

Der "Pilgerweg Mecklenburgische Seenplatte" führt von Friedland nach Mirow - durch den schönen Müritz Nationalpark. mehr

Dreilützow: Ein Herrenhaus als Schullandheim

Dreilützow © NDR Foto: Gritt Kockot
Die Parkanlage mit dazugehöriger 700 Jahre alter Kirche lädt zu einem Spaziergang auf einem Rundweg ein.

Ganz in der Nähe von Wittenburg liegt Dreilützow mit seinem "Schloss", eigentlich ein 300 Jahre altes Guts- oder Herrenhaus. Von 1947 bis zum Ende der 1960er-Jahre zog hier ein katholisches Kinderheim ein. Danach lebten geistig behinderte Kinder und Jugendliche auf dem Gelände. Seit 1995 nutzt die Caritas das ehemalige Herrenhaus und umliegende Gebäude als Schullandheim sowie Bildungs- und Begegnungsstätte. Die riesige, elf Hektar große Parkanlage mit dazugehöriger 700 Jahre alter Kirche lädt zu einem Spaziergang auf einem Rundweg ein.

Das "Schloss" von Dreilützow ist eigentlich ein 300 Jahre altes Guts- oder Herrenhaus. © NDR Foto: Gritt Kockot
AUDIO: Kulturspaziergang: Dreilützow (4 Min)

Auf den Spuren von Gregor Sander durch Rostock

Der Schriftsteller Gregor Sander wurde 1968 in Schwerin geboren. Nach dem Abitur studierte er einige Semester in Rostock. Eine prägende Zeit offenbar, denn in seinen Texten kehrt er regelmäßig zurück in die Hansestadt. Insbesondere die Östliche Altstadt mit der Nikolaikirche und der Petrikirche spielen eine große Rolle, etwa in Sanders aktuellem Roman "Alles richtig gemacht" und in einer Erzählung aus dem Band "Winterfisch". Der Spaziergang beginnt Am Wendländer Schilde. Das ist ein aufgeräumter kleiner Platz, frisch saniert, an seiner östlichen Seite begrenzt durch die massive Nikolaikirche. Was heute wie eine edle Vorzeigegegend wirkt, sah in den 1980er-Jahren und bis weit in die 1990er-Jahre ganz anders aus.

Die Rostocker Petrikirche © NDR Foto: Andreas Hallier aus Bad Doberan
AUDIO: Kulturspaziergänge: Gregor Sander und Rostock (5 Min)
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Giebelhäuser am Markt und die Marienkirche in Rostock © imago/allOver-MEV

Rostock: Tradition trifft Moderne

Die Altstadt, der Hafen und das Ostseebad Warnemünde prägen Rostock ebenso wie Bauten aus der DDR-Zeit. Lebensader der größten Stadt Mecklenburg-Vorpommerns ist die Warnow. mehr

Unterwegs auf der Borner Kulturstraat

Ein Mann tanzt mit einem Gerippe. Er hat einen Malerkittel an und eine Pfeife im Mund. Um ihn herum ländliche Szenerie. Eine Zeichnung von Max Lingner. Mitbegründer der Berliner Akademie der Künste. Die Zeichnung ist an einer braunen Buhnenstele angebracht. "Uns Dörp" prangt in weißen Buchstaben darüber - willkommen auf der Kulturstraat in Born. Holger Becker und Katharina Mau haben mittlerweile 29 solcher Stelen gestaltet. "Viele kennen Born nur als Kapitäns- und Fischerörtchen", sagt Holger Becker. "Dabei haben sich hier sogar weltberühmte Künstler aufgehalten." So wie Max Lingner. Von 1919 bis 1922 hat er in Born gewohnt und gearbeitet. Dann zog es ihn wieder in die weite Welt - nach Paris. Er entwarf Titelblätter für die Zeitschrift "Le Monde", war für die künstlerische Gestaltung des Blattes verantwortlich. Später lehrte er an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee. Noch heute hängt ein monumentales Werk von ihm im Bundesfinanzministerium.

Holger Becker und Katharina Mau sind voller Geschichten. Der 65-jährige hat schon mit elf Jahren angefangen, alles über seine Heimat Born zu sammeln, was er finden konnte. 2009 hat er die Kulturstraat ins Leben gerufen und wird seit einigen Jahren von Katharina Mau unterstützt.

Holger Becker und Katharina Mau haben 29 Stelen an der Borner Kulturstraat gestaltet. © NDR Foto: Kathrin Klein
AUDIO: Kulturspaziergang: Unterwegs auf der Borner Kulturstraat (5 Min)

Auf dem Greifenweg entlang der Barthe

Das Brunnenhäuschen und die Marienkirche von Kenz. © NDR Foto: Juliane Voigt
Der Pilgerweg führt unter anderem vorbei an der Marienkirche von Kenz und ihrem Brunnenhäuschen.

Viele Pilgerwege führen nach Rom. Einer beginnt sogar in Vorpommern. In dem kleinen Fischerort Bodstedt am Bodstedter Bodden. Fast schon im Schilfgürtel steht die Pilgerkapelle des Heiligen St. Ewald aus dem 13. Jahrhundert. Dort beginnt ein 70 Kilometer langer Pilgerweg, an dessen Wegesrand solche Heilsversprechen wie der Kenzer Gesundbrunnen oder die Barther Wundereiche liegen. Der Weg führt auf schmalen Pfaden und Spazierwegen idyllisch durch eine einzigartige Kulturlandschaft voller Geschichte und Geschichten. Vorbei an der Wasserburg Divitz, den Rauen Bergen des Raubritters Alkun und dem Pfarrgarten Starkow. Duch Wälder, in denen noch pommersche Schreiadler leben und Auen des kleinen Flüsschens Barthe, die die pommerschen Herzogssitzen Barth und Franzburg verbindet.

Greifenweg entlang der Barthe © NDR Foto: Juliane Voigt
AUDIO: Kulturspaziergang: Auf dem Greifenweg entlang der Barthe (5 Min)

Woldegk: Entlang an Windmühlen

Mühlenwart Roland Stapel vor der Museumsmühle. Das Dach, die sogenannte Haube, ist noch heute mit viel Kraftanwendung drehbar. © NDR Foto: Beatrice Böse
Die Museumsmühle ist eine der Mühlen, die es zu entdecken gibt. Das Dach, die sogenannte Haube, ist noch heute mit viel Kraftanwendung drehbar.

Woldegk am Rande der Mecklenburgischen Seenplatte trägt nicht umsonst den Namen Windmühlenstadt. Die erste Bockwindmühle wurde Ende des 16. Jahrhunderts auf dem Mühlenberg gebaut. Insgesamt sind über die Jahre zehn dieser Bauwerke in der Kleinstadt entstanden. Heute kommen auf fast 5.000 Einwohner fünf erhaltene Mühlen - im ganzen Norden ein einzigartiges Merkmal. Über Generationen hinweg haben die Woldegker sich um die imposanten Bauten gekümmert. Auf dem Mühlenberg befinden sich drei Mühlen: das Mühlencafé mit Gaststätte sowie die Ehlertsche und die Museumsmühle, in denen der Mühlenwart Roland Stapel Interessantes zur Geschichte und Technik der Bauwerke erzählt. Dort beginnt der Spaziergang, führt durch das beschauliche Stadtzentrum weiter zur Gotteskampmühle. Sie ist als einzige bewohnt und trägt wegen ihrer roten Farbe den Spitznamen "Moulin Rouge". Zum Abschluss geht es zur Fröhlcke Mühle direkt an der belebten B104. Sie ist mit 28 Metern die größte des Woldegker Mühlenensembles und gehört zum Privatbesitz der gleichnamigen Familie Fröhlcke.

AUDIO: Woldegk: Entlang an Windmühlen (4 Min)

Ribnitz: Auf den Spuren des Malers Lyonel Feininger

Gabi Raskop an einer der zehn Stelen auf dem Feininger Rundweg. © NDR Foto: Kathrin Klein
Zehn Stelen sind auf dem Feininger-Rundweg zu entdecken.

Als der Maler Lyonel Feininger im Sommer 1905 zum ersten Mal Ribnitz und Damgarten in Vorpommern besucht, steht er noch am Anfang seiner künstlerischen Karriere. Er arbeitet als Karikaturist für deutsche, französische und amerikanische Zeitschriften. Später erlangt er als Expressionist und Bauhauskünstler Weltruhm - und mit ihm einige Motive aus Ribnitz. Zu entdecken sind sie auf dem Feininger-Rundweg quer durch die Stadt am Bodden. Zehn Stelen haben Gabi Raskop und die Mitglieder des Kunstvereins Ribnitz-Damgarten e.V. in der Bernsteinstadt entworfen und installieren lassen. Alle prismaförmig mit einer Art Guckloch. "Schaut man hindurch, hat man den Blick auf ein Motiv Feiningers", erzählt Gabi Raskop begeistert. "Vor mehr als 100 Jahren hat er genau an dieser Stelle gestanden, das Kloster gezeichnet, Straßenzüge, den Kirchturm. Licht und Schatten wechseln sich ab. Mal ganz weich gezeichnet, mal mit dem spitzen Bleistift." Ausgangspunkt für den Kunstspaziergang ist die Galerie im Kloster. Hier gibt es auch ein hochwertiges Begleitheft zum Spaziergang mit allen Standpunkten der Stelen. Etwa zwei Stunden dauert der Feininger-Rundgang - vorbei am Klarissenkloster, an der Stadtmauer, an der Hafenmeile und durch viele kleine, schön restaurierte Gassen.

Start des Feininger-Rundganges ist an der Galerie am Kloster Ribnitz. © NDR Foto: Kathrin Klein
AUDIO: Ribnitz: Auf den Spuren des Malers Lyonel Feininger (4 Min)

Rothen: Ein Gutshaus als Ort der Kultur

Christa Bölkow ist in Rothen groß geworden.
Christa Bölkow ist in Rothen groß geworden und kennt noch die angsteinflößenden Geschichten früherer Generationen.

Nur 50 Seelen - aber Kultur vom Feinsten. Eingebettet in die sanften Hügel der Sternberger Seenlandschaft, am Flüsschen Mildenitz gelegen, entzückt schon die Anfahrt über eine Kastanienallee mit historischem Kopfsteinpflaster. Schwarze Schafe blöken am Straßenrand. Der Fotograf Christian von Lehsten hat zusammen mit seiner Frau das 220 Jahre alte Rothener Gutshaus zum Ort der Kultur gestaltet. Gerne öffnet das Paar das Haus für Konzerte oder Ausstellungen. Und die Rothener lieben Kultur! Heute leben vor allem Zugezogene in dem Dorf. Christa Bölkow ist da eher die Ausnahme, sie ist in Rothen groß geworden, kennt noch die angsteinflößenden Geschichten früherer Generationen, zum Beispiel vom Mann mit dem großen Kopf, der am Igel, dem Wehr der Rothener Mühle, bei Nebel aufgetaucht sein soll. Heute ist die Mühle eine Kunstgalerie. Der Spaziergang mit Christian von Lehsten und Christa Bölkow führt über den Gutspark mit alten Baumbeständen zum romantischen Rothener See, wo Eisvögel und Reiher zu beobachten sind. Und überall finden sich riesige Metallskulpturen von Takwe Kaenders. Sie hat Ihr Atelier, wie andere Künstler und Kunsthandwerker im ehemaligen Kuhstall der Gutsanlage.

Der Fotograf Christian von Lehsten hat zusammen mit seiner Frau das 220 Jahre alte Rothener Gutshaus zum Ort der Kultur gestaltet.
AUDIO: Rothen: Ein Gutshaus als Ort der Kultur (5 Min)

Neustrelitz: Auf den Spuren von Annalise Wagner

Annalise Wagner © NDR Foto: Kathrin Matern
Annaliese Wagner war eine Neustrelitzer Heimatforscherin.

Seit 30 Jahren verleiht die Annalise-Wagner-Stiftung alljährlich den gleichnamigen Preis, benannt nach der Heimatforscherin und Schriftstellerin Annalise Wagner. Wer diese Frau war und wie sie zur Heimatforscherin geworden ist, können Interessierte auf einem nur einige Hundert Meter langen Spaziergang in Neustrelitz erkunden. In der Schlossstraße wohnte Annaliese Wagner, und dort begründete sie auch das Karbe-Wagner-Archiv, eine Sammlung aus ihren Beständen sowie dem Nachlass des Heimatforschers und Bibliothekars Walter Karbe, das heute Teil des Kulturquartiers Mecklenburg-Strelitz ist.

In der Schlossstraße kann man auf den Spuren von Annalise Wagner wandern. © NDR Foto: Kathrin Matern
AUDIO: Neustrelitz: Auf den Spuren von Annalise Wagner (6 Min)

Kulturspaziergänge in Mecklenburg-Vorpommern

Das Kulturjournal von NDR 1 Radio MV berichtet von Montag, 1. März, an immer um 19 Uhr über die Kulturspaziergänge durch Mecklenburg-Vorpommern:

Montag, 1. März: Friedland
Dienstag, 2. März: Dreilützow
Mittwoch, 3. März: Auf Gregor Sanders Spuren durch Rostock
Donnerstag, 4. März: Die Kulturstraat in Born
Freitag, 5. März: Auf dem Greifenweg entlang der Barthe

Montag, 8. März: Die Woldegker Mühlen
Dienstag, 9. März: Feininger in Ribnitz
Mittwoch, 10.März: Kulturdorf Rothen
Donnerstag, 11. März: Annalise Wagner in Neustrelitz

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | Kunstkaten | 28.02.2021 | 19:05 Uhr