Framespotting in Grabow © Thomas Naedler/ NDR.de Foto: Thomas Naedler

Kunstaktion in Grabow: "Framespotting" verschenkt Fotografien

Stand: 16.05.2022 15:14 Uhr

Ein Hamburger Künstler mit dem Pseudonym Framespotting verschenkt seine gerahmten Fotos von der Welt in den Innenstädten - ohne Gegenleistung. Das birgt Potenzial für eine Kunstaktion.

von Thomas Naedler

Ein Fachwerkhaus leuchtend grün. Es hat drei Etagen und zehn Fenster, deren Rahmen weiß sind. Das Dach im Bild ist angeschnitten. So sieht das erste Foto aus, dass an diesem Tag in Grabow auf einen Finder wartet. Es ist auffällig gerahmt, hinter Glas und mit doppelseitigem Klebeband befestigt. "Ich musste ja auch überlegen, wie mache ich die Bilder an," erzählt der Künstler. "Man weiß ja nicht, wie lange bleiben Sie hängen? Die müssen auch irgendwie wetterfest bleiben. So als klebe ich die ab, so dass kein Wasser reinläuft. Das Holz ist resistent genug und der Kleber funktioniert."

Zwischen Elde und alter Elde streifen wir durch die Grabower Innenstadt. Um 9 Uhr in der Früh sind die drei Kunstaktionisten aus dem Kombi gestiegen, fünf Fotos im Rucksack. Wir nennen sie einfach Peter, Sandra und ihre Tochter, die kleine Komplizin in Rock und Turnschuhen: Lena. Wie sie wirklich heißen, was sie beruflich machen und wie alt sie sind, das soll keiner wissen, sagt Peter: "Du hast mein Bild gefunden. Du darfst es behalten, einfach so. Es ist ein Geschenk an dich - das ist die Idee. Das ist die Kunst. Alles, was ich mir dafür wünsche ist, dass Du ein Foto von deinem Bild an der Location machst, wo du es gefunden hast. Und es bei Instagram unter "Framepotting_HH" teilst.

Aufträge für Kunstaktion von öffentlicher Hand

Um das zweite Bild aufzuhängen, gehen wir am Wohnmobilstellplatz an der Elde vorbei, dahin, wo in der Kirchenstraße zwischen backsteinernen Industriegebäuden das alte Grabow in Trümmern liegt: verrottete Türen, zerstörtes Fachwerk. Lena, die kleine Komplizin, hängt hier das Foto auf. Es zeigt eine Bank vor einem tadellos ordentlichen Backsteinhaus, den Rahmen hat sie bunt bemalt: "Ich mal für Papa auch so Mandala aus. Und die fotografiert er dann und hängt sie dann auf."

Wir gehen ein paar Schritte um eine alte Industriemühle. Da wo ein Wehr das Wasser der alten Elde aufstaut, durch einen kleinen Weg parallel zum Fluss, vorbei am herausgeputzten Gebäuden einer Bank, einem Schaufenster mit Trödel zur alten Brauerei. "Dann kam irgendwann der Moment, dass eine Stadt auf mich zukam und mich fragte, ob ich das für die Stadt machen könnte, weil nach Corona im Moment in den Innenstädten nicht so viel los ist."

Auftrag für die Kunstaktion kommt von der Stadt Grabow

Es passiert immer häufiger, dass aus der kleinen Kunstaktion des Trios ein Auftrag wird: In diesem Fall hat die Stadt Grabow Peter und Familie eingeladen, zum Tag der Städtebauförderung Bilder aufzuhängen. Die Stadt trägt auch die Kosten: "Ich wurde am Bahnhof direkt von der Bürgermeisterin und das Sekretärin in Empfang genommen und wir haben dann einen schönen Stadtrundgang gemacht. So hab ich auch gesehen wo was ist und ein bisschen die Geschichte hinter den Gebäuden und so weiter. Das fand ich ganz spannend. Dann bin ich aber selber nachmal losgegangen und habe meine Bilder gemacht - ganz in Ruhe."

Das vorletzte Bild klebt Peter an den Sockel eines kleinen Denkmals an einer Hubbrücke. Das letzte bleibt für einen Termin, etwas später mit einer Reporterin der Lokalzeitung, vorerst im Rucksack. Eine Stunde nachdem wir unseren konspirativen Spaziergang begonnen haben, beginnt ein geführter Rundgang, bei dem die Verantwortlichen der Stadt zeigen wollen, wie viele Gebäude der Innenstadt schon saniert wurden. Auf dem Instagram-Account der Stadt sehe ich am Montag die Gesichter derer, die nun eines von Peters Fotos besitzen. Sie schauen fröhlich in die Kamera und zeigen ihr Foto - ein Geschenk von einem Fremden.

 

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | Kulturjournal | 16.05.2022 | 19:00 Uhr

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