Stand: 11.06.2018 14:50 Uhr

Greifswalderin Sarah Fischer gewinnt Kunstpreis

von Steffi Schwabbauer

Der "Kunstpreis der mecklenburgischen Versicherung" ist mit 10.000 Euro eine der höchstdotierten Auszeichnungen für Künstler im Land. Dafür können sich Künstler nicht bewerben. Eine Jury wählt sie aus, reist durch Ateliers und Ausstellungen in Mecklenburg-Vorpommern und sucht nach geeigneten Kandidaten, die ihre Arbeiten dann gemeinsam in der Kunstsammlung Neubrandenburg ausstellen. Zur Eröffnung wird traditionell der Kunstpreis verliehen. Und er geht in diesem Jahr an die Fotografin und Zeichnerin Sarah Fischer.

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Sarah Fischer wurde 1988 in Bad Dürkheim in Rheinland-Pfalz geboren.

Irritiert, unsicher, ungläubig - Sarah Fischer ist sichtlich überrascht, als ihr Name verkündet wurde. "Ich soll jetzt nach vorn kommen?", fragen ihre Augen und Hände. Dabei fühle sie sich doch schon ausgezeichnet, weil sie zu den Nominierten gehört habe, erklärt sie bei der anschließenden Feier.

Glühbirnen auf Papier

Was sie macht, ist Zeichnen: auf Papier, mit Kohle, mit Bleistift. Was sie zeichnet, sind Alltagsgegenstände: eine Glühbirne, ein Radio, eine Kulturtasche, Technik-Kabel zu einer Kugel gewickelt. Gern ergänzt durch Fantasie-Formen, eine Stadtsilhouette oder Pflanzen. In ihren Collagen dann kombiniert sie Zeichnungen von Stühlen und Autos mit breiten Spuren schwarzer Buchdruckfarbe.

Die Leiterin der Kunstsammlung Neubrandenburg, Merete Cobarg, gehörte zur Jury - und ist begeistert: "Einerseits denkt man beim Handzeichnungsmedium immer: Ach, eigentlich ist doch schon fast alles gesagt. Und dann stellt man fest, dann kommen wieder neue Leute mit einem neuen Blick. Und das find' ich so faszinierend, dass sie da wieder neue Sachen hat, sehr präzise arbeitet, dass sie eben - auch wenn sie noch relativ jung ist - ganz klar weiß, was sie will, dass sie sich nicht verzettelt, sondern wirklich konzentriert eben reduziert und das eben sehr konsequent - und das fanden wir dann doch am Ende faszinierend und eben eine ganz klare, gute künstlerische Haltung."

Bildende Kunst statt Kunstgeschichte

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"Standortverlagerung" - Sarah Fischer

Sarah Fischer ist 30 Jahre alt, lebt und arbeitet in Greifswald. Für das Studium zog sie vor zehn Jahren in die Stadt. Zunächst studiert sie Skandinavistik und Kunstgeschichte - aber das war zu theoretisch. Schließlich studiert sie also: Skandinavistik und Bildende Kunst - da konnte sie sich ausprobieren, mit Techniken experimentieren. Fotografie und Zeichnen wurden ihre Ausdrucksmittel, wobei sie mit der Kamera eher die Vorlagen sucht und festhält, die sie dann aufs Papier bringt.

"Es sind keine spontanen Bildkompositionen, also es nimmt viel Zeit in Anspruch, diese Arbeitsweise", erklärt Fischer und ergänzt: "Aber ich habe festgestellt, dass mir das liegt und ja, ich mag eben feine Linien, deswegen sind meine Zeichnungen oft sehr linear und eben auch sehr gegenständlich bis jetzt noch. Bin ich mal gespannt, wie sich das so weiterentwickelt."

Wie so viele ihrer Kollegen kann auch Sarah Fischer nicht von ihrer Kunst allein leben. Deshalb arbeitet sie seit ihrem Master-Abschluss vor einem Jahr in einer Nähwerkstatt in Greifswald. Die halbe Stelle als Projektleiterin sichert ihr täglich Brot und die Miete. Das Preisgeld von 10.000 Euro soll ihr als finanzielles Polster dienen, sagt sie. Aber sie will sich gern auch einen Atelierplatz einrichten, mit einem neuen Arbeitstisch.

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Klassisch unterwegs | 11.06.2018 | 18:20 Uhr

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