Stand: 10.04.2018 10:59 Uhr

So stehen die Parteien zum Begriff Heimat

von Anja Günther

Erstmals gibt es in Deutschland mit Horst Seehofer (CSU) einen Heimatminister. Aber wofür steht der Begriff Heimat eigentlich? Und was verstehen die Bundesparteien darunter? Ein Überblick.

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Jörg Meuthen nach seiner erneuten Wahl zum AfD-Parteivorsitzenden in Hannover im Dezember 2017.

Plötzlich war das Thema Heimat angesagt. "Dein Land. Deine Heimat. Hol sie Dir zurück" - so ein AfD-Wahlkampfslogan im Jahr 2017. Das Thema stand damit auch auf der bundespolitischen Agenda. Aber ist es eigentlich Aufgabe der Politik, den Heimatbegriff mit Leben zu füllen? Ja, findet AfD-Parteichef Jörg Meuthen: "Ich rufe es, so laut ich es nur kann: Dieses Land, Deutschland, ist unser Land."

CSU will Deutungshoheit nicht einer Partei überlassen

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Horst Seehofer bei der Überreichung seiner Ernennungsurkunde zum Bundesinnenminister durch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier.

In ihrem Wahlprogramm bekennt sich die AfD zur deutschen Leitkultur und lehnt Multi-Kulti ab. Der Heimatbegriff, gewählt als Abgrenzung gegenüber Fremden? Dieses Heimat-Verständnis der AfD polarisiert. Vor allem die CSU will beim Thema Heimat die Deutungshoheit nicht einer einzelnen Partei überlassen. Seit 2014 ist in Bayern der Finanzminister auch für Heimat zuständig. Auf Bundesebene ist es jetzt der Innenminister, Horst Seehofer: "Ich habe das Heimatmuseum, äh, nein, das Heimatministerium." Das war nur ein Versprecher des CSU-Politikers - tatsächlich muss sich ein Bundesinnenminister, der auch für Bauen und Heimat zuständig ist, um einiges kümmern: den Breitbandausbau, die Landesentwicklung, um gleichwertige Lebensverhältnisse.

Heimat ist aber noch so manches mehr, meint Seehofer: "Das sind die Bräuche, das ist die Kultur, die religiöse Einstellung, das Ehrenamt, das die Menschen ausüben. Wo der Zusammenhalt stattfindet der Bevölkerung. Das ist Heimat."

FDP sieht anderes Ressort als zukunftsweisender

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Aus Sicht des FDP-Chefs Christian Lindner wäre es gut, wenn es auch ein Digitalisierungsministerium gäbe.

Die FDP sieht die ganze Sache eher nüchtern. Aus Sicht von FDP-Chef Christian Lindner wäre zukunftsweisender gewesen, ein anderes neues Bundesressort zu schaffen. "Ich gönne der CSU ein Heimatministerium", sagt Lindner. "Aber gut wäre es, es gäbe auch ein Digitalisierungsministerium. Denn nach meiner Auffassung ist insbesondere in dem Bereich mehr Dynamik erforderlich."

SPD und Linke fremdeln mit dem Heimatbegriff

Heimat, das ist aus Sicht vieler Sozialdemokraten eher ein Gefühl, ein Wir-Gefühl, aus dem wiederum Solidarität und Verantwortung füreinander entstehen. In der SPD wird der Heimatbegriff nicht sehr häufig bemüht.

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Linken-Politiker André Hahn denkt beim Begriff Heimat vor allem an Natur.

Auch die Linke fremdelt eher damit. Das mag auch daran liegen, dass es die Heimat vieler Linken-Politiker, die DDR, nicht mehr gibt. Der Linken-Bundestagsabgeordnete André Hahn ist in Ost-Berlin geboren. Denkt er an Heimat, denkt er vor allem an Natur und zitiert aus einem alten DDR-Kinderlied: "Unsere Heimat, das sind nicht nur die Städte und Dörfer. Unsere Heimat sind auch all die Bäume im Wald. Und die Tiere der Erde. Wir lieben die Heimat, die Schöne, und wir schützen sie, weil sie dem Volke gehört."

Grüne sind bei Heimat-Begriff gespalten

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Grünen-Politiker Konstantin von Notz regt an, über den Heimat-Begriff diskutieren.

Die Grünen sind da gespalten. Die einen finden, dass allein der Begriff Heimat ausgrenzend ist. Der Grünen-Bundestagsabgeordnete Konstantin von Notz dagegen sagt: "Lasst uns darüber diskutieren" - und fügt erklärend hinzu: "Die Frage ist eben: Welche Voraussetzungen muss der Staat schaffen, damit Menschen Heimat finden, Heimat empfinden können?"

CDU: "Heimat ist für alle da"

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Zur Heimat gehören laut Kanzlerin Angela Merkel (CDU) auch Arbeit und ein Auskommen.

Die Antwort auf diese Frage ist aus Sicht der CDU-Bundesvorsitzenden und Kanzlerin Angela Merkel eindeutig. "Ich habe meine Vorstellungen von Heimat", sagt sie. "Das soll ein guter Ort für die Menschen sein, die hier in Deutschland wohnen, damit sie ihr Leben gut führen können. Dazu gehört Arbeit, dazu gehört ein Auskommen." Möglicherweise bleibt am Ende die Aussage von Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) die am ehesten allgemeingültige: "Heimat ist für alle da."

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Der Ort, wo man geboren ist, Menschen, die man liebt, die Sprache - Heimat hat viele Facetten. Der Begriff dient aber auch dazu, Fremde auszugrenzen. Was bedeutet Heimat für Sie? mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Kultur | 10.04.2018 | 15:55 Uhr