Stand: 08.03.2019 14:44 Uhr

Ihre Meinung: Brauchen wir eine Frauenquote?

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"Männer und Frauen sind gleichberechtigt" steht in Artikel 3, Absatz 2 des deutschen Grundgesetzes.

Die Gleichberechtigung zwischen Männern und Frauen steht seit fast 70 Jahren im deutschen Grundgesetz, doch die Realität sieht anders aus. Weder in der Politik noch in der Wirtschaft oder Wissenschaft sind Frauen gleichberechtigt in den Führungsetagen vertreten. Trotz politischer Bemühungen und Quoten ist der Frauenanteil in Führungspositionen in Deutschland sogar leicht gesunken, so eine Studie des Weltwirtschaftsforums (WEF). Nach Einschätzungen der Forscher wird es noch 200 Jahre dauern, bis Frauen und Männer weltweit am Arbeitsplatz gleichberechtigt sind.

Was denken Sie?

Brauchen wir eine Frauenquote? Bringt sie etwas? Oder ist eine Frauenquote nicht geeignet, den Anteil an Frauen in den unterschiedlichen Bereichen zu erhöhen? Hier sind einige Ihrer Zuschriften zum Thema:

  • Karin Stellmacher, Handewitt

    Wir brauchen unbedingt eine Frauenquote. Wir leben nach wie vor in einer männlichen geprägten Gesellschaft. Männer haben seit Jahrtausenden von Jahren gelernt, sich in Männerbünden zu organisieren und Frauen aus ihren Kreisen fern zu halten. Männer haben eine besondere Art, zu kommunizieren und sich gegenseitig zu helfen. Diese Fähigkeit zu netzwerken haben Männer den Frauen - noch immer - voraus. Es geht um Macht und Machterhalt. Männer helfen sich gegenseitig, auch über Interessengruppen hinweg. Sie wissen, sie können auf die Solidarität ihres eigenen Geschlechts vertrauen. Frauen haben meist den Anspruch, mit Leistung überzeugen zu wollen, Männer sind eh davon überzeugt, alles zu können. Dabei geht es sehr oft nur darum, die richtigen Beziehungen zu haben, um an die entsprechende Position zu kommen. Und ist Mann erst einmal oben, bleibt er oben, auch wenn er nur Mittelmaß ist, denn seinesgleichen schützt sich, selbst wenn man miteinander konkurriert. Wenn Frau eine herausragende Position erreicht, wird sie kritisch beäugt und meist sehr viel härter beurteilt, als ein Mann. Männer wären nie so dumm, sich gegen eine Männerquote auszusprechen, fordern aber schnell eine solche, wenn die Frauenquote mal wieder diskutiert wird.

    In der Überzeichnung liegt die Anschauung, in diesem Sinne ist das Vorstehende geschrieben.

  • Hanna Leinemann, Kiel

    Solange Männer den Frauen vorgezogen werden, auch durch immer noch bestehende Männerklüngelei, jede gesetzliche, auch grundgesetzliche Aussage nichts nützt und vor allem bei besserer Ausbildung der Frau noch nicht einmal gleicher Lohn gezahlt wird, wird leider eine Frauenquote gebraucht. Der Mann ist eben nicht mehr alleiniger Ernährer der Familie, die Frau ist es in gleicher Weise und - leider, leider - bei Alleinerziehenden mit Kindern in eklatanter Weise häufiger vertreten als Männer, die sich dann auch noch bei Unterhaltsbeiträgen drücken, ganz abgesehen von der Hausarbeit und familiären Pflege. Soweit pauschal; individuell haben Veränderungen stattgefunden, und ich bitte alle diese Männer, die längst verstanden haben, dass Männer/Frauen/Kinder gleichberechtigte Menschen sind, den steten Tropfen miteinzubringen, damit endlich gleiche Rechte und Pflichten Wirklichkeit werden.

  • Gilbert Brands, Krummhörn

    Ich hatte in meinem Unternehmen (IT-Branche) mehr Mitarbeiterinnen als Mitarbeiter aus dem einfachen Grund, weil sie äußerst qualifiziert waren. Ich konnte meine Mädels auch alleine auf eine Zeche schicken, um eine Anlage einzurichten, weil sie sich auch bei Bergleuten problemlos Respekt verschafften. Das war vor 30 Jahren - heute gibt es schon jede Menge Ärger beim Begriff "meine Mädels".

    Nein, wir brauchen keine Quote. Die Qualifikation muss reichen, und wenn gleiche Qualifikationen vorliegen, sollte das Los entscheiden. Oder wir machen überall Quoten: Verkehrssünder dürfen nur abwechselnd nach Geschlecht angehalten werden, es müssen genauso viele Frauen wie Männer im Knast sitzen und in den Nachrichten heißt es dann "Steuerhinterzieherinnen und Steuerhinterzieher" usw. Komischerweise schreit da keine(r) nach einer Quote.

  • Marion Vina, Göttingen

    Solange wir noch über Sinn und vermeintlichen Unsinn einer "Frauenquote" diskutieren und diese begründen müssen, scheint eine wahrhaftige Gleichberechtigung zwischen Frauen und Männern nicht in Sicht. Ob eine Frauenquote die existente Kluft zwischen den Geschlechtern bei der paritätischen Arbeitsplatzvergabe schließt, wage ich zu bezweifeln. Dennoch sollte diese Maßnahme zur gerechteren Jobverteilung zwischen Frauen und Männern eine nachhaltige Basis bereiten.

  • Nicola Tiling, Scharbeutz

    Ich arbeite in einem Unternehmen das kürzlich von einem japanischen Elektronik Riesen übernommen wurde. Bei dem zugehörigen Festakt waren zu 98 Prozent Männer anwesend. Das Management in Deutschland besteht zu 100 Prozent aus Männern, das in Europa zu 95 Prozent. Also was für eine Frage. Dabei geht es nicht um Chancengleichheit auf dem Papier und vor dem Gesetz. Neben der Durchsetzung gleicher Bezahlung geht es vornehmlich um Diskurse und Räume, die besetzt werden müssen. Um Männerklüngel, die sich selber genug sind und kulturell reproduzieren. Es geht darum Keile in männlich konnotierte Bereiche zu treiben. Machträume müssen weiter geöffnet werden, um Frauen zu ermutigen diese zu betreten. Auch mit einer Quote, genauso wie mit Förderungen z.B. in IT-Berufen. Die Kraft und die Sprache der Frauen gehört ins Unternehmensmanagement und in die Politik; sie sollte sichtbar in Computerprogrammen genauso wie auf dem Fußballplatz sein. Und der Mann sollte im Bereich der Fürsorge, im Kindergarten, im Altenheim und im privaten Haushalt seine Kompetenzen entwickeln können. Davon würden alle Menschen profitieren.

  • Erik Berger, Eckernförde

    Generell sollte nichts im Wege liegen, dass ein ausgeglichenes Verhältnis von Mann und Frau in Berufen und Ämtern möglich ist (man sollte hier keine absoluten Zahlen fordern, denn das wäre absolut unnatürlich). Allerdings frage ich mich, warum alles mit einer "Quote" geregelt werden soll. Es gibt Berufe und Ämter, die eher das eine oder das andere Geschlecht ansprechen - soll man da dann mit dem Hammer dazwischenschlagen und sagen - Nein, hier müssen wir genau einen 50 Prozent Männer- und genau 50 Prozent Frauenanteil erreichen? Was ist z. B. mit Kindergärten? Arbeiten dort 50 Prozent Männer? Nein. Das wäre vielleicht gut, auch pädagogisch gesehen, aber so ist es nicht. Wohl nicht, weil die Frauen, die dort arbeiten, es nicht zuließen, sondern wahrscheinlich deshalb, weil weniger Männer daran interessiert sind. Umgekehrt - soll man nun auf "Teufelkommraus" eine Quote bei Berufen wie Zimmermann, Maurer, Elektriker, Müllabfuhr, Bundeswehr etc. einführen? Mann und Frau sind unterschiedlich. Das sollten alle Menschen, die Quoten fordern, aber dabei viele Berufe und Ämter außenvorlassen, nicht vergessen. Und ich meine, dass es gut ist und eine Bereicherung für die Menschheit, dass Frauen und Männer unterschiedlich sind :)

  • Angelika Kirchner, Hamburg

    Was für ein Unsinn, da wird schon gleich die nächste Ungerechtigkeit geschaffen: Frauen werden nur aufgrund des Geschlechtes bevorzugt, um die Quote zu erfüllen - absoluter Blödsinn, es sollte geschlechtsneutral rein nach Qualifikation aus Bewerber/innen ausgewählt werden. Übrigens ICH BIN eine Frau, aber ich würde nicht in die zweifelhafte "Ehre" kommen wollen, nur aufgrund meines Geschlechtes für einen Job oder eine Position ausgewählt zu werden, wäre mir einfach peinlich!

  • Mathias Müller, Elmshorn

    Meiner Meinung nach doktert die Frauenquote am Symptom, statt die Ursache zu bekämpfen. Wenn es wirklich zu einer Diskriminierung auf Grund des Geschlechts kommt, so muss diese bekämpft werden. Ansonsten muss geschaut werden, welche Ursache der Geschlechterverteilung zu Grunde liegt.

    Ich sehe ein Risiko, dass eine Frauenquote zu Diskriminierung führt, wenn nämlich eine Frau eingestellt wird, um die Quote zu erfüllen, statt einen besser qualifizierten Mann. Aber denken wir die Quote mal konsequent zu Ende und verbieten das Rosinen picken - Geschlechterquote 50:50 in ALLEN Berufen. 50% Männer als Betreuer im Kindergarten, 50% Frauen bei der Müllabfuhr, 50 Prozent Männer im Kosmetikstudio, 50 Prozent Frauen bei den Kanalarbeitern usw.

  • Susanne Hagemann, Schleswig

    Selbstverständlich brauchen wir eine Frauenquote - wie sonst könnte die real existierende, wenn auch inoffizielle Männerquote ausgehebelt werden?

    Es hat noch keinen Mann gestört, nur deshalb bevorzugt zu werden, weil er ein Mann ist, somit von ihm kein Erziehungsurlaub zu befürchten ist. Es sollte auch Frauen nicht stören, denn bei gleicher Qualifikation haben sie erwiesenermaßen keine faire Chance - die Chance, ihre Qualifikation unter Beweis zu stellen, liefert nur die Quote als eine von drei wesentlichen Säulen, nämlich gleicher Lohn für gleiche/gleich qualifizierte Arbeit, Aufteilung der Erziehungszeiten, gleiche Repräsentanz auf allen Ebenen durch Quote zur Beendigung der klischeehaften Rollenzuweisungen.

  • Regine Wolff, Lotte

    Natürlich brauchen wir ein Quote! Wir kommen doch in allen Bereichen, wo Frauen benachteiligt sind, auch von einer Quote und zwar von einer 100 Prozent Männer-Quote: Frauen durften nicht wählen, nicht studieren, nicht … , nicht… , nicht...

    Warum sollen 50 Prozent der Menschen nicht 50 Prozent Teilhabe fordern? Weil die anderen 50 Prozent sich jahrhundertelang 100 Prozent genehmigt haben? Auch eine 50 Prozent Männerquote in den sogenannten Frauenberufen wäre wünschenswert um auch dort das Lohnniveau und die Anerkennung zu heben.

  • Regine Eich, Essen

    Die Förderung der Gleichberechtigung steht im Grundgesetz, Artikel 3 (2) als Aufgabe des Staates. Seltsamerweise gibt es komplette Bereiche, bei denen noch nie eine Frau führte, beim Rundfunk z. B. ZDF und DLF, und eine sinkende Zahl weiblicher Abgeordneten.

    Eine Gesellschaft definiert sich durch ihre Führung. In einer Demokratie sollte sie paritätisch auch mit Frauen besetzt sein. Das fordert unser Grundgesetz. Wo liegt denn das Problem, wenn Männer zugunsten von Frauen auf Machtpositionen verzichten sollen? An den Männern. 

  • Steffen Reukauf, Löwenberger Land

    Nehmen wir mal an, Männer hätten es durch die Vater-Rolle schwerer, genug Arbeitszeit aufzuwenden. Und nehmen wir mal an, dass Männer auch dadurch weniger Chancen hätten, ganz oben mitzuspielen. Dann würde ich mir als Mann irgendwie schäbig vorkommen, wenn ich eine Quote bräuchte, damit ich mich zu den besten zählen darf. Völlig egal, ob in Politik, Wirtschaft oder Sport. Ich kann die Diskussion nicht nachvollziehen. Zudem höre ich auch von Frauen häufig, dass sie nicht nachvollziehen können, warum Frau unbedingt (gerade was Politik angeht) an irgendeiner Spitze stehen muss. Es gehe dann nicht nur sehr viel Feminität verloren. Aber man kann sicher zu allem unterschiedlicher Meinung sein. :-) Habe jahrelang ein Unternehmen mit einem sehr hohen Frauenanteil geführt, über 90 Prozent. Ich hatte nie den Eindruck, dass ein Großteil meiner Mitarbeiterinnen an eine Spitze drängte, eher dass sie sich Richtung Teilzeit orientierten und froh waren, wenn sie genug Zeit für ihre Familie haben und nicht so viel Verantwortung übernehmen müssen. Aber es gibt sicher auch andere Frauen.

  • Cornelia Parisius, Bonn

    Ich bin gegen eine Frauenquote, denn ich habe bei verschiedenen Entscheidungen für Personal oder Listen erlebt, dass ein qualifizierter Mann gegen eine unqualifiziertere Frau verloren hat, nur um die Frauenquote einzuhalten. Ich bin allerdings dafür, bei zwei gleich qualifizierten Menschen die Entscheidung, mit Rücksicht auf das Geschlechter-Gleichgewicht zu treffen. Grundsätzlich frage ich mich immer, warum die Frauenquote nur bei Führungspositionen diskutiert wird. Wozu sollte ich mich als Frau dafür interessieren, eine Spitzenposition zu erreichen und damit meine Gesundheit, meine Familie, meine Freizeit, meine Selbstbestimmung, meine Teamarbeit aufzugeben? Nur für Geld und Macht? Interessiert mich nicht! Warum werden nicht für die schlecht bezahlten Jobs wie Erzieherin, Krankenpfleger, Kassiererin, Verkäuferin, Friseuse, Putzfrauen etc. Männerquoten eingeführt? Frauen können nicht alles auf einmal machen und die Umverteilung kriegen wir nur hin, wenn beide Geschlechter in allen Berufen vertreten sind!

  • Freerk-Ludwig Steinbömer, Aurich

    Nein, wir brauchen keine Frauenquote! Man sollte Männlein und Weiblein allein nach deren Leistung beurteilen. Schon heute werden Frauen den Männern vorgezogen, weil die Frauenquote stimmen muss. Das bringt dann die Männer auf die Palme und schafft böses Blut.

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