Stand: 27.02.2019 10:34 Uhr

Wenig Kunst von Frauen in norddeutschen Museen

von Kira Gantner

In den USA sorgt gerade eine Studie für Aufregung. Demnach hängen in den wichtigsten Museen des Landes zu 90 Prozent Kunstwerke von Männern. Eine andere Studie kam zu dem Ergebnis, dass unter den 500 erfolgreichsten Künstlern weltweit nur 19 Frauen sind. Die Gleichstellung der Geschlechter in der Kunstwelt ist also noch lange nicht erreicht - auch in Norddeutschland nicht.

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Das Kulturjournal hat für Universitäten im Norden analysiert, wie hoch der Anteil der Studentinnen in Kunststudiengängen seit 1977 ist.

In den Deichtorhallen in Hamburg lehnen meterhohe Holzkisten an den Wänden. Die Vorbereitungen für eine neue Ausstellung laufen. Nur wenige Kunstwerke sind ausgepackt. Ungefähr die Hälfte sind Werke von Künstlerinnen. Bei prestigeträchtigen Einzelausstellungen sieht das jedoch anders aus. In den vergangenen 15 Jahren gingen fast 80 Prozent dieser Ausstellungen an männliche Künstler. Angesichts dieser Zahlen wird der Intendant der Deichtorhallen Dirk Luckow sichtlich nervös: "Ehrlich gesagt, überrascht es mich, weil ich es nicht so genau nachgezählt habe. Da gibt es offensichtlich Nachholbedarf."

Vorderfront der Hamburger Deichtorhallen.

Wie gleichberechtigt ist der Kunstmarkt?

Kulturjournal -

Unter den 500 höchst bezahlten Künstlern finden sich 19 Frauen. Ausstellungshäuser zeigen deutlich mehr Werke von Männern. Brauchen wir eine Frauenquote auf dem Kunstmarkt?

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Museen im Norden stellen mehr Werke von Männern aus

In anderen Kunsthallen im Norden fällt das Ergebnis nur wenig besser aus. In der Kunsthalle Kiel wurden bei 60 Prozent der Einzelausstellungen Werke von Männern gezeigt, im Sprengel Museum in Hannover sogar bei 73 Prozent.

Künstlerin Juliane Laitzsch arbeitet an einer großformatigen Zeichnung in ihrem Atelier bei Ratzeburg. Während ihres Studiums in den 80er- und 90er-Jahren sei die Kunstwelt viel offensichtlicher eine Männerwelt gewesen: Männliche Professoren förderten männliche Studenten. Heute habe sich zwar schon vieles gebessert, gleichberechtigt sei die Kunstwelt aber noch lange nicht. Sie erzählt vom jüngsten Beispiel des Gendergaps: "Fünf Künstlerinnen und Künstler werden zu einem Kunstpreis eingeladen: vier Frauen, ein Mann. Da stellt der Mann sich in den großen Raum und sagt: 'Hier zeige ich meine Arbeiten. Wenn das nicht geht, mache ich nicht mit.' Und er kommt damit durch."

Werke von Frauen erzielen bei Auktionen geringere Erlöse

Eine aktuelle Studie der Universität Luxemburg zeigt, wie gravierend die Unterschiede immer noch sind. Die Wissenschaftler analysierten 1,5 Millionen Auktionsverkäufe weltweit. Kunstwerke von Frauen kamen im Schnitt für 48 Prozent weniger Erlös unter den Hammer.

Doch woran liegt das? Hängt die Wahrnehmung von Kunst mit dem Geschlecht des Künstlers zusammen? Die Wissenschaftler zeigten Testpersonen Werke, ohne den Namen des Urhebers zu nennen. Die Teilnehmer konnten das Geschlecht des Künstlers nicht erraten. Aber die Bilder, die sie Männern zusprachen, beurteilten sie tendenziell besser. Intendant Dirk Luckow kennt dieses Phänomen: "Ich glaube, dass es diese Vorurteile gibt und hoffe, dass man selbst relativ frei davon ist." Er ist davon überzeugt, dass sich die Situation von allein verbessern wird.

Künstlerin Laitzsch fordert Frauenquote

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"Eine wirkliche Veränderung erwarte ich nur von der Quote", sagt Künstlerin Juliane Leitzsch.

Juliane Laitzsch hingegen verliert nach fast vier Jahrzehnten im Kunstbetrieb langsam die Geduld. "Alle Arten von Selbstverpflichtung und dieses 'das wird schon' und 'das wächst sich aus' und 'es gibt ganz viele Mentoring-Programme und die helfen alle etwas': Eine wirkliche Veränderung erwarte ich nur von der Quote." Es sollte zumindest eine Quote für alle Häuser, die - wie die Deichtorhallen - staatlich finanziert sind, geben: "Eine verpflichtende Quote wäre interessant, aber auch ein bisschen komisch. Ich glaube nicht, dass die Lösung darin liegt, dass man hier immer Frauenkunst sieht und dadurch den Blick auf die Kunst einengt", sagt Intendant Luckow.

Aber ist der Blick nicht auch jetzt eingeengt - auf männliche Kunst? Der Kunstmarkt ist ein Spiegel der Gesellschaft, auch das zeigen die Studien. Je gleichberechtigter ein Land, desto fairer läuft es auch auf dem Kunstmarkt.

Dieses Thema im Programm:

Kulturjournal | 25.02.2019 | 22:30 Uhr