Stand: 27.02.2020 09:33 Uhr

Ein einfacheres Leben - dem Klima zuliebe

Sieben Woche ohne - nicht nur Christen, viele Menschen nehmen die Fastenzeit vor Ostern zum Anlass, Verzicht zu üben. Doch für manche bedeutet das Verzichten auch einfach, einen anderen Lebensstil auszuprobieren. Einfacher leben, um dazu beizutragen, den Klimawandel zu verlangsamen. Wir stellen zwei Familien aus Braunschweig vor.

von Michael Hollenbach

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Familie Schöller verzichte viel, um den Klimawandel zu verlangsamen.

Die Schöllers wohnen am Rand der Braunschweiger Innenstadt in einem Mehrfamilienhaus. Die fünfköpfige Familie besitzt einen alten Volvo, aber den benutzen sie nur zwei, drei Mal im Jahr. Ansonsten wird geradelt: Weil es Spaß macht und vor allem weil es die Umwelt schont. Vor Mareike Schöller steht das Familienrad: vorne eine große Holzkiste mit einer kleinen Bank, auf der zwei Kinder Platz haben. Und hinten noch ein kleiner Sitz. Bei jedem Wetter setzen sich die Schöllers aufs Rad. "Das Fahrrad wird jeden Tag genutzt", erzählt Mareike Schöller. "Mein Mann bringt morgens die Kinder in den Kindergarten und in die Krippe, unser Sohn geht zu Fuß in die Schule. Ich hole sie dann nachmittags ab."

"Wir versuchen, nicht zu viel zu heizen"

Im Wohnzimmer der Schöllers ist es gemütlich, aber nicht unbedingt kuschelig warm. Ein Verzicht, den man fühlen kann. "Wir versuchen, nicht zu viel zu heizen. Mal einen dickeren Pullover anziehen, ist auch gut", sagt Konrad Schöller. Er hat es ausgerechnet: Bei der häuslichen Energie verbrauchen sie nur etwa halb so viel wie andere fünfköpfige Familien im Durchschnitt. "Aber es ist nicht so, dass wir ständig im Kalten leben", fügt Konrad Schöller hinzu.

Auch beim Warmwasser sind die Eltern recht sparsam, gesteht Mareike Schöller: Da es ohnehin immer so lange dauere, bis das Wasser endlich warm wird. "Die Kinder meckern zwar manchmal, aber es wird sich kalt gewaschen", sagt Mareike Schöller. "Manchmal denke ich schon: die Armen! Aber wir sind da schon ein wenig hart. Schadet ja auch nicht!"

Mit öffentlichen Verkehrsmitteln an die Atlantikküste

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Die Hilmers sind Bekannte von Familie Schöller. Sie sind im vergangenen Jahr mit dem Braunschweiger Klimaschutzpreis ausgezeichnet worden. Astrid und Heiko Hilmer haben drei Kinder: Karla, Lenja und Mitja. Auch sie verzichten aufs Auto; sind deswegen sogar vom Land in die Stadt gezogen. Klimafreundlich zu leben - das gilt für die Hilmers auch beim Thema Urlaub, betont der 50-jährige Vater, ein Mann mit hoher Stirn und einem dichten Vollbart. "Wir fliegen schon seit einigen Jahren nicht mehr", sagt Heiko Hilmer. "Wir haben im letzten Sommer - da kann man gern sagen, die Familie Hilmer spinnt - Campingurlaub zu fünft gemacht und sind mit öffentlichen Verkehrsmitteln an die Atlantikküste gefahren - quasi an einem Tag."

Avocados vom Speiseplan gestrichen

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Familie Hilmer gut gelaunt beim Radfahren

Für Menschen, die möglichst klimaschonend leben wollen, ist die Auswahl der Lebensmittel oder auch der bewusste Verzicht ein wichtiges Thema. So auch für Astrid und Heiko Hilmer. "Wir haben lange Zeit relativ häufig Avocados gegessen", erzählen die beiden. "Die haben wir jetzt von unserem Speiseplan gestrichen. Es ist der hohe Wasserverbrauch, der nötig ist, um sie zu produzieren und dann auch der weite Transportweg." In der Kühltheke nebenan locken kräftig rote Erdbeeren. "Zu dieser Jahreszeit Erdbeeren - das ist bei uns ein No-Go", sagt Astrid Hilmer. "Die kaufe ich nicht, egal wo sie herkommen."

Auf den Tisch kommt wenig Fleisch

Nun werfen die beiden einen eher flüchtigen Blick auf die Wurst- und Fleischtheke. Vegetarische Vorreiterin in der Familie ist die 18-jährige Tochter Karla. "Ich esse seit einiger Zeit kein Fleisch mehr", sagt Karla Hilmer. "Seitdem essen wir generell weniger Fleisch." Karlas Vater Heiko fügt hinzu: "Ich bin der Fleischesser, aber ich strenge mich an, Ersatzstoffe für diese Droge Fleisch zu finden."

"Enkel werden fragen: Wie konnte das mit der Umwelt passieren?"

Familie wie die Schöllers und die Hilmers versuchen, umweltbewusst zu leben: Bei der Kleidung, den Lebensmitteln, der Mobilität und dem Energieverbrauch versuchen sie, einen möglichst kleinen Fußabdruck zu hinterlassen. "Ich habe meine Großeltern gefragt, wie konnte das mit dem Zweiten Weltkrieg passieren?", erzählt Heiko Hilmer. "Da ist mir eingefallen: Meine Enkelkinder werden mich fragen: Wie konnte das mit der Umwelt passieren?"

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Matinee | 27.02.2020 | 11:20 Uhr