Stand: 23.01.2019 16:15 Uhr

Was unsere Vierbeiner den Menschen wert sind

von Astrid Rasch

Die NDR Kulturredaktionen beschäftigen sich in dieser Woche mit dem Thema Tierwohl. Unter dem Titel "Gequält und gehätschelt - wir und das Tier" geht es um unser schwieriges Verhältnis zu Tieren. Das Geschäft mit den Haustieren ist mittlerweile auch als Wirtschaftsfaktor nicht zu unterschätzen.

Man könnte meinen, es maute, bellte und tschiepte an jeder Ecke: Rund 31,6 Millionen Hunde, Katzen, Kleinsäuger und Ziervögel werden in Deutschland als Haustiere gehalten. In insgesamt rund 44 Prozent der Haushalte leben Haustiere. Am beliebtesten: die Katze, gefolgt vom Hund. Entsprechend groß ist auch das Geschäft mit den Tieren. Denn was Pflege, Zubehör und Futter angeht, hat die Industrie längst neue Ideen entwickelt, die bei vielen Tierbesitzern Anklang finden.

Selbstverständlich zum Hundefrisör

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Ob im Wohn- und Schlafzimmer: Hunde kommen ihren Besitzern immer näher. Deswegen sollen sie gepflegt sein.

"Bruno" muss heute stark sein. Noch eben war der Cocker-Spaniel pitschnass, dann kam der Föhn - und anschließend der Rasierer von Hundefriseurin Heike Hülsebusch. "Ich habe 'Bruno' erst mal gebadet, dann habe ich ihn mit einem Pflegeconditioner mit leichter Ölsubstanz behandelt, danach habe ich ihn geföhnt und die Schnauze freigeschoren, weil er aussah wie 'Antje', die Robbe", erklärt Hülsebusch. 

Im Salon Hundeschnittstelle in Hamburg-Hamm gehört Waschen-Schneiden-Föhnen zum normalen Programm. Dies sei aber weniger ein Luxus, als notwendige Pflege, meint Heike Hülsebusch: "Früher hat man gesagt, dass die Hunde nicht so oft gebadet werden müssen. Aber dadurch, dass sie so eng bei uns mit auf dem Sofa oder im Bett liegen, ist es wichtig, dass sie sauber sind und eine gepflegte Erscheinung haben. Mit einem gepflegten Hund kommt man auch sofort mit anderen ins Gespräch, das finden die Leute toll." Kundin Lena Rühl ist zufrieden mit "Brunos" neuer Frisur. Knapp 40 Euro zahlt sie für den Hundefrisör. Was "Brunos" Pflege pro Monat kostet, weiß sie nicht genau. 100 Euro seien es mindestens.

Gutes Futter darf etwas kosten

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Für Hundebesitzer spielt die Qualität des Futters eine große Rolle.

Damit ist sie nicht allein. Die meisten Deutschen geben viel Geld für ihre Haustiere aus. "Ich kaufe ziemlich gutes Futter, nicht das günstigste - da kommen mindestens 120 Euro zusammen", berichtet Cornelia Hinz. Sie hat gerade im Laden V.I.Pets in Hamburg-Pöseldorf ein neues Halsband für ihren Mischling gekauft. Hier gibt es Zubehör für Tiere, deren Herrchen und Frauchen Außergewöhnliches haben wollen. Außergewöhnlich schön, kurios - oder teuer. Das eleganteste Hundekörbchen kostet knapp 400 Euro. Ansonsten gibt es Hundeleinen aus Elch-Leder, Hunde-Spaghetti und ausgefallenes Spielzeug.

Heimtierbranche verzeichnet großes Umsatzplus

4,8 Milliarden Euro hat die Heimtierbranche im Jahr 2017 insgesamt umgesetzt. Verglichen mit dem Umsatz von vor zehn Jahren ist das ein Plus von rund 45 Prozent. V.I.Pets-Verkäuferin Martina Gerdts arbeitet seit vielen Jahren in der Branche. Auch sie beobachtet einen Wandel: "Die Kunden achten beim Hundefutter mehr auf Qualität. Es ist allgemein im Tierbedarf so, dass die Hersteller darauf achten, dass nicht so viele Abfälle verarbeitet werden, sondern eher hochwertige Sachen." Das heißt konkret: Auch veganes Futter oder Nassfutter aus feinstem Bio-Fleisch sind keine Seltenheit. Schon gar nicht bei V.I.Pets.

Der Hund als Deko-Objekt

"Das ist immer dieses Klientel, das nicht nur für den Komfort des Hundes einkauft, sondern auch vom Auge her", weiß Gerdts. Da wird es auch richtig kurios: "Das ist eine Hunde-Fliege. Die werden gekauft, passend zu dem Halsband, das gibt’s in der gleichen Farbe. Das ist dann ein Gag." Knapp 17 Euro kostet der Spaß. Kombiniert mit dem passenden Halsband ist man schnell bei über 100 Euro.

Zunehmende Nachfrage nach Nachhaltigkeit

Insgesamt sei den Kunden aber auch wichtig, nachhaltig zu kaufen. Sie wollten weniger Wegwerfware, mehr Qualität - die dann auch kosten dürfe, sagt Martina Gerdts. Denn Tiere gehörten für die meisten zur Familie. Da spare man nicht.

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Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Kultur | 24.01.2019 | 07:38 Uhr