"Le Grand Macabre": Start in eine neue Ära

Stand: 24.09.2021 06:00 Uhr

Am Sonnabend feiert "Le Grand Macabre" von György Ligeti im Mecklenburgische Staatstheater Schwerin Premiere.

von Axel Seitz

Nicht Verdi oder Puccini, nicht Mozart oder Wagner. Der neue Operndirektor am Mecklenburgischen Staatstheater, Martin G. Berger, hat sich bewusst gegen eine populäre Oper entschieden, um seine erste Spielzeit in Schwerin zu eröffnen. "Le Grand Macabre" von György Ligeti feiert am Sonnabend im Großes Haus Premiere. Ligeti schrieb seine einzige Oper bereits 1978, die inzwischen gültige Fassung gibt es erst seit 1996.

Die roten Sessel im Zuschauerraum bleiben leer, die Besucher sitzen stattdessen im Kreis auf schwarzen Plastikstühlen auf der Bühne, die sich zumeist dreht. Dahinter zehn große Fenster - Schaukästen und Videoleinwände - Orte der Handlung.

"Le Grand Macabre": ein aktuelles Stück

"Le Grand Macabre" sei ein Stück, dass unglaublich in unsere Zeit passe, findet Martin G. Berger. "Es handelt von einem Weltuntergang, der dann nicht stattfindet. Lust, Liebe, Leidenschaft, Gemeinsamkeit, miteinander feiern - das gewinnt in diesem Stück, triumphiert über den bösen Tod und ich fand das postpandemisch schön, ich fand das toll als einen Einstieg, um in eine neue Ära zu starten. Das man sagt, das wollen wir, die Gemeinschaft wollen wir zusammen erleben." Gerade Theater lebe von der Gemeinschaft, von der Nähe. Und das finde er toll, dass es dieses Stück so sehr zeige.

Es ist das erste Mal, dass Martin G. Berger diese Oper inszeniert, auch die Musikerinnen und Musiker der Mecklenburgischen Staatskapelle haben diese ungewöhnlichen Melodien bisher noch nicht gespielt. Auch für Generalmusikdirektor Mark Rohde ist "Le Grand Macabre" eine Premiere: "Das Stück will auch über große Strecken gar nicht schön für die Ohren sein, sondern das ist eine Theatermusik. Die Musik, die dient dazu, die Szene zu malen, zu unterstützen, Akzente zu setzen, Farben und wortlose Kommentare zu geben zur Handlung. Es ist im Grunde genommen wie bei einem guten Thriller oder Horrorfilm, da gibt es auch ganz viel Musik, die eine Handlungsmusik ist, die auch viel aus Dissonanzen besteht." Dies trage viel zu einem intensiven Theatererlebnis bei.

Keine klassische Oper

Dieses Stück sei keine klassische Oper, sagt Regisseur Martin G. Berger, sondern ein auskomponiertes Schauspiel: "Ich finde, das ist eines dieser Stücke, die es geschafft haben im 20. Jahrhundert aktuell zu bleiben und in den Kanon auch überzugehen. In Relation zu anderen Stücken aus der Zeit wird es sehr häufig gespielt. Immer wieder wird es auch an großen Häusern gemacht. Ligeti sagt ja, das ist eine Anti-Anti-Oper. Und das ist eigentlich ein sehr schönes Bonmot. Auf den ersten Blick scheint es, dass er immer gegen alles gehen möchte, was Oper ausmacht. Und das Tolle ist, dass er damit, dass er so ins Extreme geht, genau wieder den Kern von Oper trifft und genau das trifft, was Komponistinnen und Komponisten über Jahrhunderte gemacht haben - in der Oper zu versuchen, die Grenzen auszuloten und dann plötzlich in neue Sphären vorzudringen."

Im Breughelland plant der Höllenfürst Nekrotzar die Vernichtung der Welt. In der Schweriner Inszenierung gibt es ihn gleich zweimal - als Comic-Version und als ungestümen Jugendlichen. Diese Rolle übernimmt Martin Gerke, ebenfalls neu am Staatstheater: "Das ist genau das Theater, was ich die vergangenen 15 Jahre gemacht habe und auch das Theater, was ich machen will." Er glaube daran, dass das dem Zuschauer auch gefallen kann, wenn es sich drauf einlasse. "Das ist Oper des 20. und 21. Jahrhunderts. So sollte es sein", findet er.

Schweriner Inszenierung: bunt, laut, schräg, vulgär

Diese Inszenierung ist bunt, laut, schräg, vulgär - für Ohren und Augen der Betrachter ganz bestimmt ungewohnt, aber keinesfalls langweilig oder verstörend. Wer Oper nur mit vertrauten Arien verbindet, sollte auf eine Eintrittskarte verzichten. Wer aber erstmal auf der Bühne sitzt, kann ein musikalisches Feuerwerk erleben - "Le Grand Macabre" in Schwerin präsentiert sich als aktuelle Oper im Jahr 2021 und ist zugleich ein rasanter Auftakt in die neue Spielzeit:

"Ich glaube, dass ist das, was Theater leisten kann. Zu sagen, wir diskutieren das hier alles und wir verschweigen das nicht. Wir machen nicht nur Heidschi Heidschi und sagen, alles ist cool. Aber es ist schön, auf diese Schwierigkeiten eine positive Antwort zu finden. Das ist das, was ich mir wünsche und freue mich tatsächlich sehr, dass wir dieses Stück genau am Tag vor der Bundestagswahl auch hier zur Premiere bringen", so Berger.

Nach der Wahl ist vor der Premiere. Denn für alle, denen "Le Grand Macabre" zu makaber ist, dürfen sich am Mecklenburgischen Staatstheater auf einen Klassiker freuen -Mozarts "Die Zauberflöte" feiert im November Premiere.

"Le Grand Macabre": Start in eine neue Ära

Am Sonnabend feiert "Le Grand Macabre" von György Ligeti im Mecklenburgischen Staatstheater Schwerin Premiere.

Art:
Bühne
Datum:
Ort:
Mecklenburgisches Staatstheater/Großes Haus
Alter Garten 2
19055 Schwerin
Kartenverkauf:
Kartentelefon: (0385) 53 00-123
Öffnungszeiten Theaterkasse: Dienstag bis Freitag 10 bis 18 Uhr, Samstag: 16 bis 18.30 Uhr
Besonderheit:
Premierendatum: 25.09.2021
Hinweis:
Le Grand Macabre
Oper in zwei Akten von György Ligeti
Libretto von György Ligeti und Michael Meschke
Nach Michel de Ghelderodes Schauspiel "La Balade du Grand Macabre"

Inszenierung: Martin G. Berger
mit: Sebastian Kroggel, Morgane Heyse, Morgane Heyse, Cornelia Zink, Gala El Hadidi Markus Sung-Keun Park, Martin Gerke
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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | Kulturjournal | 24.09.2021 | 19:00 Uhr

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