Iris Berben erinnert mit gelesenen "Stolpersteinen" an NS-Zeit

Stand: 18.10.2021 12:57 Uhr

Die Schauspielerin Iris Berben hat mit Texten von jüdischen Autor*innen in den Hamburger Kammerspielen mit den "musikalisch-literarischen Stolpersteinen" an die Mitbürger erinnert, die dem Holocaust zum Opfer fielen.

In ganz Deutschland markieren Stolpersteine Orte, an denen Menschen lebten, die dem Holocaust zum Opfer fielen. 6.000 solcher Steine gibt es allein in der Hansestadt, wobei die Zahl jüdischer Hamburger, die das Dritte Reich nicht überlebten, sogar noch weit darüber liegt. Eine, die das Entsetzen darüber Zeit ihres Lebens nie losgelassen hat, ist Iris Berben. Nun hat sie mit den "musikalisch-literarischen Stolpersteinen" in Hamburg an sie erinnert.

Dass es für die Veranstaltungsreihe der Kammerspiele Polizeischutz braucht, zeigt allein schon ihre Notwendigkeit. Bei der zehnten Ausgabe verleiht Iris Berben der Lesung prominenten Glanz. "Es sind wunderbare Texte von Mascha Kaléko, Hannah Arendt, Anita Lasker Wallfisch und Lizzie Doron," erzählt Berben. "Und ich freue mich über jeden Zuschauer der da ist."

Iris Berben setzt mit Lesung ein Zeichen

1.700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland, zum Festjahr bringt Hamburgs Jewish Chamber Orchestra Werke von Pavel Haas und Franz Schubert auf der Matinée. "Das ist eine wichtige Veranstaltung. Sie macht wütend und traurig und manchmal sprachlos, und dann fällt mir ein das man gerade nicht sprachlos sein darf, sondern man muss laut reden," sagt Iris Berben.

Ihre professionell geschulte Stimme erhebt die 71-Jährige gern für gute Sachen: "'Take it easy!' sagen sie Dir - noch dazu auf Englisch. Nimm's auf die leichte Schulter! Doch du hast zwei. Nimm's auf die leichte. Ich folgte diesem populären, humanitären Imperativ - und wurde schief", so Iris Berben in den Kammerspielen. Kein bisschen schief, sondern ganz gerade gemacht hat sich Iris Berben mit diesem Stolperstein gegen Antisemitismus und Fremdenhass. Stolpersteine: ob im Gehweg oder in den Kammerspielen, in Wort oder Klang. Mindestens so lange sie nicht selbstverständlich sind, braucht es sie auch weiterhin. Je mehr, desto besser.

 

Weitere Informationen
49 im Juni 2018 frisch verlegte "Stolpersteine" mit Rosen darauf im Hamburger Stadtteil Langenhorn. © dpa/picture alliance Foto: Ulrich Perrey

Wie Stolpersteine an Opfer des Nationalsozialismus erinnern

Mit Stolpersteinen in Gehwegen erinnert der Künstler Gunter Demnig an die NS-Opfer. Mehr als 6.000 sind es alleine in Hamburg. mehr

Gunter Demnig, Künstler, betrachtet die von ihm verlegten Stolpersteine in der Talstraße. © picture alliance/dpa Foto: Axel Heimken

Erinnerung an NS-Opfer: 6.000. Stolperstein in Hamburg verlegt

Der Künstler Gunter Demnig verlegte neue Gedenksteine, die an chinesische Opfer des Nationalsozialismus erinnern sollen. mehr

Dieses Thema im Programm:

Hamburg Journal | 17.10.2021 | 18:30 Uhr