Stand: 06.12.2018 16:53 Uhr

Wenig Grund für Optimismus für den Jemen

Im schon vorher bitterarmen Jemen hat ein militärischer Machtkampf die Menschen seit Jahren ins bittere Elend und den schwachen Staat in den Kollaps geführt. Mächtige Nachbarn befeuern den Bürgerkrieg noch: politisch, mit Waffen und Hafenblockaden. Nun begegnen sich die verfeindeten Delegationen von Regierung und Rebellen zu Friedensgesprächen im schwedischen Stockholm, die behutsam moderiert werden. Besteht Aussicht auf Erfolg?

Ein Kommentar von Carsten Kühntopp, ARD-Hörfunkkorrespondent in Kairo

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Zu Verhandlungen über eine politische Lösung des Konflikts scheinen beide Seiten nicht bereit zu sein, meint Carsten Kühntopp.

Wie grauenvoll der Krieg im Jemen ist, zeigt schon eine einzige Statistik: Im Schnitt kommt alle zehn Minuten ein jemenitisches Kind ums Leben - entweder ist es verhungert, oder es ist an einer Krankheit gestorben. Der Bürgerkrieg, der seit fast vier Jahren wütet, hat den Jemen in die Hölle gestoßen.

Dennoch sind die Erfolgsaussichten der Gespräche zwischen Regierung und Rebellen, die in Schweden begonnen haben, nicht gut. Es ist zwar wahrscheinlich, dass beide Seiten vertrauensbildende Maßnahmen beschließen, wie den zum Auftakt verkündeten Gefangenenaustausch; diese Maßnahmen könnten im besten Fall dazu führen, dass die Gewalt weniger wird und dass die Not und das Leiden der Menschen gelindert werden. Doch zu Verhandlungen über eine politische Lösung des Konflikts scheinen beide Seiten nicht bereit zu sein, noch nicht. 

Niemand will jetzt Zugeständnisse machen

Sowohl die Regierung als auch die Houthi-Rebellen glauben derzeit Oberwasser zu haben - und der jeweils Stärkere zu sein. Nach Einschätzung der Regierung sind die Houthis mittlerweile militärisch geschwächt. Aus ihrer Sicht bietet es sich deshalb an, jetzt keine Zugeständnisse zu machen.

Aus Sicht der Aufständischen hingegen ist Saudi-Arabien, der wichtigste Unterstützer der Regierung, wegen der Khashoggi-Affäre tief verunsichert. Die Houthis dürften deshalb darauf setzen, dass sich die Weltmeinung weiter gegen die Saudis dreht und der Druck auf sie steigt. Für die Rebellen dürfte daraus ebenfalls folgen: Jetzt hart bleiben und ausharren.

Schwere Aufgabe für den UN-Vermittler

Beide Seiten glauben also, bei einem Kompromiss viel verlieren, aber wenig gewinnen zu können. Regierung und Aufständische gleichermaßen kalkulieren darauf, dass die Zeit auf ihrer jeweiligen Seite ist, dass ihre Verhandlungspositionen morgen besser sein werden als heute.

Angesichts dieser negativen Dynamik wird es der UN-Vermittler äußerst schwer haben. Er ist Realist und hofft, in Schweden zumindest den Weg ebnen zu können zu substanziellen Friedensverhandlungen zu einem späteren Zeitpunkt.

Nicht mehr Herr im eigenen Haus

Ohnehin sind die angereisten Unterhändler nicht mehr Herr im eigenen Haus. Das Schicksal des Jemen entscheidet sich nicht im Land selbst, sondern in Riad und in Teheran, in Abu Dhabi und Washington. Denn längst ist der Jemen zu einem Preis geworden im regionalen Machtkampf zwischen Saudi-Arabien und dem Iran. Mit ihrer Unterstützung für die Houthis wollen die Iraner die Saudis piesacken. Und die Saudis wiederum wollen verhindern, dass sich im eigenen Hinterhof ein Vorposten des Iran etabliert.

Frieden wird es im Jemen also erst dann geben, wenn die jemenitischen Akteure ihren Konflikt nicht länger als Nullsummenspiel begreifen - und wenn die rivalisierenden Regionalmächte bereit sind, sich zu arrangieren. Weder das eine, noch das andere ist in Sicht.

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Einigung auf Gefangenenaustausch für den Jemen

Seit 2014 herrscht Krieg im Jemen, alle Vermittlungsversuche scheiterten. Bei den Friedensgesprächen in Schweden konnte die UN einen ersten Erfolg verkünden. Mehr bei tagesschau.de. extern

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NDR Info | Kommentar | 06.12.2018 | 18:30 Uhr