Stand: 05.12.2016 11:13 Uhr

Wahl in Österreich: Wer zündelt, verliert!

Am Ende war es ein überraschend klares Ergebnis: Der frühere Grünen-Chef Alexander Van der Bellen hat sich gegen den Kandidaten der FPÖ, Norbert Hofer, durchgesetzt. Van der Bellen wird neuer Bundespräsident in Österreich. Viele Politiker aus ganz Europa haben auf das Wahlergebnis mit Erleichterung reagiert.

Ein Kommentar von Stephan Ozsváth, ARD-Hörfunkstudio Wien

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Stephan Ozsváth warnt in seinem Kommentar davor, nach der Wahl in Österreich in Europa jetzt zur Tagesordnung überzugehen.

Die Botschaft der Bundespräsidenten-Wahl in Österreich ist klar: Wer zündelt, verliert. Und Norbert Hofer, der rechtspopulistische Kandidat hatte im Wahlkampf gezündelt. Mit einem "Öxit" kokettiert. Mit Volksabstimmungen über die Todesstrafe. Und er hatte gedroht: Man werde sich noch wundern, was alles möglich sei. Er hatte tonnenweise Kreide gefressen, um vergessen zu machen, aus welchem Stall er kommt: Aus einem deutsch-nationalen Burschenschaftler-Milieu, das das Nachkriegs-Österreich für eine "geschichtliche Fiktion" hält, Frauen vor allem für die Brutpflege zuständig und Einwanderer für Menschen zweiter Klasse.

Ein Wolf im Schafspelz

Hofer hat tief in die Trickkiste des gewieften Wahlkämpfers gegriffen: Mit Haustieren posiert, eine Neujahrsansprache im Seniorenheim angekündigt und vor allem wollte er den "Staub abschütteln", den die alten Parteien hinterlassen haben. Der Blaue im edlen Zwirn, Mitglied eines elitären Ordens, gab den Punk: Anti-Establishment. Und er gab den Volksversteher.

Nun, Norbert Hofer hat sein blaues Wunder erlebt. Es gibt keinen Trump-Effekt in Österreich. Eine deutliche Mehrheit kaufte Norbert Hofer offenbar seine Verwandlungskünste nicht ab.

Niederlage für die Rechtspopulisten

In den Haltungsnoten schnitt der ehemalige Grünen-Chef Van der Bellen zwar nicht gut ab im Wahlkampf. Aber am Wahltag hat er schon wie bei der Stichwahl im Mai mobilisieren können, in den Städten, aber auch auf dem Land. Das ist eine beachtliche Leistung für einen, der vielen Österreichern als zweite Wahl galt - oder Schlimmeres. Die Österreicher, die ihr Kreuz bei ihm machten, haben ihn wegen seiner pro-europäischen Haltung gewählt. Das zeigen Befragungen unter seinen Wählern vom Wahltag. Die Warnungen vor einer "blauen" Republik - einer FPÖ-Republik - sind also auf fruchtbaren Boden gefallen. Es war eine Richtungswahl.

Das Ergebnis ist eine herbe Niederlage nicht nur für die FPÖ, sondern auch andere Rechtspopulisten in Europa, die schon den Sekt kalt gestellt hatten. Für Le Pen, Wilders und Petry fällt die Party erstmal aus. Die Sektkorken knallen bei denen, die für Anstand sind, für eine liberale, offene Gesellschaft. Und für eine Flüchtlingspolitik mit Augenmaß, aber im Grundsatz human.

Trotzdem hat dieser quälend lange und durchaus schmutzige Wahlkampf Narben hinterlassen. Und die Große Koalition in Wien, aber auch die etablierten Parteien in ganz Europa sollten einen Fehler jetzt nicht machen: Zur Tagesordnung übergehen. Die Pro-Europäer und liberalen Kräfte haben einen Punktsieg errungen. Aber weder die FPÖ, noch Le Pen, noch Wilders, noch Petry schlafen.

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Van-der-Bellen-Wahl ein Signal für Europa?

Österreichs künftiger Bundespräsident Alexander Van der Bellen glaubt, dass durch seinen Wahlsieg ein "rot-weiß-rotes Signal der Hoffnung" an die EU gesendet wird. Mehr auf tagesschau.de. extern

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NDR Info | Kommentare | 05.12.2016 | 08:50 Uhr