Stand: 05.02.2019 15:42 Uhr

Starke Worte von Papst Franziskus in Abu Dhabi

Auf seiner Reise in die Vereinigten Arabischen Emirate hat sich Papst Franziskus für die Verständigung von Muslimen und Christen eingesetzt. Er forderte gemeinsames Engagement gegen Gewalt und für Religionsfreiheit. Zum Abschluss zelebrierte Franziskus eine Freiluftmesse in Abu Dhabi, zu der mehr als 120.000 Menschen kamen.

Ein Kommentar von Carsten Kühntopp, ARD-Hörfunkkorrespondent in Kairo

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Aus Abu Dhabi gingen symbolträchtige Bilder und starke Worte um die Welt, meint Carsten Kühntopp.

In den Vereinigten Arabischen Emiraten ist dies das "Jahr der Toleranz", ganz offiziell. Der Besuch von Papst Franziskus sollte dabei das Gütesiegel sein, der Beweis dafür, wie sehr die Emirate die Vielfalt respektieren. In Wirklichkeit fahren die Herrscher seit Jahren eine beinharte Kampagne gegen jeden, der aufmuckt, denn sie fürchten um ihre Macht.

Auf den sogenannten Arabischen Frühling 2011 antworteten die Emirate mit einem nicht nachlassenden Angriff auf die freie Meinungsäußerung. Jede Form des politischen Dissens wird systematisch unterdrückt - durch willkürliche Festnahmen, durch das Verschwindenlassen von Menschen, durch Folter. Mit Hochtechnologie aus dem Westen und aus Israel haben die Emirate einen Überwachungsapparat geschaffen, der dem in China ähnelt. 

Herrscher verordnen religiöse Toleranz von oben

Allerdings ist dies nur die eine Seite der Emirate, die hässliche Fratze des Landes. Zur anderen Seite, der schönen, gehört, dass in den Emiraten Menschen aus etwa 200 Ländern friedlich zusammenleben und ihren Glauben dabei mehr oder minder frei praktizieren. Es gibt Kirchen, Tempel, eine Synagoge.

Die Straßen sind modern, Krankenhäuser und Schulen gut. Kein Wunder, dass junge Araber noch immer davon träumen, in die Emirate gehen zu können. Dort haben sie Chancen und Möglichkeiten, an die zu Hause nicht zu denken ist. Auch wenn über Politik in den Emiraten nicht geredet werden darf: Das Entwicklungsmodell dieses Landes funktioniert auch deshalb, weil die Herrscher religiöse Toleranz von oben verordnen - eine Botschaft, die sie mit der Einladung an Papst Franziskus unterstrichen haben.

Franziskus war nicht immer bequem für den Gastgeber

In Abu Dhabi hatte Franziskus ein Heimspiel. Das Interesse arabischer TV-Sender an seinem Besuch war groß, voller Sympathie wurde über den Papst berichtet - weil Franziskus dem Islam und Muslimen stets demonstrativ mit Respekt begegnet, weil er bereits zum vierten Mal ein arabisches Land besuchte, weil seine freundliche und gewinnende Art sofort überspringt. Für den Gastgeber war Franziskus dabei nicht immer bequem - so, als er feststellte: Der Jemen-Krieg ist fürchterlich, Materialismus schlimm, und die Ausländer bei euch brauchen mehr Rechte. 

Menschenrechte und Meinungsfreiheit respektieren!

Den passenden Partner für den versuchten Brückenschlag zwischen den Religionen fand der Papst in Ahmed al-Tayyeb, Großscheich der al-Azhar in Kairo, der wichtigsten Lehreinrichtung im sunnitischen Islam. Al-Tayyebs Rede auf der interreligiösen Konferenz war mindestens so klug und beeindruckend, wie die des Papstes. So forderte der Großscheich volle Bürgerrechte für Christen in der Region. Der Papst und der Großscheich, einander bei den Händen haltend: Aus Abu Dhabi, aus dem Nahen Osten, ausgerechnet, gingen symbolträchtige Bilder und starke Worte um die Welt.

Die Vereinigten Arabischen Emirate können stolz darauf sein, dass sie diesem "Fest der Brüderlichkeit" die Bühne geboten haben. Ihre zur Schau gestellte religiöse Toleranz würde aber ehrlicher und überzeugender wirken, wenn die Emirate auch die Menschenrechte und die Meinungsfreiheit respektieren würden.

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Papst Franziskus ungewohnt direkt und kritisch

Bei seinem Besuch in den Emiraten ist Papst Franziskus ungewohnt direkt aufgetreten. Unter anderem kritisierte er offen den Krieg im Jemen. Mehr bei tagesschau.de. extern

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NDR Info | Kommentar | 05.02.2019 | 17:08 Uhr