Stand: 08.08.2018 18:30 Uhr

Ryanair wird sich weiter wandeln müssen

Wer für Freitag einen Flug bei Ryanair gebucht hat, sollte sich besser schnell nach einer Alternative umschauen: Wegen eines Pilotenstreiks streicht der irische Billigflieger nahezu alle Flüge von und nach Deutschland. 250 Flüge sollen ausfallen. Auch der Norden ist betroffen. Ryanair bezeichnete den Streik als "ungerechtfertigt" und "unnötig".

Ein Kommentar von Hendrik Buhrs, WDR-Wirtschaftsredaktion

Bild vergrößern
Am Freitag werden wegen des Piloten-Streiks viele Ryanair-Maschinen auf dem Boden bleiben.

An guten Tagen ist Ryanair perfekt organisiert wie ein Uhrwerk. Normalerweise sehr pünktlich, ein großes Streckenangebot, und alles, was Geld kostet und keins reinbringt, wird eiskalt weggelassen. So hat der irische Billigflieger jahrelang die alteingesessene Konkurrenz aufgescheucht und Lufthansa, Air France und Co. dazu gebracht, einige Ryanair-Konzepte nachzumachen. Ach ja, im Geschäftsbericht steht eine Gewinnmarge von rund 20 Prozent. Für Fluglinien ist das ein Traumwert.

Wenn wir fair sind, hat Ryanair auch denjenigen Kunden genützt, die nie in ein blau-weißes Flugzeug steigen würden. Denn die Durchschnittspreise sind im gesamten Flugsektor gefallen. Firmenchef Michael O’Leary, ohnehin nicht mit einem geringen Selbstbewusstsein ausgestattet, dürfte in der Firmengeschichte oft Gelegenheit zum Lächeln gehabt haben.

Die Piloten drehen den Spieß nun um

Aber es kommen auch schlechte Tage für Ryanair. Heute war schon einer, mit einer unangenehmen Streichliste, die den Flugplan durcheinanderbringt. Der Freitag wird dann noch härter, wenn der erste große Pilotenstreik in Deutschland läuft. Denn die Piloten drehen den Spieß um und machen jetzt etwas nach, was bei den anderen Airlines lange dazugehört. Sie ringen mit dem Unternehmen um einen Tarifvertrag, um eine gemeinsam verhandelte Bezahlung und um vernünftige Standards für den Arbeitsalltag.  

Es geht um den Ruf von Ryanair

Das ist ungewohnt für Ryanair. Statt Angreifer zu sein, muss der Konzern jetzt reagieren. Schon die prinzipielle Bereitschaft, mit Gewerkschaften zu sprechen, ist ein erstes Zeichen. Jetzt müssen konkretere Verbesserungen folgen. Leisten könnte sich Ryanair die Wünsche der Piloten ohne Weiteres, das Gewinnpolster ist wie gesagt ordentlich. Außerdem wollen Jahr für Jahr immer mehr Europäer fliegen, der Markt wächst weiter und die Iren werden auf Dauer ihren Ruf behalten wollen, zwar billig, aber auch zuverlässig zu sein. Außerdem sind Piloten gerade knapp. Wenn Ryanair ihnen nicht mehr schmeckt, werden sie zur Konkurrenz wechseln.

Flugtickets könnten teurer werden

Für uns Kunden heißt das: Wahrscheinlich wird ein Flugticket oder ein Kofferzuschlag etwas mehr kosten. Damit verwandelt sich das Fliegen nicht sofort wieder in eine elitäre und teure Angelegenheit wie in den Nachkriegsjahrzehnten. Aber so wie die Lufthansa über die Jahre ein Stück mehr Ryanair geworden ist, wird der Billigflieger nicht mehr überall billig bleiben können.

Weitere Informationen

Ryanair-Streik: Flugausfälle im Norden

Am Freitag sind in Hamburg und Bremen je zwölf Flüge der Billig-Airline Ryanair ausgefallen. Grund war ein 24-stündiger Piloten-Streik. In Hamburg waren rund 2.000 Fluggäste betroffen. mehr

Link

Deutschlandweite Streiks bei Ryanair

Ab Freitagmorgen wollen Piloten der Fluggesellschaft Ryanair deutschlandweit 24 Stunden lang streiken. Kollegen aus Schweden, Belgien und Irland wollen sich anschließen. Mehr bei tagesschau.de. extern

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Kommentar | 08.08.2018 | 18:30 Uhr