Stand: 20.03.2019 17:47 Uhr

Monsanto wird zur Belastung für Bayer AG

Im vergangenen Sommer hat der deutsche Bayer-Konzern den Glyphosat-Entwickler Monsanto übernommen. Zum zweiten Mal hat ein Gericht in den USA das Herbizid Glyphosat als mitverantwortlich für eine Krebserkrankung eingestuft. Mehr als 11.000 Verfahren sind noch anhängig. Sie werden sich auf das Urteil in San Francisco stützen. Monsanto wird somit zur Belastung für den Bayer Konzern.

Ein Kommentar von Sebastian Moritz, WDR

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Der Glyphosat-Hersteller Monsanto gehört seit vergangenem Sommer zur deutschen Bayer AG.

Die Monsato-Übernahme war mutig. Der US-Konzern galt schon immer als das Schmuddelkind der Branche. Einerseits führend in der Pflanzen-Biotechnik, der weltgrößte Hersteller von Saatgut, andererseits das Sinnbild für den oft kritisierten Einsatz von Gentechnik bei der Entwicklung neuer Pflanzen. Und nicht nur das. Schon in den 60er-Jahren bekam Monsanto Gegenwind, weil der Konzern das Mittel Agent Orange produzierte, mit dem die US-Armee im Vietnamkrieg ganze Wälder zerstörte.

Wer so einen Konzern kauft, braucht Mut. Bayer-Chef Werner Baumann hatte diesen Mut. Er zahlte im vergangenen Jahr 63 Milliarden US-Dollar für das Unternehmen und schrieb damit ein Stück Wirtschaftsgeschichte. Es war die teuerste Firmenübernahme durch ein deutsches Unternehmen.

Der Mut des Bayer-Chefs hat sich nicht gelohnt

Und er wusste bei der Übernahme um das schlechte Image, das Monsanto mit sich herumträgt. Nicht umsonst sollte der Name mit dem Schmuddel-Image auch ganz schnell verschwinden. Aus "Monsanto" wurde "Bayer Crop Science". Doch das ist alles. Monsanto ist natürlich immer noch präsent - und bleibt es, mindestens so lange die Prozess-Welle rollt.

Die Frage, ob sich der Mut des Bayer Chefs gelohnt hat, lässt sich am heutigen Tag nur mit einem Nein beantworten. Dafür reicht ein Blick auf die Bayer-Aktie. Die war mal rund 140 Euro wert. Heute ist es nicht mal mehr die Hälfte. Der Gewinn des Konzerns ist im vergangenen Jahr um Dreiviertel eingebrochen. Bayer muss weltweit 12.000 Stellen streichen. Die Zahlen sprechen klar gegen Bayer und klar gegen den Mut von Konzern-Chef Baumann.

Mut oder eher Übermut

Denn Mut alleine reicht nicht, um als Konzern erfolgreich zu sein. Das wird hier eindrucksvoll deutlich. Es sieht immer mehr danach aus, dass sich der Konzern mit der Übernahme verkalkuliert hat. Dass er das Risiko der mit der Übernahme verbundenen Klagen falsch eingeschätzt hat. Die 660 Millionen Euro, die der Konzern vorsorglich für mögliche Strafzahlungen zur Seite gelegt hat, wirken wie ein schlechter Witz, wenn man bedenkt, dass Bayer allein im ersten Glyphosat-Prozess schon fast 70 Millionen Euro Schadenersatz zahlen soll. Schließlich stehen noch mehr als 11.000 weitere Klagen an.

Ob sich die Übernahme langfristig gelohnt hat, lässt sich seriös erst dann beantworten, wenn die riesige Klagewelle abgeebbt ist - und das kann noch Jahre dauern. Ob Baumann dann aber noch an der Spitze des Konzerns steht, wird angesichts der noch ausstehenden Klagen immer ungewisser. Denn es deutet immer mehr darauf hin, dass die Übernahme nicht nur mutig war, sondern am Ende sogar übermütig.

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NDR Info | Kommentar | 20.03.2019 | 17:08 Uhr