Stand: 25.04.2019 16:57 Uhr

Kim trifft Putin - eine gelungene Inszenierung

Russlands Präsident Wladimir Putin hat sich nach seinem Gipfeltreffen mit Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un für eine friedliche Lösung des Atomkonflikts ausgesprochen. Das Land brauche im Gegenzug für eine nukleare Abrüstung internationale Sicherheitsgarantien, sagte der Kremlchef nach dem Vier-Augen-Gespräch. Auch Kim bewertete das Treffen positiv. Er sprach von einem sehr substanziellen Meinungsaustausch.

Ein Kommentar von Martha Wilczynski, Korrespondentin im ARD-Studio Moskau

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Auffallend war, dass sich Wladimir Putin bei dem Treffen nicht aufgespielt habe, meint Martha Wilczynski.

Eines ist klar: Mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin und dem nordkoreanischen Machthaber Kim Jong Un haben sich zwei Männer getroffen, die gesehen werden wollen auf der großen Bühne der Weltpolitik. Putin in der Rolle des Vermittlers, der durch Gespräche und diplomatisches Geschick Dinge erreichen kann, an denen andere scheitern. Kim als einer, der doch mit sich reden lässt, wenn man denn den richtigen Ton trifft - und mit dem es sich darüber hinaus durchaus zu reden lohnt.

Und tatsächlich war es eine gelungene Inszenierung. Die Verabschiedung der beiden nach knapp vierstündigen Gesprächen wirkte schon fast wie eine Verneigung vor dem Blitzlichtgewitter der umstehenden Journalisten: zufriedene Gesichter, fester Händedruck, letzte, freundliche Worte. Und dann Kims Abgang in seiner schwarzen Limousine.

Putin verweist auf die Beziehung Nordkoreas zu den USA

Was aber folgt nun auf das Treffen, das so viele Medien schon im Vorfeld als historisch bezeichnet haben - und das die Hauptakteure selbst permanent ins Licht der langen Tradition russisch-nordkoreanischer Beziehungen rückten? Auffallend war, dass Wladimir Putin die mögliche Vermittlerrolle Russlands im Streit um das nordkoreanische Atomprogramm zwar stets betonte, sich dabei aber nicht aufspielte. Einen Habitus à la "Trump und die USA haben es nicht hinbekommen, jetzt kommen wir und machen es richtig" gab es nicht.

Im Gegenteil: Immer wieder sprach Putin von der Notwendigkeit, dass sich die USA und Nordkorea wieder annäherten. Mehr noch: Er betonte, dass Russland und die USA in puncto Denuklearisierung Nordkoreas das gleiche Ziel verfolgten und dass er die Ergebnisse dieses Treffens mit der US-amerikanischen Führung besprechen wolle. Ebenso wie mit der chinesischen Führung, zu der sich Putin nach seinem Treffen mit Kim aufmachte.

Wiederbelebung des Sechs-Parteien-Formats?

Soweit die kurzfristigen Pläne. Als mögliche langfristige Lösung im Atomstreit mit Nordkorea schwebt Russland allerdings etwas Größeres vor - wie etwa eine Wiederbelebung des Sechs-Parteien-Formats. Das wäre ein cleverer Zug, denn dass Russland alleine in Sachen Nordkorea nichts bewegen kann, ist Putin durchaus klar. Vor allem dann nicht, wenn er an den UN-Sanktionen rütteln möchte, um Kim Jong Un zu einem Entgegenkommen zu bewegen.

Im Sechs-Parteien-Format würden aber die USA, China, Russland und Nordkorea zusammen an einem Tisch sitzen - gemeinsam mit Japan und Südkorea. Russland müsste also gar nicht die Hauptrolle spielen, um bei einer international so relevanten Frage endlich wieder mitreden zu können. Ein Nebencharakter, der aber dennoch eine entscheidende Wendung zur Geschichte beitragen könnte. Wenn denn sein Gegenpart Kim Jong Un auch in Zukunft so gut mitspielt.

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Putin fordert Garantien für Nordkorea

Nordkorea braucht dem russischen Präsidenten Putin zufolge vor einer Aufgabe seines Atomprogramms Sicherheitsgarantien. Mehr zum Treffen mit Machthaber Kim bei tagesschau.de. extern

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NDR Info | Kommentar | 25.04.2019 | 17:08 Uhr