Stand: 09.10.2019 10:44 Uhr

Erdogans Syrien-Plan hilft Assad und dem IS

Angesichts einer erwarteten türkischen Militär-Offensive bringen die Kurden im Norden Syriens ihre Truppen in Stellung. Die Autonomie-Verwaltung verkündete eine Generalmobilmachung. Kämpfer werden aufgerufen, sich an die Grenze zu begeben, um Widerstand zu leisten, heißt es in der Erklärung. Die türkische Regierung hat angekündigt, in Kürze mit Militäroperationen im Nachbarland zu beginnen. Sie will dort eine Pufferzone einrichten, in der syrische Flüchtlinge angesiedelt werden sollen. Ankara betrachtet die kurdischen YPG-Verbände als Terrororganisation.

Ein Kommentar von Jürgen Stryjak, z. Zt. Korrespondent im ARD-Studio Kairo

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Es sei kaum vorstellbar, dass eine türkische Offensive in Nordsyrien zu etwas anderem führe als zu noch mehr Gewalt und Elend, meint Jürgen Stryjak.

Na dann, auf ein Neues, möchte man fast sagen. Türkische Militäroffensiven auf Kurdengebiete in Nordsyrien hat es seit 2016 bereits zweimal gegeben. Die Türkei nannte sie "Schutzschild Euphrat" und "Operation Olivenzweig", als handele es sich um Friedensmissionen statt um Militärschläge zur Sicherung von Einflusssphären.

Die "Operation Olivenzweig" in und um Afrin im Winter 2018 sah so aus: Städte und Dörfer wurden teilweise zerstört. 200.000 Menschen flohen. In viele von Kurden verlassene Häuser zogen arabische Syrer, Aufständische zum Beispiel, die dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan gewogen sind, unter ihnen auch Extremisten.

Kurdengebiete in Nordsyrien kein zivilgesellschaftliches Paradies

Udo Steinbach lächelt vor einem Bücherregal. © akg-images / Michael Zapf Foto: Michael Zapf

Steinbach: Abzug der USA aus Nordsyrien ein Fehler

NDR Info - Infoprogramm -

Nahost-Experte Steinbach hält einen US-AAbzug aus Nordsyrien und eine türkische Militäroperation dort für einen Fehler. Er befürchtet eine Stärkung des IS und weitere Flüchtlingsströme.

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Die Hilfsorganisationen bereiten sich fieberhaft auf das humanitäre Elend vor. Wieder einmal stellen sie Notfall- und Evakuierungspläne auf. Aber was ist mit den politischen Folgen eines türkischen Einmarsches?

Die Kurdengebiete in Nordsyrien sind kein zivilgesellschaftliches Paradies. Politische Gegner müssen mit Verhaftung rechnen, arabisch-stämmige Syrer beklagen Diskriminierung.

Aber gleichzeitig haben die Kurden etwas geschaffen, das seinesgleichen sucht in Syrien: eine Selbstverwaltung mit basisdemokratischen Mechanismen, die Männer und Frauen gleichermaßen gestalten. Überall dort, wo die Kurden nicht den sogenannten Islamischen Staat (IS) bekämpften und wo sie nicht von der türkischen Armee überfallen wurden, da existiert ein Gemeinwesen, das halbwegs funktioniert.

Den Kurden droht die Vertreibung

Tagesschau.de
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Erdogan braucht den Erfolg in Nordsyrien

Der geplante Militäreinsatz der Türkei in Nordsyrien ist lange geplant - und aus Sicht des Präsidenten dringend nötig: Erdogan muss Erfolge vorweisen. Mehr bei tagesschau.de. extern

In Ankara heißt es, die türkische Armee wolle "Frieden und Stabilität" nach Nordsyrien bringen - mit Waffengewalt also und in ein Gebiet, in dem Frieden und Stabilität mehr als sonst wo in Syrien ja bereits herrschen.

Vermutlich wird das Gegenteil eintreten. Da die Türkei in Nordsyrien zwei Millionen syrische Kriegsflüchtlinge ansiedeln will, droht den Kurden die Vertreibung, die man dann wohl "ethnische Säuberung" nennen muss. Die Kurden sind gewillt, sich zu verteidigen. Dass sie sich verraten und geopfert fühlen, vor allem von den USA, wird sie nur noch entschlossener machen.

Es ist kaum vorstellbar, dass der türkische Waffengang in Nordsyrien zu etwas anderem führt als zu noch mehr Gewalt und Elend. Freuen können sich allerdings zwei andere Kräfte: Die Terroristen vom IS, weil es ja hauptsächlich kurdische Kämpfer und Kämpferinnen waren, die ihn in Syrien nahezu besiegten. Sowie außerdem ein Mann in Damaskus, wo die Kurden 2018 schon einmal Hilfe gegen die Türken suchten. Er heißt: Bashar al-Assad.

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Kommentar | 09.10.2019 | 06:08 Uhr