Stand: 08.02.2019 13:43 Uhr

Gretas Klima-Protest muss "cooler" werden

Die 16 Jahre alte Greta Thunberg ist innerhalb kürzester Zeit weltberühmt geworden: Sie schwänzt an jedem Freitag die Schule, dafür demonstriert sie in Stockholm für ein besseres Klima und eine bessere Klimapolitik. Viele Schülerinnen und Schüler folgen ihr inzwischen. Aber mal ehrlich: Wird der Protest der jungen Frau auf Dauer guttun?

Eine Glosse von Albrecht Breitschuh, NDR 2

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Durch ihre Protestaktionen ist Greta Thunberg schon zu einem echten "Medienprofi" geworden.

Sie ist jung, ernährt sich vegan, macht hinter sich das Licht aus, hat bereits als Achtjährige beschlossen, nicht mehr zu fliegen, und verweigert freitags den Schulbesuch. Alles fürs Klima. Die Heiligsprechung der 16 Jahre alten Greta Thunberg aus Stockholm scheint unmittelbar bevorzustehen.

Passive Unterstützung aus dem Bundestag

Unter einem dunklen und bewölkten Himmel steht ein junges Mädchen mit einer gelben Jacke und hält ein Schild in der Hand auf dem in schwedischer Schrift steht: "Die Schule streikt für das Klima". © dpa picture alliance Foto: Hanna Franzén

Was macht der Klima-Kampf mit Greta Thunberg?

NDR Info - Auf ein Wort -

Greta Thunberg ist innerhalb kürzester Zeit weltberühmt geworden. Aber wird der Protest der jungen Frau auf Dauer guttun? Albrecht Breitschuh bittet auf ein Wort.

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Für die Vorstufe, den Friedensnobelpreis, ist sie bereits nominiert. Die Grünen-Politikerin Lisa Badum hat sie vorgeschlagen. Badum ist mit 35 Jahren zu alt, um fürs Klima die Schule schwänzen, alternativ könnte sie Bundestagssitzungen fernbleiben, was allerdings niemandem auffallen würde. Also entschied sie sich für eine in jeder Hinsicht Ressourcen schonendere Variante, hüpfte auf das Trittbrett der jungen Schwedin und reichte den Vorschlag ein. Die Rechnung ging auf.

Der Betrieb funktionierte wie gewünscht und bescherte Badum die erhoffte Prise Aufmerksamkeit, ohne die ein artgerechtes Leben im Bundestag gar nicht mehr möglich ist.

Konkurrenz aus den USA

Die Chancen für Greta Thunberg auf den Friedensnobelpreis stehen gar nicht mal schlecht, denn seit der Vergabe an Barack Obama wissen wir, dass das Komitee in Oslo vor überhaupt nichts mehr zurückschreckt, wenn es nur eben der Publicity dient. Übrigens: Auch Donald Trump ist vorgeschlagen! Vermutlich nicht für seine Klimapolitik, aber so viel ist mal sicher, die Konkurrenz schläft nicht!

Der mediale Fleichwolf ist gefräßig

Darf man über ein 16 Jahre altes Mädchen, das vermutlich grundehrliche Absichten über ein ernstes Thema verfolgt, spotten, sie gar kritisieren? Schwer zu sagen, aber man darf zumindest seine Sorgen artikulieren. Nämlich darüber, dass von ihr möglicherweise nicht mehr ganz so viel übrig bleibt, nachdem sie einmal kräftig durch den medialen Fleischwolf gedreht wurde. Und gegen dessen alles zermalmende Wirkung auch keine noch so vegane Ernährung hilft.

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Bei Wind und Wetter: Greta Thunberg protestiert auf ihre Art und Weise gegen die aktuelle Welt-Klimapolitik.

"Greta Thunberg findet deutsche Klimapolitik absurd", meldeten am Donnerstag (07.02.2019) so gut wie alle Online-Portale deutscher Zeitungen, und es dürfte nur noch eine Frage der Zeit sein, bis Greta Thunbergs Meinung zum Brexit, dem Tempolimit oder der Feinstaubbelastung in den Rang einer Nachricht erhoben wird, hat ja auch alles irgendwie mit Klima zu tun.

Nutz die Zeit für schöne Dinge ...

Und Greta Thunberg hat auch irgendwie immer recht. Das ist ja überhaupt das Praktische am Aktivisten-Dasein: Man steht immer auf der richtigen Seite. Aber immer nur recht zu haben, langweilt auf Dauer auch, nicht zuletzt die Medien. Deshalb meine Prognose: Falls nicht der Friedensnobelpreis dazwischen kommt, wird die junge Schwedin Ende des Jahres auch freitags wieder die Schulbank drücken und Platz machen müssen für "neue Gesichter", denn wir brauchen ja Abwechslung.

Ach, Greta, Dein Engagement in allen Ehren, aber sieh es doch mal so: Auch Du bist nur einmal jung. Leg mal eine Pause ein, entspann Dich beim Schulbesuch und halte es wenigstens für möglich, dass sich die Welt mit dem Untergehen noch ein bisschen Zeit lässt. Und die nutzt Du am besten für schöne Dinge. Ein Apfelbäumchen zu pflanzen, das wäre doch schon mal ein Anfang. 

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Auf ein Wort | 08.02.2019 | 18:25 Uhr